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"Todesangst": Löwen-Fan prangert Polizei an

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Nach der Löwen-Randale am Freitagabend prangert ein Fan des TSV 1860 München die Polizei an. © dpa

München - Rund um das Derby in Ingolstadt haben Fans des TSV 1860 München randaliert. Ein Löwen-Fan prangert nun das Vorgehen der Polizei während und nach der Zugfahrt an.

Fan Christian W. hat tz.de eine E-mail geschrieben, in der er seine Sicht der Dinge schildert. Diese drucken wir unkommentiert im Wortlaut ab:

"Nach der Heimfahrt der Löwen aus Ingolstadt kam es zu einigen Zwischenfällen der auch nicht-gewaltbereiten Fans. Ich möchte darüber mal kurz berichten:

Ich war gestern im Heimzug nach Ingolstadt, als der Zug für zwei Stunden hielt. Angeblich war es eine Schlägerei, die harmlos mit einer Zigarette im Zug angefangen hat. Und die Polizei hat gesagt, wir sollen ruhig bleiben und prügelten sich mit den Fans und setzten Reizgas ein.

Nach zwei Stunden fuhr der Zug weiter und wir kamen endlich am Hauptbahnhof an: Als der Schaffner sagte, dass wir nur über den Starnberger Flügelbahnhof hinausgehen können, wussten wir noch nicht , dass die Polizei den Hauptbahnhof komplett für uns dicht machte. Die Polizei forderte Ausweise von jedem Passagier und drohten mit ihren Schlagstöcken und hatten Hunde an der Leine - wohlgemerkt ohne Maulkorb.

Da wir ein Löwenrundel sind, haben wir uns alle zusammengetan und gedrückt, bis sie ihre Schlagstöcke in die Hand nahmen und auf manche von uns einprügelten. Als hätte man immer noch nichts nach dem Unglück bei der Loverparade gelernt, war dieses Gedränge am ende so hoch, dass sie uns nach einiger Zeit über total enge Türen hinausgelassen haben. Es war ein totales Chaos, wie nach einem Krieg und 20 Minuten Todesanst am Hauptbahnhof München."

13 Menschen verletzt

Auf der Rückfahrt nach der 0:2-Niederlage gegen den FC Ingolstadt haben militante Anhänger des TSV 1860 München im Zug randaliert. Bei den Ausschreitungen am Freitagabend wurden elf Polizisten und zwei Bahnmitarbeiter verletzt. Zudem sei es zu zahlreichen Sachbeschädigungen gekommen, teilte die Bundespolizei am Samstag mit. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen, von den anderen wurden die Personalien aufgenommen. .

Die Beamten hatten auf der Zugfahrt von Ingolstadt nach München kurz vor Petershausen (Kreis Dachau) Rauchgeruch bemerkt. Als sie nach dem Rechten sehen wollten, wurden sie von zum Teil vermummten „Löwen“-Fans mit Flaschen beworfen und angegriffen. Elf Polizisten wurden leicht verletzt. Am Bahnhof Petershausen wurde der Zug gestoppt, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte.

Anschließend kam es am Münchner Hauptbahnhof zu einem weiteren Zwischenfall: Ein 28-Jähriger, der bereits als „Gewalttäter Sport“ bekannt war, griff mit 1,48 Promille Alkohol im Blut zwei Bahnmitarbeiter an und verletzte sie durch Sprungtritte.

Bundespolizei: Schwerwiegendste Angriffe

Die Bundespolizei wiederum beschreibt das Verhalten der gewalttätigen Löwen-Fans als Aggressivität in bislang ungekanntem Ausmaß. In einer Pressemitteilung heißt es:

"Für die Münchner Bundespolizei waren dies aus Anlass einer Zugbegleitung von Fußballfans die bisher schwerwiegendsten Angriffe. Waren es bisher eher Einzelfälle, bei denen sich Personen strafbar gemacht hatten, standen die Beamten nun erstmals im Zug einer größeren Gruppe teilweiser Vermummter gegenüber, die aggressiv und gewaltbereit waren und Beamte verletzten."

1860 zum Derby in Ingolstadt - Bilder & Noten

Die Hooligans hatten einen Waggon verwüstet, Toilettentüren eingetreten und Deckenverkleidungen beschädigt. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung und Beleidigung.

Wegen Krawallaktionen hatte bereits das Spiel am Freitagabend für zehn Minuten unterbrochen werden müssen. Fans hatten Feuerzeuge in den Strafraum der Ingolstädter geworfen und Feuerwerk abgebrannt. Erst zu Monatsbeginn war 1860 wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger bei drei Auswärtsspielen vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

tz/dpa

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