Löwen-Präsidium vor dem Aus

Schneider und Co. drohen mit Rücktritt

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Geschafft nach der Mammutsitzung am 15. Januar: Hauner, Schneider und Maget (von links).

München - Ein paar Tage konnte es geheimgehalten werden, jetzt aber ist es raus: Das Löwen-Präsidium um Dieter Schneider droht mit Rücktritt. Die Gründe für den 1860-Streit.

Das derzeitige Präsidium des TSV 1860 wird mit sofortiger Wirkung zurücktreten, wenn es bis Ende Februar nicht darüber in Kenntnis gesetzt wird, ob Präsident Dieter Schneider sowie seine Vizes Franz Maget und Wolfgang Hauner vom Aufsichtsrat erneut als Führungsgremium vorgeschlagen werden. Das geht aus einer E-Mail hervor, die vor etwa einer Woche von Franz Maget an alle acht Aufsichtsräte verschickt worden ist. Was Maget am Donnerstag allerdings auf Nachfrage dementierte. „Das ist Unfug“, sagte er, „das stimmt nicht.“ Die tz allerdings weiß über die Existenz dieser E-Mail und kennt auch den Inhalt.

Wobei dieses Ultimatum ja auch nachvollziehbar ist. Schneider & Co. wollen sozusagen das Heft des Handelns in eigenen Händen halten und nicht erst bis Mitte März warten, wenn der Aufsichtsrat seinen Vorschlag über die Zusammensetzung des Präsidiums macht, der auf der Mitgliederversammlung im Mai bestätigt werden muss. Nach dem Motto: Lieber selbst zurücktreten als zurückgetreten werden. Und nach Letzerem sähe es nach Lage der Dinge schwer aus…

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Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass der bisherige Aufsichtsratschef Otto Steiner neuer Präsident werden soll. Nicht zuletzt deshalb, weil Investor Hasan Ismaik das gerne sähe. Er wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, mitzuteilen, dass er sich eine weitere Zusammenarbeit mit einem Präsidenten Dieter Schneider nicht vorstellen könne. Auch das nicht zustandegekommene Engagement von Sven-Göran Eriksson hatte Ismaik dem Löwen-Boss in die Schuhe geschoben. Und das, obwohl sich Schneider – allerdings zähneknirschend – in der Mammutsitzung vom 14. auf den 15. Januar kurz vor drei Uhr morgens mit dem sogenannten Kompromisspapier und der Eriksson-Verpflichtung einverstanden erklärt hatte.

Dass alles auf einen Präsidenten Otto Steiner hinausläuft, belegt auch die Tatsache, dass er zusammen mit zwei weiteren Aufsichtsräten Ende nächster Woche nach Abu Dhabi zu einem Treffen mit Ismaik reist – und offenbar niemand vom derzeitigen Präsidium. „Ich bin jedenfalls nicht dabei“, sagte Schneider gegenüber der tz. Zu allem Weiteren, unter anderem dem Ultimatum des Präsidiums, wollte sich der 65-Jährige nicht äußern.

"Einer wie du und ich": Die wichtigsten Fakten zu Löwen-Investor Ismaik

"Einer wie du und ich": Die wichtigsten Fakten zu Löwen-Investor Ismaik

Am 30. Mai 2011 stieg Hasan Abdullah Mohamed Ismaik (l.) als Investor beim TSV 1860 München ein und rettete den Traditionsklub damit vor der drohenden Insolvenz. © M.I.S.
Wer genau ist dieser Mann, den viele im Löwen-Umfeld einfach nur den "Scheich" nennen? © Sampics
Ismaik wurde am 14. August 1976 in Kuwait geboren und besitzt die jordanische Staatsbürgerschaft. © M.I.S.
Er wuchs in einfachen Verhältnissen in Saudi-Arabien auf und studierte in der jordanischen Hauptstadt Ammam BWL. © M.I.S.
Nach dem Studium begann er in Abu Dhabi, mit Öl und Immobilien zu handeln und profitierte vom Immobilienboom 2007 im nahen Osten. "Da kann man viel Geld verdienen, wenn man auf das richtige Pferd setzt", so Ismaik. © M.I.S.
Über seinen Münchner Geschäftspartner und Unicredit-Manager Hamada Iraki (l.) entstand im März 2011 erstmals Kontakt zu den Löwen. © M.I.S.
Der Deal wurde perfekt gemacht, indem Ismaik für 18 Millionen Euro 60 Prozent der Aktien (davon 49 Prozent stimmberechtigte) der 1860 München KGaA erwarb. © M.I.S.
Ismaik ist verheiratet und mehrfacher Vater © M.I.S.
Als gläubiger Muslim trinkt Ismaik natürlich keinen Alkohol ... © M.I.S.
... deshalb gab's bei seinem ersten Wiesn-Besuch 2011 nur alkoholfreies Bier. © Sampics
Bayerische Tracht steht dem Jordanier aber ganz gut. © Sampics
Prosten mit dem damaligen Trainer Reiner Maurer. © Sampics
Ismaik behauptet, mit 70 Prozent aller arabischen Machthaber befreundet zu sein. © M.I.S.
"Ich bin ein absoluter Familienmensch. Die Familie ist das wichtigste in meinem Leben. Ich bin direkt und sehr seriös, halte immer mein Wort und habe viele Abenteuer erlebt. Und ich schreibe alles jeden Tag in mein Tagebuch – am liebsten im Flugzeug", so Ismaik. © M.I.S.
Laut eigenen Angaben sitzt Ismaik pro Monat rund 110 Stunden im Flieger, um von einem Geschäftstermin zum nächsten zu fliegen. © Sampics
Natürlich hat Ismaik seinen eigenen Privatjet, mit dem er unabhängig und spontan seine Reisen organisieren kann. © Sampics
Nur wenn der Fastenmonat Ramadan ansteht, schränkt Ismaik das Reisen ein. "Dann bewege ich mich nur im arabischen Raum", sagt er. © Sampics
Ismaik liebt schnelle und teure Autos. Und da er es sich leisten kann, nennt er unter anderem einen 1,2 Millionen teuren Bugatti sein Eigen. © Sampics
Ex-Löwen-Spieler Collin Benjamin charakterisierte Ismaik so: "Er ist ein Mann von nebenan, ganz locker drauf, einer wie du und ich." © Sampics
Um sich auch zu Hause in Abu Dhabi die Löwen-Spiele in bester Qualität anschauen zu können, hat sich Ismaik eine Großbildleinwand zugelegt. Die passenden Satellitenverbindungen gehören selbstredend dazu. © M.I.S.
Hauptwohnsitz von Ismaik ist Dubai, doch auch in Paris und New York hat der Geschäftsmann Wohnungen. In München soll er bislang noch nicht fündig geworden sein. © Sampics
Ismaiks Credo als Geschäftspartner: "Egal, ob ich ein oder 99 Prozent habe – ich erwarte immer, dass mein Partner alles gibt." © M.I.S.
Zu Beginn seines Engagements bei den Löwen sagte Ismaik: "Ich will eine Freundschaft mit Deutschland aufbauen. Ich liebe Deutschland, die deutsche Mentalität und deutsche Produkte." © Sampics
Wie lange sein Engagement bei den Sechzgern dauern wird? "Unendlich – es sei denn, ich hätte das Gefühl, ich wäre unerwünscht." © Sampics

Was ebenfalls bereits in Planung und Arbeit ist: Eine Aufstockung des Präsidiums auf fünf Personen. Neben Steiner als neuem Löwen-Boss sollen die bisherigen Aufsichtsräte Dr. Klaus Leipold, Robert von Bennigsen und Christian Waggershauser zu Vizes aufrücken. Die fünfte Personalie ist namentlich noch nicht bekannt. Es soll aber jemand sein, der aus dem Fußballgeschäft kommt. Otto Steiner hatte sich ja kürzlich auf einer Fanveranstaltung bereits dahingehend geäußert, dass er gerne einen ehemaligen Profi in einem wichtigen Gremium sehen würde.

Sollte das Präsidium Ende Februar zurücktreten, müsste der Aufsichtsrat sofort ein neues bestellen, das nach Lage der Dinge das oben genannte um Otto Steiner wäre. Auf der Delegiertenversammlung im März oder April müsste es dort dann bestätigt werden.

tz, lk

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