Gutshöfe im Baltikum

Wo der deutschbaltische Landadel schwelgte

Der große Saal im Biedermeierstil im Gut Kukschen ist prächtig eingerichtet. Foto: Alexander Welscher
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Der große Saal im Biedermeierstil im Gut Kukschen ist prächtig eingerichtet. Foto: Alexander Welscher
Ein Gefühl, wie der deutschbaltische Landadel lebte: Gut Kukschen in Lettland. Foto: Alexander Welscher
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Ein Gefühl, wie der deutschbaltische Landadel lebte: Gut Kukschen in Lettland. Foto: Alexander Welscher
In Lettland und Estland sind aus alten Gutshöfen Hotels geworden - hier ein Gästezimmer im Gut Kukschen. Foto: Alexander Welscher
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In Lettland und Estland sind aus alten Gutshöfen Hotels geworden - hier ein Gästezimmer im Gut Kukschen. Foto: Alexander Welscher
Hausen wie einst der deutsche Landadel auf Gut Kukschen - hier ist das Ampirzimmer zu sehen. Foto: Alexander Welscher
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Hausen wie einst der deutsche Landadel auf Gut Kukschen - hier ist das Ampirzimmer zu sehen. Foto: Alexander Welscher
Viel zu tun: historische Aufnahme des Herrenhauses Kukschen mit eingebrochener Mauer aus dem Jahr 2000. Foto: Gut Kukschen
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Viel zu tun: historische Aufnahme des Herrenhauses Kukschen mit eingebrochener Mauer aus dem Jahr 2000. Foto: Gut Kukschen
Leidenschaftliches Projekt: Der Hotelier, Koch und Kunstsammler Daniel Jahn vor dem Eingang zum Hauptgebäude des Gut Kukschen. Foto: Alexander Welscher
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Leidenschaftliches Projekt: Der Hotelier, Koch und Kunstsammler Daniel Jahn vor dem Eingang zum Hauptgebäude des Gut Kukschen. Foto: Alexander Welscher
Der Hotelier und Gutshausbesitzer Daniel Jahn sitzt im Frühstücksraum des Gut Kukschen - er hat viel Geld und Enthusiasmus in die Restaurierung des alten Herrenhauses gesteckt. Foto: Alexander Welscher
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Der Hotelier und Gutshausbesitzer Daniel Jahn sitzt im Frühstücksraum des Gut Kukschen - er hat viel Geld und Enthusiasmus in die Restaurierung des alten Herrenhauses gesteckt. Foto: Alexander Welscher

Hunderte Gutshöfe hinterließen die einst in Lettland und Estland vorherrschenden Deutschbalten. Lange Zeit unbeachtet und dem Verfall überlassen, erstrahlen sie nun in neuem Glanz - auch dank eines deutschen Hoteliers.

Kuksu Muiza (dpa/tmn) - Wer über das knarzende Parkett von Gut Kukschen in Lettland schreitet, kommt aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. Von den mit Stuckreliefs verzierten Decken hängen funkelnde Kronleuchter herab.

An den Wänden finden sich aufwendig freigelegte Malereien und unzählige Gemälde, und die Räume sind fast schon überladen vollgestellt mit antikem Mobiliar. "Meine Gäste sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie der Landadel seinerzeit gelebt und geschwelgt hat", erzählt Daniel Jahn bei einem Rundgang durch das Anwesen, rund 85 Kilometer westlich der Hauptstadt Riga.

Auf den Spuren deutschbaltischen Adels

Der deutsche Hotelier führt durch das prunkvolle Herrenhaus, in dem man heute auf den Spuren deutschbaltischer Adliger wandeln kann. Jahn hat Kuksu Muiza, wie das Anwesen auf Lettisch heißt, kurz vor der Jahrtausendwende in desolatem Zustand erworben und wieder zum Leben erweckt. Damit wurde der Rheinland-Pfälzer zu einer Art Trendsetter im Baltikum, wo immer mehr Gutshöfe eine stilvolle Wiedergeburt als Museen, Restaurants oder Hotels erleben.

"Als ich das Haus zum ersten Mal sah, war es eine Ruine", erinnert sich Jahn. Im Dach klafften große Löcher, die Fenster fehlten, die Wände waren teils eingefallen. Dennoch fand der Endfünfziger Gefallen an dem geschichtsträchtigen Gebäude. Für 18 000 US-Dollar kaufte er das 1530 erstmals schriftlich erwähnte Herrenhaus.

Eine Millionen-Investition

Um das heruntergekommene Anwesen wieder in alter Pracht erstrahlen zu lassen, investierte Jahn mehrere Millionen Euro. Für die weitestgehend originalgetreue Renovierung zog er Denkmalschützer und Historiker hinzu, sammelte auf Grundlage einer alten Inventarliste Stilmöbel und erstand Gemälde. Jährlich beherbergt Jahn bis zu 1200 Gäste, die er selbst mit Gerichten aus regionalen Zutaten bekocht.

Doch die Konkurrenz für Jahn wächst. In Lettland wie auch im benachbarten Estland erstrahlen immer mehr alte Gutshöfe im neuen Glanz und empfangen im gediegenen Ambiente Gäste - oft mit hochmoderner Inneneinrichtung. " Herrenhäuser werden immer beliebter, weil der Lebensstandard steigt. Viele Menschen möchten sich wie Aristokraten fühlen", sagt Janis Lazdans von Lettischen Verband der Burgen, Schlösser und Gutshäuser.

Auch Riin Alatalu von Estnischen Gutshausverband sieht ein zunehmendes Interesse an den Gutshöfen: "Sie sind bei einheimischen und ausländischen Besuchern beliebt." Rund 1250 davon gab es vor mehr als 100 Jahren noch in Estland, ähnlich viele waren es in Lettland - die meisten davon Renaissance-, Barock- und Jugendstil-Bauten.

Prozess des Umdenkens

Lange galten die Gutshäuser als Symbol der Unterdrückung durch die Deutschbalten, die als herrschende Oberschicht einst die Politik und Kulturgeschichte in Lettland und Estland bis zur Unabhängigkeit der Länder 1918 geprägt haben. Doch vor einigen Jahren setzte ein Umdenken ein: Heute gelten die Anwesen, deren Blütezeit als repräsentative Herrschaftssitze in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann, als Teil des zu bewahrenden Kulturerbes.

Noch aber suchen viele nach finanzkräftigen Käufern, die die Häuser aus dem Dornröschenschlaf wecken. Hunderte Liegenschaften stehen zum Verkauf. Ein Großteil ist in schlechtem Zustand und steht seit Jahren leer. Die Preise für die oft aus mehreren Gebäuden, Parkanlagen und Gärten bestehenden Gutshöfe reichen von einem Euro bis zu mehreren Millionen, wie die Verbandsvertreter berichten.

"Ein solches Haus muss man lieben, denn wirtschaftlich ist es ein Abenteuer", sagt Jahn. Nach Abzug aller Personal- und Sachkosten bleibe kaum etwas übrig, ganz zu schweigen von den Kosten für den Unterhalt der Anwesen. "Man muss schon ein Enthusiast sein und ein wenig verrückt, um sich darauf einzulassen."

Kuksu Muiza

Lettischer Burgen-, Schlösser und Gutshäuserverband

Kurländische Ritterschaft zu Herrenhäuser in Lettland

Webseite zu Gutshöfen in Estland

Tourismuswebseite Latvia Travel

Tourismuswebseite Visit Estonia

Gutshöfe im Baltikum

Reiseziel: Lettland und Estland liegen im Nordosten Europas an der EU-Außengrenze zu Russland und Weißrussland.

Anreise: Flüge aus Deutschland gibt es nach Riga aus Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt/Main. Im Sommer 2019 kommt neu Stuttgart hinzu. Flüge nach Tallinn aus Frankfurt/Main, München und Berlin. Die Flugzeit beträgt jeweils rund zwei Stunden.

Währung: Lettland und Estland sind EU-Mitglieder und haben den Euro eingeführt.

Informationen: Latvia Travel, Estonian Tourist Board, Kleine Reichenstraße 6, 20457 Hamburg, Tel.: 040/30 38 78 99.

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