Regionalliga-Torjäger im Anmarsch?

TSV 1860 II: Wer kommt, wer geht?

+
Die Mannschaft der kleinen Löwen wird in der neuen Saison ein neues Gesicht haben.

München – Am Sonntag hatte noch der Himmel geweint. Am Dienstag waren es die Löwen, die wieder einmal die Tradition pflegten, ihre treuen Anhänger in entscheidenden Spielen ins Tal der Tränen zu schicken.

von Matthias Horner

Nachdem bereits am Sonntag 11 000 Fans enttäuscht wieder den Heimweg antreten mussten, als das Aufstiegsspiel zur 3. Liga zwischen der 1860-Reserve und der SV Elversberg der Witterung zum Opfer gefallen war, waren am Dienstag gar 14 500 Zuschauer notiert worden. Enttäuscht nach Hause fahren mussten sie freilich wieder, da das Potenzial des Klubs ebenso nahezu unermesslich scheint wie seine Vorliebe für das grandiose Scheitern.

Sechs Minuten fehlten Markus von Ahlens Mannschaft nach der 2:3-Hinspielniederlage zum Aufstieg. Necat Aygüns 1:0 wies den Weg in die 3. Liga, Abedin Krasniqis Ausgleich in der Schlussphase jedoch verhinderte den Sprung aus der Regionalliga Bayern. Doch auch das Spektakel, stets verbunden mit überraschenden Wendungen und lautem Gepolter, hat Tradition an der Grünwalder Straße. Auch diesem Anspruch wurden die Löwen erneut gerecht.

1860 Amateure: Kleine Löwen scheitern

Nach lediglich 19 Partien, von denen er nur zwei verlor, ist von Ahlens Mission als U-21-Coach schon wieder beendet. Der 42-Jährige steigt in der kommenden Saison zum Co-Trainer seines Vorgängers auf. Alexander Schmidt hat bis November 1860 II betreut, ehe er Reiner Maurer beerbte. Bei der Reserve wiederum war ihm von Ahlen nachgefolgt, der nun trotz beeindruckender Bilanz das Angebot wahrnahm, Schmidt bei den Profis zu assistieren.

Anknüpfen an seine Erfolge bei der U 21 soll in der nächsten Saison Torsten Fröhling. Der 46-jährige Ex-Profi (HSV, St. Pauli, Mönchengladbach) war bisher ausschließlich im Norden des Landes tätig (Altona 93, Holstein Kiel, VfB Oldenburg), seit 2011 als U17-Trainer des HSV. Sein Vorgänger auf diesem Posten: Markus von Ahlen. Reiner Zufall, wie Nachwuchs-Leiter Wolfgang Schellenberg versichert. Er habe Fröhling in dessen Zeit als Juniorentrainer in Diensten des FC St. Pauli kennen und schätzen gelernt.

Robert Schäfer über Arena-Boykotteure: Werden für Fans alles tun

In die Planung für die neue Runde ist der neue Trainer seit Wochen eingebunden. Offiziell mit der Aufgabe betraut, von Ahlens schweres Erbe anzutreten, wurde er aber erst nach Saisonende. Bereits in zwei Wochen, am 20. Juni, beginnt die Saisonvorbereitung. Die Mannschaft steht weitgehend.

Zum Trainingsstart am 20. Juni an der Grünwalder Straße wird die Viertliga-Mannschaft mit dem neuen Trainer Torsten Fröhling ein neues  Gesicht haben: Gotthardt, Glatzel, Wolf, Junghahn, Motz, Zeus und Dinkelbach werden den Verein außerdem verlassen. Auch die Leistungsträger Markus Ziereis (FSV Frankfurt) und Basti Maier (St. Pauli) werden den Verein verlassen.

Außerdem sollen  Koussou, Geipl, Steinhart, Netolitzky, Vollmann, Karger, Rech und Bühler künftig bei den Profis mittrainieren.

Den bei einer U21 üblichen Abgängen, die diesmal allerdings größtenteils der zweiten Reihe entstammen, stehen wie immer primär Zugänge aus der eigenen U19 gegenüber.

Neumeyer im Anmarsch?

Dazu kommen vier oder fünf externe Erwerbungen, die alle ein ähnliches Profil aufweisen: Jung und entwicklungsfähig, mit Potenzial zum Profi. Auch hier ist die Arbeit fast vollständig erledigt, vier Zugänge sind fix.

Stephane Mvibudulu kommt zur neuen Saison zum TSV 1860 München. Der talentierte Stürmer (zuletzt Hallescher FC) soll sich bei dem Amateuren beweisen. Auch Vladimir Kovac kommt als Stürmer vom BCF Wolfratshausen. Keeper Ralf Köpperling soll als vierter Keeper Felix Junghahn ersetzten. Zudem soll der 21-Jährige im Junioren-bereich als Trainer aktiv sein. Branislav Gambos soll die Hintermannschaft der kleinen Löwen verstärken. Zudem soll auch Angreifer Fejsal Mulic kommen. Der 19-Jährige braucht jedoch noch eine Aufenthaltsgenehmigung.  

Einen Überraschungscoup allerdings haben sich Schellenberg und Fröhling noch in den Kopf gesetzt. Mit dem 28-jährigen Angreifer Andreas Neumeyer vom SV Heimstetten steht der TSV 1860 kurz vor der Verpflichtung des Torschützenkönigs der Regionalliga Bayern. 24 Treffer erzielte der Inhaber des Restaurants „Das hungrige Herz“ in der Fraunhoferstraße in der abgelaufenen Spielzeit. Eigentlich wollte er auf dem Höhepunkt seine Karriere beenden, um sich intensiver seinem Lokal widmen zu können.

Das Angebot der Löwen jedoch bringt den Torjäger noch mal ins Wanken. Ist man bei 1860 nach den Abgängen von Markus Ziereis und Sebastian Maier doch laut Schellenberg davon überzeugt, „dass er einer ist, der Tore garantiert“.

Kommentare