Mayrhofer: "Leute beschimpfen Spieler"

Stüberl-Umbau: Viele Fans verstehen's nicht

Friedhelm Funkel
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Löwen-Trainer Friedhelm Funkel, hier mit Wirtin Christl Estermann.

München - Die Pläne von Löwen-Präsident Mayrhofer, den Fans den Zugang zum Trainingsgelände nicht mehr täglich zu erlauben, sorgt für Aufsehen. Während Trainer Funkel gelassen bleibt, sind die Fans enttäuscht.

Das war mal eine klare Aussage.„Wir sind hier kein Biergarten, sondern ein Trainingsgelände“, erklärte 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer in der SZ und kündigte damit an, künftig nicht mehr jeden Tag den Fans den Zugang zum Gelände zu erlauben. Und natürlich auch nicht der Presse. Geheimtrainings nun also auch beim TSV 1860! Dies soll und kann nur durch bauliche Veränderungen ermöglicht werden – denn die Tür zum Löwenstüberl liegt bereits auf dem Trainingsgelände. Deshalb ließ der Präsident schon mal einen Blick in seine Planungen zu: „Der Eingang des Löwenstüberls könnte dafür, so eine Idee, an die Straße verlegt werden.“

Und das war natürlich Gesprächsthema Nummer eins am Donnerstag an der Grünwalder Straße. Franz Hell, der seit über fünfzig Jahren so gut wie kein Spiel seiner Löwen ausgelassen hat, kommentierte das Ganze kopfschüttelnd: „Ich kann solche Gedanken nicht verstehen. Dass wir schlecht sind, liegt doch nicht daran, dass Leute beim Training zusehen. Der Verein existiert ja sowieso nur noch wegen seiner Nähe zu den Fans. Das sollte man nicht kaputtmachen.“

"Das ganze Konstrukt (...) hat das Potenzial, Menschen zu zerstören"

Mayrhofer sieht’s anders: „Es geht einfach nicht, dass hier permanent Leute überall reinschnüffeln. Das ganze Konstrukt um den TSV 1860 – seine Medienlandschaft und die sogenannten Fans außenrum – hat das Potenzial, Menschen zu zerstören. Die Spieler trainieren, und die Leute stehen mit dem Weißbier in der Hand daneben und beschimpfen sie.“

Friedhelm Funkel erklärte zu diesem Thema Folgendes: „Ich weiß nicht, ob das für die Spieler störend ist. Ein böses Wort ist eher selten. Und wenn, dann muss man drüberstehen.“ Hin und wieder ein Geheimtraining wegen der „Spione“ anderer Vereine würde er sich aber schon wünschen.

Funkel bestätigte übrigens auch, dass der Japaner Yuya Osako zum Saisonende eine Ausstiegsklausel besitzt: „Wenn er eine starke WM spielt, dann wird es schwer, ihn zu halten. Und so weit ich weiß, war die Klausel die einzige Chance, Sako zu bekommen. Ich hoffe aber natürlich, dass er bleibt.“ Was die Zukunft seiner Person betrifft, so Funkel, „werden wir uns Ende dieses Monats zusammensetzen.“

18 Dinge über 1860, die Sie noch nicht wussten

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Die Vereinshistorie des TSV 1860 München ist reich an amüsanten Anekdoten, kuriosen Geschichten, großen Erfolgen und schmerzvollen Niederlagen. Hier sehen sie 18 Dinge über 60, die Sie (vielleicht) noch nicht gewusst haben. Wussten Sie, ... © picture alliance / dpa
... dass die Fußballabteilung des TSV 1860 München in den ersten zwölf Jahren fünf Mal umgezogen ist? Von 1902 bis 1904 kickten die Fußballer auf der Schyrenwiese, anschließend, nachdem es untersagt wurde, für kurze Zeit am Heumarkt und am Flaucher. Da die Plätze dort nur mäßig geeignet waren, zogen die Fußballer nach Holzapfelkreuth. Dort spielte man aufgrund der Entfernung jedoch nur am Wochenende, werktags wurde auf der Theresienwiese (Foto) trainiert. 1908 pachtete ein Spieler der Löwen eine Wiese am Giesinger Alpenplatz, die jedoch nach kurzer Zeit an ihre Kapazitätsgrenzen stieß. Ab 1911 spielten die Löwen dann auf dem Gelände, wo heute das Grünwalder Stadion steht. © Petersen
... dass die Löwen 1931 um ein Haar Deutscher Meister geworden wären und nur durch den Schiedsrichter um den Titelgewinn gebracht wurden? Als Dritter der Süddeutschen Meisterschaft qualifizierte sich der TSV 1860 München zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Als erste Münchner Mannschaft stand man schlussendlich im Finale und traf im Müngersdorfer Stadion in Köln auf Hertha BSC. Als alles nach einem Sieg für die Löwen aussah (Sechzig führte verdient mit 2:1), übersah Schiedsrichter Fissenewerth zwei klare Abseitspositionen vor den beiden Toren der Hertha zum 2:2 und 3:2. Zudem verweigerte er den Löwen zwei Strafstöße. © picture alliance / dpa
... dass 1948 knapp 60.000 Zuschauer ein Spiel im Grünwalder Stadion verfolgt haben? Das Spitzenspiel der Oberliga Süd zwischen dem TSV 1860 München und dem 1. FC Nürnberg am 14.3.1948 sahen 58.200 Zuschauer. Offiziell zugelassen waren damals 45.000 Personen. Bereits vier Stunden vor Anpfiff war das Stadion voll besetzt, und während des Spiels standen die Zuschauer dicht gedrängt bis an die Seitenlinien. Heutzutage ist das Fassungsvermögen des Grünwalder Stadions (leider) auf nur noch rund 12.500 Zuschauer begrenzt. © picture alliance / dpa
... dass die Münchner Löwen 1966 Real Madrid im Grünwalder Stadion mit 1:0 besiegt haben? Da der TSV 1860 München in der Saison 1965/66 bekanntlich Meister geworden war, durften die Löwen in der daraufolgenden Saison im Europapokal der Landesmeister antreten. Nach dem souveränen Weiterkommen gegen Omonia Nikosia wartete in der zweiten Runde Real Madrid. Nach dem 1:0-Sieg daheim im Grünwalder Stadion schieden die Löwen schlussendlich nach einem 1:3 im Rückspiel aus dem Wettbewerb aus. © picture alliance / dpa
... dass Rudi Brunnenmeier aufgrund einer von ihm angezettelten Wirtshausschlägerei und damit verbundenen Haftstrafe während der Saison 1966/67 zwei Wochen lang aussetzen musste? Für sein Vergehen musste er 14 Tage in der Justizvollzugsanstalt Fürstenfeldbruck einsitzen. © picture-alliance / dpa / dpaweb
... dass der TSV 1860 München bis heute den Rekord für das Zweitligaspiel mit der höchsten Zuschauerzahl hält? Am 15.08.1973 trafen in der damals zweitklassigen Regionalliga Süd der TSV 1860 München und der FC Augsburg im Olympiastadion aufeinander. Das Zuschauerinteresse an jenem Tag war - das zeichnet das Löwenbomber-Archiv nach - so hoch, dass noch nach Anpfiff tausende Fans vor den Einlasstoren standen. Nachdem Sechzig in der 3. Minute die Führung erzielte, kletterten die Fans vor den Toren des Stadions über die Begrenzungszäune und verschafften sich Zutritt. Schätzungen der Zuschauerzahl reichen von 90.000 bis 100.000. © dpa
... dass bei Sechzig in der Saison 1974/75 ein Haitianer im Tor stand? Henri Francillon, auch der "Panther" genannt, nahm mit der haitianischen Nationalmannschaft an der WM 1974 in Deutschland teil. Durch seine Paraden wurden die 1860-Verantwortlichen auf ihn aufmerksam (Haiti trug seine drei Vorrundenspiele in München aus) und verpflichteten ihn nach der WM. Francillons Engagement in München war jedoch nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, nach lediglich fünf Einsätzen ging der "Panther" wieder zurück in seine Heimat und saß dort nach seinem Karriereende für fünf Jahre im Senat. © Löwenbomber-Archiv
... dass sich die Löwen-Mannschaft von 1977 beim Abschiedsspiel für Petar "Radi" Radenkovic am 8.7.1977 bis auf die Knochen blamierte? Im Duell mit der Meistermannschaft von 1966 (im Bild auf einer Veranstaltung im Jahre 2003) unterlagen die Löwen-Profis deutlich mit 1:4. Der Altersdurchschnitt der Meistermannschaft lag mit 37,6 Jahren exakt acht Jahre über dem der Profimannschaft von 1977. Jenes Team erwies sich dann auch als nicht erstligatauglich und stieg nach einem Jahr Bundesliga wieder ab. © dpa
... dass Präsident Karl Heckl 1984 den damaligen Löwen-Trainer Bernd Patzke (Foto) auf dem obligatorischen Wiesn-Besuch beim Zuprosten mit den Worten "Prost Bernd, du bist entlassen!" gefeuert hat? In der Spielzeit 1984/85 verschlissen die Löwen insgesamt vier Trainer und stiegen beinahe in die Landesliga ab. © Sigi Jantz.
... dass Präsident Karl Heckl Ende 1987 auf der Delegiertenversammlung seinen Rücktritt anbot, einen Scheck über eine Millionen Mark hochhielt "als Starthilfe für meinen Nachfolger" und sich niemand bereiterklären wollte? Der Bauunternehmer war ab 1984 Präsident der Löwen und pumpte viel Geld für teure Spieler in den Kader, ohne dass der Aufstieg zurück in die 2. Bundesliga gelang. Zu seinen besten Sprüchen gehören unter anderem "Ich bin so blöd und finanziere hier meine eigenen Negativerlebnisse" oder "Ich bin der einzige Mensch, der beim TSV 1860 zum Millionär wurde. Vorher war ich Milliardär". © Archiv
... dass Sportler des TSV 1860 München e.V. bisher drei olympische Goldmedaillen gewinnen konnten? Josef Straßberger triumphierte 1928 bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam im Schwergewicht der Gewichtheber. 1936 holte Innozenz Stangel mit dem deutschen Team Gold im Mannschaftsturnen. Als letzte gewann Marina Kiehl (im Bild) 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary Gold im Abfahrtsrennen der Damen. © picture-alliance
... dass die 10.000 Löwen-Fans, die den Aufstieg in die 1.Bundesliga in Meppen live miterlebten und nach dem Spiel auf das Feld stürmten, sich als richtige Souvenirjäger entpuppten? So "wechselten" Teile des Rasens und beide kompletten Tore den Besitzer. Einer der Torpfosten soll noch heute im Garten des Klubheims eines bekannten Löwen-Fanklubs stehen. © Löwenbomber-Archiv
... dass die Löwen der erste Verein in Deutschland gewesen sind, der den Durchmarsch von der dritten in die erste Spielklasse geschafft hat? Mit Trainer Werner Lorant gelang dem TSV 1860 München in der Saison 1992/1993 der Aufstieg von der Bayernliga in die 2. Bundesliga und in der darauffolgenden Saison der Durchmarsch in die Bundesliga. © picture-alliance/dpa/dpaweb
... dass Roland "Magic" Kneißl als einziger Co-Trainer in der Bundesliga-Geschichte ein Spiel bestritten hat? Der langjährige Mittelfeldregisseur der Münchner Löwen kam am 10.06.1995 am 33. Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern zu seinem Bundesligadebüt. Das Besondere an der ganzen Geschichte: Kneißl war zu diesem Zeitpunkt bereits Co-Trainer der Löwen und hatte seine aktive Karriere schon beendet. Er ist somit laut Löwenbomber-Archiv der bisher einzige Co-Trainer der Bundesligageschichte, der in einem Spiel der Bundesliga mitgewirkt hat. © dpa
... dass 1996 die Angst vor einer Unterwanderung durch Scientology bei Sechzig umging? "Ich werde von Scientology beschattet. Wir haben die Autonummern zurückverfolgt. Wir bekommen merkwürdige Telefonanrufe." Mit diesen Aussagen ging Präsident Karl-Heinz Wildmoser im Februar 1996 an die Öffentlichkeit, er fürchtete den Versuch einer Unterwanderung durch die Sekte. Was sich am Ende nur als unseriös zusammengestellte Geschichte des Fernsehsenders Sat.1 und dessen Sportformats "ran" heraustellte, löste jedoch ein bundesweites Echo hervor. Schlussendlich gab auch Wildmoser zu, dass die Aussagen frei erfunden waren. © picture-alliance / dpa / dpaweb, Löwenbomber-Archiv
... dass sich Werner Lorant vor dem Hinspiel der 3. Runde der Champions-League-Qualifikation gegen Leeds United fürchterlich über die geringe Anzahl an Löwen-Fans, die mit auf die Insel reisen wollten, aufgeregt hat? Rund 1.000 Anhänger sahen in der Elland Road eine 2:1-Niederlage. Lorant grantelte: "1000 Hansel? Und das soll unsere tolle Fangemeinde sein?" Nach dem 0:1 im Rückspiel (im Bild: Martin Stranzl im Zweikampf mit Alan Smith) schieden die Löwen aus und durften im UEFA-Pokal weiterspielen. In der dritten Runde traf Sechzig auf den FC Parma, und dieses Mal schienen die Löwen-Fans die Kritik von Lorant verinnerlicht zu haben. 5.000 Anhänger sahen ein 2:2 in Italien. © dpa
... dass im Juli 2002 trotz einer 0:1-Niederlage im Hinspiel der UI-Cup-Qualifikation und kaum Aussichten aufs Weiterkommen rund 30 Fans laut Löwenbomber-Archiv 78 Stunden mit dem Zug zum Rückspiel nach Weißrussland fuhren? Bei BATE Borisov setzte es dann eine 4:0-Niederlage. Start der Reise war am Samstag um 4 Uhr morgens in München, Rückkehr am Dienstag Vormittag um 10 Uhr. Reisedauer: stolze 78 Stunden. Zur Belohnung für die Reisestrapazen gab's dann nach der Rückkehr Weißwürscht im Löwenstüberl, spendiert aus der Mannschaftskasse. © dpa
... dass die Münchner Löwen Vorreiter in der Vermarktung des deutschen Fußballs in Asien gewesen sind? Nach der Saison 1997/98, in der nur knapp die Klasse gehalten werden konnte, flogen die Löwen nach Shanghai und nahmen dort an einem Vierer-Turnier teil. 2003 war der TSV 1860 München erster deutscher Teilnehmer beim Peace-Cup in Südkorea und wurde in der Gruppe mit Los Angeles Galaxy (im Bild: Benny Lauth im Duell mit Galaxys Peter Vagenas), PSV Eindhoven und Nacional Montevideo Dritter. Kritik an der Teilnahme gab es in Deutschland, weil an der Finanzierung des Turniers die Moon-Sekte beteiligt war. © AFP

"Das bringt doch nichts"

„Also ich empfinde das Ganze eher als kontra­produktiv, dieser Verein lebt doch vor ­allem von den Fans! Wenn sie mal oben mitspielen würden, könnte ich das Ganze ja vielleicht noch irgendwie verstehen. Aber das ist doch hier nicht der FC Bayern, wo man zusperren muss.“

Thomas K., 52, Sicher­heits­beauftragter, München

"Das ist Sache unserer Fans"

„Da findet man keinen Anfang und kein Ende. Ich will dazu noch gar nichts ­sagen. Ich will erst mal mit der Vereinsführung darüber sprechen. Das Beste ist, wenn sich jetzt erst mal die Fans dazu äußern.“

Christl Estermann, 70, Löwenstüberl-Wirtin

Training wichtig für die Fans

„Ich finde das nicht so toll, vor ­allem für die Fans ist das Training schön und auch wichtig. Und auch für die Öffentlichkeitsarbeit ist das Training wichtig, der Verein muss ja auch ein wenig Werbung betreiben.“

Ivonne R., 44, Beamtin aus München

Nichts zu verheimlichen

„Ich finde das nicht so gut, der ­Verein lebt ja von den Fans. Wir haben hier doch auch nichts zu verheimlichen. Das Reinschreien kennt man doch schon aus der Jugend, damit muss ein Profi umgehen können!“

Tobias E., 29, Einkäufer aus München

Ab und zu ist das okay

„Wenn es der Mannschaft beim Training hilft, dann ist das ab und an schon in Ordnung. Andererseits ist das Training wichtig für die Fans. Wenn man zu oft ausgeschlossen wird, geht auch irgendwann mal die Identifikation mit dem Verein verloren.“

Martin L., 51, Kaufmann, Baldham

Kompletter Schwachsinn

„Wir sind doch Sechzig und nicht der FCB. So arrogant sind wir doch nicht. Es kommen mittlerweile eh schon so wenige Fans, die Arena ist fast leer und jetzt will man die Fans auch noch vom Training zurückhalten. Also ich halte das wirklich für kompletten Schwachsinn!“

Kevin Heinz, 22, aus Fürstenfeldbruck

tz

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