Wer punktete im Trainingslager?

Belek-Bilanz: Gewinner Rejek, Verlierer Wood

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Verlierer: Bobby Wood (r.)

München - Es war ein forderndes Sieben-Tage-Camp in Belek: Neun Einheiten gab es, zwei Testspiele – und jede Menge Gewinner und Verlierer. Eine nicht immer bierernst gemeinte Übersicht.

Gewinner

Friedhelm Funkel: Ob es stürmt, regnet, die Trainingsplätze holprig oder weit entfernt sind – der 60 Jahre alte Löwen-Coach lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. „Man muss flexibel sein“, sagt er zu Beginn des Belek-Aufenthalts – und hielt sich dran. Bewundernswert auch seine immer gleich(gut)e Laune. Strenge Ermahnungen hören sich bei ihm genauso an wie nett gemeinte Komplimente – liegt vielleicht auch am rheinischen Singsang. In jedem Fall hatten die Löwen schon lange keinen Trainer mehr, der so unumstritten ist, auch intern. Zum Dank bekommt Funkel einen Wunschspieler nach dem anderen – und bald mit Sicherheit einen neuen Vertrag.

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Kim Dämpfling: Der Betreuer von Yuya Osako ist ein Vollprofi, das sieht man auf den ersten Blick. Hält sich im Hintergrund, indem er in Ich-Form dolmetscht („Ich möchte wissen, wie weit der Strand entfernt ist“), malt japanische Schriftzeichen während der Simultanübersetzung und weicht dem Stürmer nur nachts und bei dringenden Bedürfnissen von der Seite. Ist auch besser so, denn wie sonst sollte sich Osako in seiner neuen Welt zurecht finden? In einer Welt, in der Kommandos schon mal lauten: „Osako laaaang! Manchmal hast du einen am Arsch, dann kannst du dich nicht so oder so drehen.“ Co-Trainer Markus von Ahlen hatte diesen sachdienlichen Hinweis über den Übungsplatz gebrüllt. Man ahnt, dass Osako ohne Dämpflings Hilfe aufgeschmissen wäre.

Markus Rejek: Flog für drei Tage ein, stellte sich höflich vor – und staunte tags drauf über die Verstärkereffekte der Medienstadt München. Seine Aussage „1860 hat mehr Sex als der FC Bayern“ machte eindrucksvoll Karriere: Ganzseitige Boulevard-Debatten, Straßenumfragen, sogar Pep Guardiola musste Stellung nehmen. „Sagen wir’s so“, meinte Bayerns Medienchef Markus Hörwick augenzwinkernd: „Es war ein sehr guter Einstand für ihn.“ Man kennt Rejek jetzt in München. Als Geschäftsführer des TSV 1860 muss sich der frühere BVB-Marketingchef aber erst noch beweisen.

Kai Bülow: Rein sportlich läuft es nicht gut für den Defensivallrounder. Knie und Sprunggelenk gereizt, mehr als Laufsport war in Belek nicht drin – sein Stammplatz ist wohl futsch. Als Autorität und Inkasso-Beauftragter ist Bülows Position dagegen gestärkt worden. Funkel hat die Disziplinarstrafen kräftig angehoben. Schon eine Minute zu spät kommen kostet jetzt richtig Geld. Verkneifen sollten sich die Profis auch negative Facebook-Kommentare oder das Tragen von Badelatschen in der Öffentlichkeit. Funkel lobt Geldeintreiber Bülow in den höchsten Tönen und sagt: „Kai hat meine volle Rückendeckung, wenn jemand mal nicht zahlen sollte.“ War bisher aber nicht nötig. Sogar bei sich selbst hat Bülow schon Bußgelder eingetrieben. Ein echtes Vorbild.

Fans: Fritz Fehling hatte frühzeitig gebucht, auch Roman Wöll war ab der ersten Einheit in Belek dabei, doch wo war Franz Hell, der dritte aus der Riege der so genannten „Allesfahrer“? Dazu muss man wissen: Die Allesfahrer reisen ihren Löwen seit den 70ern hinterher, Fehling, Wöll und Hell waren schon in Korea, Weißrussland und Niederbayern. Sie verpassen nie ein Pflichtspiel, selten ein Testspiel und schon gar nicht die Trainingslager. Diesmal jedoch: Drei Tage war 1860 schon in Belek, das Testspiel gegen St. Pauli lief bereits, von Hell immer noch keine Spur – bis zu Beginn der zweiten Halbzeit. „Ich hab lange mit mir gerungen“, sagte der 60-Jährige, der sich zuletzt häufig die Sinnfrage gestellt hatte. Was soll das Ganze eigentlich? Ist diese Vereinstreue nicht vergebliche Liebesmüh? Hell suchte und fand eine Antwort. „Am Ende kommt man doch“, sagte er.

Verlierer

Bobby Wood: Der Türkei-Trip stand von Beginn an unter keinem guten Stern für den Hawaiianer. Als die Hälfte der Mannschaft schon den Flieger nach Belek bestiegen hatte, saß, nein kauerte Wood noch in der Abflughalle. Selig schlafend, auf nichts reagierend. Tomasov und Wannenwetsch hatten alle Mühe, den Kollegen zu wecken. In Belek angekommen dann das nächste Malheur: muskuläre Probleme. Zwei Tage konnte Wood nur Aquajogging machen, hinkt nun deutlich hinterher im Gerangel um einen Sturmplatz neben Osako. Aber: Es gibt Hoffnung für Wood. Ein enger Vertrauter will ihm nun nahe bringen, die Playstation auch mal vor Mitternacht abzuschalten.

Portugal: So schnell kann’s gehen. Noch vor acht Tagen hatte Funkel erklärt, Portugal sei sein Trainingslagerland Nummer eins. 15 Winter hat er dort mit verschiedenen Vereinen verbracht. Und jetzt, nach nur sieben Tagen Belek: Ist Funkel plötzlich Türkei-Fan. All den „kleinen Vorbehalten“ zum Trotz, die er gehegt hatte. Bei seinem Fazit schwärmte er von allem („Hotel, Essen, Plätze“), sogar das Unwetter zum Abschluss trübte seinen positiven Gesamteindruck nicht. Undichte Dächer? Fernseher, die sich nachts ein- und ausschalten? Egal! Der FCK wohnte zentraler und noch einen Tick feudaler, „doch bei denen ging’s ja zu wie am Hauptbahnhof“ (Funkel). Klingt ganz danach, als würde das „Riu Kaya Palazzo“ die Löwen wiedersehen. Portugal dagegen dürfte einen treuen Wintergast verlieren.

Münchens Makler: Bekanntlich kann man in München einen Riesenreibach machen, wenn man eine schicke Immobilie an der Hand hat – und zahlungskräftige Klientel anspricht. Mit Markus Rejek dagegen werden die Makler kein gutes Geschäft machen. Der Westfale kündigte an, ab sofort „in der Geschäftsstelle zu wohnen“. Für die „paar Stunden Nachtschlaf“, die er sich gönnen will, reicht ein Einzimmerappartement.

Zusammengestellt von: Uli Kellner

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