Wohin geht die Kreuzfahrt?

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Die aktuelle Situation auf dem Markt nach der Costa-Katastrophe

Es war angenehm ruhig in der Kreuzfahrtbranche. Während in den letzten Jahren Vulkanasche, Streiks und politische Umwälzungen das Leben der Urlauber an Land...

...und in der Luft nachhaltig störten, zogen die großen Schiff ungehindert ihre Bahnen über die Meere. Es gab nur gute Nachrichten: Eine Schiffstaufe jagte die nächste, die Passagierzahlen stiegen beständig und folglich wurden die Pötte immer größer, weil auch immer mehr Menschen kundtaten, auch mal an Bord gehen zu wollen. Bis zum 13. Januar 2012, als die Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio auf Grund lief.

Mit diesem Datum scheint sich die Unbeschwertheit der Kreuzfahrer verabschiedet zu haben. Plötzlich sind die Sicherheitsübungen, die bislang eine Fortsetzung der Party mit umgeschnallter Weste waren, eine ernstzunehmende Angelegenheit. Auf einmal wird thematisiert, ob die schwimmenden Kleinstädte nicht doch eine Nummer zu groß seien. Kunden fragen, ob auch genug Rettungswesten und -boote an Bord sind und ob die Besatzung qualifiziert ist.

1 x 1 - Tipps für die erste Kreuzfahrt

Kleines Einmaleins an Bord

Auswirkungen auf das Buchungsverhalten hatte die Costa- Katastrophe jedoch nur für die italienische Reederei selbst: Um etwa ein Drittel seien deren Buchungen zurückgegangen, schätzt man in der Branche, erholt habe sie sich bis heute noch nicht, zumal die Ende Februar im Indischen Ozean nach einem Feuer an Bord abgeschleppte Costa Allegra erneut für Negativ- Schlagzeilen sorgte. Jetzt wird diskutiert, ob womöglich sogar die Marke vom Markt verschwindet oder es in anderer Form einen Neustart geben könnte. Die anderen Reedereien geben an, keine Rückgänge bei den Buchungen zu spüren.

Ende Februar sei trotz des kurzfristigen Einbruchs im Januar immer noch ein Plus von rund 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht gewesen, wie eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung bei deutschen Reisebüros ergab. Diese Tendenz bestätigte ein Stimmungsbild unter Ausstellern auf der Reise- und Freizeitmesse Ende Februar in München. „Business as usual“ heißt es bei Papageno Touristik/Mc Cruise, großes Vertrauen in die deutschsprachige Besatzung genießt die MS Deutschland, wo Offiziere die Rettungsboote steuern, und kein einziges Storno vermeldet der ADAC-Reiseservice. Die Kreuzfahrer bleiben gelassen, bestätigt auch der Deutsche Reiseverband DRV, die führende Interessenvertretung aller Unternehmen der Reisebranche in Deutschland: Nur Neukunden hätten nach dem Costa-Unglück gezögert, nicht aber die, die schon mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes waren.

Eine Erfahrung, die Holger Steikert, Geschäftsführer des Kreuzfahrt- Spezialisten Stadler- Touristik, bestätigt: „Leute, die Angst haben, haben immer Angst.“ Da beeinflusse kein Unglück die Entscheidung. In seinem Unternehmen registriert er eine starke Nachfrage nach kleineren Schiffen – „die sind subjektiv sicherer“ – und es werde großer Wert darauf gelegt, dass die Bordsprache Deutsch sei, „das vermeidet Chaos“. Am Buchungsverhalten insgesamt habe sich auch durch das Costa- Unglück nichts verändert.

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Das ist auch das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Internet- Medienunternehmens Travelzoo Ende Februar 2012, also nach dem Unglück der Costa Concordia. Darin bekundeten 42 Prozent ihr grundsätzliches Interesse an einer Kreuzfahrt, zehn Prozent mehr als im Jahr 2011. Und auch schlechte Nachrichten wirken nicht abschreckend, denn 73 Prozent der Befragten gaben an, sie würden trotz des Concordia-Unglücks eine Kreuzfahrt buchen.

Die Reedereien dürfen sich auch darüber freuen, dass die Reiselustigen gerne viel Geld ausgeben: Für 24 Prozent darf eine Kreuzfahrt bis zu 1500 Euro kosten, knapp zehn Prozent sind bereit, bis zu 2000 Euro auszugeben. Und der Markt verspricht, stabil zu bleiben, denn knapp 40 Prozent der Kreuzfahrtgäste buchen sechs Monate im Voraus.

Volker Pfau

DER MARKT IN ZAHLEN UND DIE TRENDS DER ZUKUNFT

PASSAGIERE Die Cruise Lines International Association CLIA, in der die 26 wichtigsten Reedereien der Welt zusammengeschlossen sind, meldet für das vergangene Jahr 16,365 Millionen Gäste an Bord – ein neuer Rekord.

SCHIFFE In den kommenden drei Jahren sollen 25 neue Schiffe in Dienst gestellt werden (Neu- und Umbauten). Die in der CLIA zusammengeschlossenen Reedereien haben dann 232 Schiffe mit einer Kapazität von 361 302 Passagierbetten.

NATIONEN Die Kreuzfahrtnation Nummer eins sind die USA vor Großbritannien, Australien, Kanada und Deutschland (Passagierzahlen in Bezug auf Einwohnerzahlen).

ZIELGEBIETE Die fünf beliebtesten Zielgebiete im vergangenen Jahr waren die Karibik, das Mittelmeer, Nord-Europa, Alaska und die Bahamas. Die größten Steigerungen im Zeitraum 2006 bis 2011 wiesen das Mittelmeer, Transatlantikfahrten sowie Südamerika auf.

DIE DEUTSCHEN Rund 1,8 Millionen Deutsche waren 2011 auf einer Hochsee- oder Flusskreuzfahrt – ein Plus von rund 12 Prozent gegenüber 2010. In einer Studie gaben potenzielle Kunden an, dass ihnen eine interessante Route, Flug und Transfer, eine hilfsbereite und freundliche Crew sowie großzügige Kabinen am wichtigsten seien. Der Reisepreis rangiert bei der Buchungsentscheidung dagegen erst im Mittelfeld.

 „Das Thema Sicherheit an Bord ist uns sehr wichtig“

Sind Kreuzfahrten in den Tagen nach der Costa- Katastrophe überhaupt noch gefragt? Wer geht noch an Bord? Wie wichtig ist den Kunden das Thema Sicherheit? Welche guten, welche schlechten Erfahrungen haben sie an Bord gemacht? Wir haben uns auf der Reise- und Freizeitmesse Free in München Ende Februar zu diesem Thema umgehört und dabei Besucher getroffen, die schon so ziemlich alle Meere bereist und so manchen Sturm auf hoher See überstanden haben.

Pia und Gerd H.

Wir mögen den Trubel auf großen Schiffen nicht so sehr, kleinere Schiffe sind nicht so anonym. 3000 Leute an Bord – das wäre für uns der Horror! Wir genießen auf Kreuzfahrten, dass wir quasi immer unser Hotelzimmer dabei haben. Unser Lieblingsschiff war die Columbus, die jetzt leider nicht mehr fährt. Aber im April sind wir gleich auf der Taufreise der neuen Columbus 2 von Mallorca nach Malta dabei, darauf freuen wir uns sehr!

Traudel B.

Für mich ist das Thema Sicherheit an Bord sehr wichtig. Ich war überrascht, als ich nach dem Costa-Unglück hörte, dass einige Reedereien jetzt die Rettungsübung bereits vor der Abfahrt machen. Ich dachte, es sei auf allen Schiffen Standard, dass man das gleich macht, sobald man an Bord ist. Ich kenne das nicht anders. Angst habe ich an Bord nicht, ich habe schon Stürme mit Windstärke zwölf gut überstanden.

Ingrid und Heinrich B.

Zu Hause hängt bei uns eine Weltkarte, auf der wir die Ziele unserer Kreuzfahrten markieren. Die nächste geht in die Fjorde von Norwegen. Wir waren schon einige Male mit MSC, AIDA und Costa unterwegs, wir entscheiden uns in erster Linie nach dem Reiseziel. Die Sicherheitsübungen an Bord macht man mit wie im Flugzeug, wir erkundigen uns aber immer gleich nach unserem Sammelplatz am Rettungsboot.

Ingeborg und Lothar K.

Unsere tollsten Seereisen war eine 34-tägige Fahrt mit einem Frachtschiff. Da hatte man jeden Abend Dinner mit dem Kapitän, es gab genug Liegen am Pool und man hatte an Bord mehr Zeit für sich. Wir informieren uns gleich an Bord über Rettungswege, Schwimmwesten und die Sicherheitsübungen. Auf einem großen Kreuzfahrtschiff waren wir noch nie, wir mögen die kleineren Schiffe lieber.

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