Die Welt der Wunder

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Die Reisterrassen von Banaue liegen etwa 700 bis 1500 Meter über dem Meeresspiegel.

„WOW“, World of Wonder nennen sich die Philippinen selbstbewusst, trotz negativer Schlagzeilen. Reiseredakteur Volker Pfau war in dem Land der Wunder. Und hat sich selbst sehr gewundert.

Es war fast schon zu perfekt: Da fahren wir an unserem Abreisetag von der Insel Palawan mit dem Boot vom Hotel zum Flughafen El Nido – auf anderem Weg ist die Propellermaschine nach Manila vom Hotel aus nicht erreichbar – und dann taucht wenige Minuten, bevor das Motorboot den kleinen Anlegesteg am Strand erreicht, eine riesige Wasserschildkröte neben uns auf. Zu kurz, um sie mit der Kamera zu erwischen, aber lange genug, um das prachtvolle, etwa einen Meter lange Tier anzusehen, das da aus dem türkisblauen Wasser lugt, gerade so, als wolle es uns aus der Welt der Wunder verabschieden.

Schulkinder besuchen das Ozenarium in Manila.

Dabei ist nach acht intensiven Tagen Philippinen der Kopf voll mit Eindrücken und die Kapazität der Speicherkarten in der Kamera ist so ziemlich ausgereizt. Bevor uns der Ruf des Matrosen wegen des gepanzerten Meeresgetiers aufschreckte, gingen die Gedanken zurück, reisten unsere Tour noch einmal nach. Manila, die Hauptstadt, hatte uns Ende November mit schwül-warmen 30 Grad empfangen.

 „Im Sommer ist die Luftfeuchtigkeit noch viel höher“, hatte Reiseleiterin Cristy gesagt, jetzt herrsche doch richtig angenehmes Wetter. Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an. So wie zum Beispiel auch beim Thema Armut. In dem Moaltenauf dem Gehweg kunstvoll arrangieren. Und auch der Verkehr pulsiert, mehr als den Touristen lieb ist. Die wie wilde Hummeln schwärmenden Busse, Jeepneys und Dreirad-Rikschas lassen einen kaum die andere Straßenseite erreichen, man wundert sich, dass es nicht ständig kracht. „Wer Mut hat, kommt voran“, lautet die Weisheit von Reiseleiterin Cristy, „und eine Hupe ist wichtiger als die Bremse.“

Mehr als 7100 Inseln zwischen Pazifik und Südchinesischem Meer - die Philippinen sind Heimat für mehr als 71 Millionen Menschen.

Das Kontrastprogramm wartet eine Flugstunde gen Norden nach Laoag in den Provinzen Ilocos Norte und Ilocos Sur am südchinesischen Meer. Hier herrscht Ruhe und wir bewundern die immer noch sehr gut sichtbaren Einflüsse der spanischen Kolonialherren. Über 300 Jahre beherrschten die Europäer die Philippinen, und noch heute ist der katholische Glaube die Hauptreligion, und vor allem die Kirchen sind gut erhalten.

Vigan ist die älteste bestehende spanische Kolonialstadt und wurde deswegen von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. In der Calle Crisologo ist das Ensemble der Häuser noch fast vollständig erhalten, und wenn die einachsigen Pferdekutschen durch die autofreie Straße zuckeln, fühlt man sich in die Kolonialzeit zurückversetzt. Die Spuren der Moalten Herrscher wurden kaum getilgt. Die Region ist – für philippinische Verhältnisse – reich.

Das günstige Klima mit einer langen Trockenzeit von Oktober bis Mai ermöglicht gute Ernten, auf den Feldern werden Reis, Soja, Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak und Zwiebeln angebaut. Und auch dass der ehemalige Diktator Ferdinand Marcos von hier stammt, hat der Provinz Ilocos Norte wirtschaftlich sicher nicht geschadet, sein Sohn Ferdinand ist amtierender Gouverneur. Heute wird der vor 20 Jahren gestorbene Diktator auf dem Marcos-Familiengrundstück in Batac in einem Mausoleum im Glassarg aufgebahrt. Das unspektakuläre Gebäude ist öffentlich zugänglich. Schilder weisen darauf hin, dass Waffen und „harte Objekte“ nicht mit ins Innere genommen werden dürfen, Fotografieren ist obendrein streng verboten.

Von dunklem Blau bis zu hellem Grün: Die Farbe des Meeres rund um die Philippinen wechseln stänidig.

Dagegen ist Fotografieren heftigst erlaubt und erwünscht in El Nido, der letzten Station unserer Reise. Hier, im Norden der Insel Palawan, ist das Lagen Resort, das inmitten eines Naturwunders liegt. Ringsherum gibt es eine Vielzahl kleiner, oft namenloser Inseln mit unberührter Natur, mit herrlichen Stränden, mit einer faszinierenden Unterwasserwelt und mit einem perfekten Angebot, die Zeit zwischen den üppigen Mahlzeiten aktiv oder passiv zu verbringen. Sonne, Sand und Meer – was will man mehr?

Unsere einheimischen Begleiter wundern sich, dass wir über die scheinbar stets fröhlichen und liebenswerten Filipinas und Filipinos staunen. „Wir haben eine asiatische Seele, einen westlichen Geist und ein Herz, das im feurigen Rhythmus lateinamerikanischer Tänzer schlägt.“ Kein Wunder, dass dieses Land so selbstbewusst seine Gäste begrüßt.

REISE-INFOS PHILIPPINEN

REISEZIEL Die aus 7107 Inseln bestehende Republik (davon etwa 2000 bewohnt) liegt im westlichen Pazifischen Ozean. Auf einer Gesamtfläche von rund 300 000 Quadratkilometern leben knapp 90 Millionen Menschen (zum Vergleich: In Deutschland leben auf rund 358 000 Quadratkilometern etwa 82 Millionen Menschen).

ANREISE Von München aus gibt es keine Nonstopverbindung nach Manila. Die Route wird aber von mehreren Gesellschaften wie Thai Airways, Lufthansa, Etihad, Qatar und Emirates täglich geflogen, es muss dann in Bangkok (Thai und Lufthansa), Abu Dhabi (Etihad), Doha (Qatar) oder Dubai (Emirates) umgestiegen werden. Preise: ab rund 700 Euro.

ANGEBOTE ILOCOS NORTE/SUR: Für den Norden der Hauptinsel Luzón können ab zwei Teilnehmern über Dertour und Meier’s Weltreisen individuelle Reisepakete organisiert werden. Anfragen über das Reisebüro. Empfehlenswerte Unterkunft: Sitio Remedios, ein kleines Hoteldorf direkt am Strand in der Nähe von Currimao, das als authentische Reproduktion eines typischen Dorfes der Region gedacht ist – gebaut von lokalen Handwerkern mit Baumaterial aus der Umgebung. Ü/F ab rund 60 Euro (pro DZ). Info im Internet unter www.sitioremedios.com, Buchung über Dertour.

MANILA: Das Sofitel Philippine Plaza in Manila liegt sehr günstig zum Flughafen (30 Autominuten), zur Altstadt (15 Minuten) und zur Mall of Asia (5 Minuten). Flug und drei Ü/F kosten ab 989 Euro pro Person (im DZ). Eine Stadtrundfahrt in Manila wird täglich angeboten, die Halbtagestour (auf Englisch) kostet 30 Euro.

EL NIDO: Ein siebentägiger Aufenthalt in El Nido auf der Insel Palawan im Lagen Island Resort kostet bei Meier’s mit Flug und Vollpension ab 2649 Euro (pro Person im DZ).

REISEZEIT: Die Temperatur beträgt fast das ganze Jahr über knapp 30 Grad. Von November bis Februar ist die Luftfeuchtigkeit am geringsten, von Mai bis November fällt der meiste Regen, dann ist es auch sehr schwül und es besteht im Herbst die Gefahr von Taifunen.

REISETYP: Die vielen Tauchreviere sind für Unterwasser- Urlauber längst kein Geheimtipp mehr. Darüber hinaus kann man über Wasser das unbekannte Asien entdecken – eine ausgeprägte touristische Infrastruktur findet man aber nur auf einigen der bekannten Inseln wie Cebu, Bohol und Boracay, dafür wird fast überall Englisch zumindest verstanden.

GELD Bezahlt wird mit dem Philippinischen Peso (PHP). Ein Euro entspricht knapp 70 Peso.

SICHERHEIT Die Philippinen sind ein vergleichsweise armes Land, trotzdem sind Gebiete, die Touristen besuchen, relativ sicher. Es ist aber angebracht, den gesunden Menschenverstand zu benutzen und als Urlauber seinen Reichtum nicht zu offen zur Schau zu stellen sowie nachts nicht alleine durch Manila zu ziehen.

INFO Philippinisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserhofstraße 7, 60313 Frankfurt am Main; Tel. 069/91 39 90 61, Internet: www.wowphilippines.de.

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