Ismaik schickt Bruder zum Vorgespräch

Großer Knall oder großes Theater?

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Abdel Rahman Ismaik (r.) und Cousin Noor beim Eintreffen an der Geschäftsstelle der Löwen.

München - Überraschungsbesuch bei den Löwen: Abdel Rahman, Bruder und persönlicher Assistent des Investors Hasan Ismaik, hat am Montag an der Grünwalder Straße vorbeigeschaut.

Kommt er? Kommt er nicht? Warum kommt er? Oder warum vielleicht doch nicht?

Das waren die Fragen, die sich am Montag alle beim TSV 1860 stellten. Den Stand der Dinge verkündete am frühen Nachmittag Dieter Schneider. Nach einem 90-minütigen „Vorgespräch“ mit Ismaiks aus Abu Dhabi eingeflogenem Bruder und Assistenten Abdel Rahman sagte der Präsident zur tz: „Ich gehe davon aus, dass Herr Ismaik am Dienstag kommen wird, wir uns vor dem Paderborn-Spiel zu einem Gespräch treffen und danach gemeinsam das Spiel anschauen.“ Ismaiks Bruder wollte sich noch nicht festlegen, als er eine Stunde nach Schneider die Geschäftsstelle verließ. Abdel Rahman zur tz: „Es war ein normaler Besuch. Vielleicht kommt Hasan morgen.“ Am Montagabend sah es eher nicht danach aus.

Falls doch, bleibt abzuwarten, ob’s am Dienstag den erwartet großen Knall gibt. Zumindest auf offener Bühne werden sich die Gesellschaftervertreter nicht an die Gurgel gehen. Intern freilich ist die Lage nach wie vor äußerst angespannt. Niemand kann sagen, wer aus dem eskalierten Richtungsstreit als Sieger hervorgehen wird. Ob es überhaupt Sieger geben kann in dieser Machtprobe.

Begonnen hat alles Anfang des Jahres. Als Ismaik neue Spieler an einen Rücktritt Schneiders knüpfte, war die fragile Vertrauensbasis zerstört. Auch Ismaiks Berater Hamada Iraki konnte den Clash der (Unternehmens-)kulturen nicht verhindern. Zugesagte Gelder kamen erst kurz vor Toresschluss, zwei ausstehende Darlehensraten sind bis heute nicht zugesichert. „Worte und Taten passen beim Investor nicht zusammen“, sagt ein hoher Klubfunktionär.

Als Ismaik beim Köln-Spiel Sven-Göran Eriksson als Grußbotschaft auf die Tribüne setzte, Iraki vier Tage später zurücktrat und Eriksson in Berlin erneut auftauchte, war der Eklat perfekt. Deutlicher und taktloser hätte der Investor seinen Strategiewechsel nicht dokumentieren können.

Aus Abu Dhabi heißt es, dass Ismaik die Lust an 1860 verloren habe. Sein einziges Ziel sei es, den Klub mit der Brechstange in die Erste Liga zu hebeln, um die Anteile dann abzustoßen. Für die Löwen bliebe neben dem sportlichen Erfolg vor allem ein neuer Schuldenberg. Denn von seiner Strategie, frisches Geld lediglich über (nachrangige) Darlehen zu gewähren, will Ismaik nicht abrücken. Alleine Eriksson und sein Trainerstab werden auf Kosten von rund zwei Millionen Euro pro Jahr taxiert. Für 1860 aus eigener Kraft nicht zu stemmen – vom sportlichen Nutzen ganz zu schweigen. Schließlich liegen Erikssons Erfolge über ein Jahrzehnt zurück.

Ismaik-Bruder verhandelt mit 1860-Präsident Schneider

Ismaik-Bruder verhandelt mit 1860-Präsi Schneider

Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. © sampics
Am Montag hat Hasan Ismaiks Bruder Abdel Rahman(l.) gemeinsam mit Cousin Noor Adnan Hasan Basha an der Grünwalder Straße mit TSV-1860-Präsident Dieter Schneider verhandelt. Auch Vize-Präsident Franz Maget war vor Ort. © sampics

Sollten Schneider & Co. hart bleiben und Ismaiks Hauruck-Kurs ablehnen, würde 1860 die Einstellung aller neuen Zahlungen riskieren. Ein harter, aber nicht aussichtsloser Weg in die finanzielle Unabhängigkeit stünde den Löwen bevor. Ismaik wiederum würde in diesem Fall den Wert seines Investments gefährden und bei seinen arabischen Geschäftspartnern einen Gesichtsverlust erleiden. Motto: Wer sich nicht mal bei seinem kleinen Fußballklub durchsetzen kann…

Denkbar also, dass sich beide Parteien bei einem Erscheinen Ismaiks öffentlich auf einen Burgfrieden verständigen. Eriksson sei nie als Schattentrainer aufgetaucht, sondern nur, um eine zweite Meinung vom Zustand der Mannschaft einzuholen etc.

In der Sache klang Schneider am Montag durchaus deutlich: „Der Dreijahresplan wurde damals gemeinsam diskutiert und entschieden. Der Plan trägt unsere 51-Prozent-Handschrift, aber Fußball ist schnelllebig, man kann immer über Justierungen sprechen.“ Justierungen. Keine Kehrtwende. 

lk

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