Don Bernardo im Anflug?

"Bis zum Aalen-Spiel passiert nichts"

Gerhard Poschner
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Gerhard Poschner.

München - Bernd Schuster wird bei den Löwen als heißer Kandidat auf die Trainer-Nachfolge von Ricardo Moniz gehandelt. Sportdirektor Gerhard Poschner hält sich aber noch bedeckt.

Sie verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer, die Meldung wonach der TSV 1860 an einer Verpflichtung von Bernd Schuster als Nachfolger von Trainer Ricardo Moniz interessiert sei. Nach Informationen des Kicker sollen bereits erste Gespräche zwischen dem Verein und dem derzeit arbeitslosen Coach stattgefunden haben.

Sportdirektor Gerhard Poschner hielt sich gestern jedoch bedeckt, wollte sich an den Spekulationen nicht beteiligen: „Ich kommentiere prinzipiell keine Gerüchte“, erklärte der 45-Jährige, angesprochen auf eine mögliche Verpflichtung von Schuster. Nach einem klaren Dementi hörte sich dies nicht an. „Wir müssen diese öffentliche Diskussion jetzt akzeptieren“, meinte Poschner, „wir wollen sie aber nicht noch füttern.“

Im Mai dieses Jahres hatte Poschner noch deutlich abweisender in Bezug auf ein mögliches Trainerengagement des Europameisters von 1980 reagiert. Gegenüber unserer Zeitung wies er ein Interesse an Schuster damals weit von sich. Während sich Poschner und Schuster privat recht nahe stehen, sich ihre beiden Häuser in Marbella in entfernter Nachbarschaft befinden, schien eine berufliche Zusammenarbeit damals illusorisch. Stattdessen sprach der Sportdirektor der Münchner Löwen jovial nur von „meinem Freund Don Bernardo“. Ob bei Poschner seit Mai ein Umdenken stattgefunden hat und er Schuster bald als „meinen Trainer“ bezeichnen wird, steht derzeit noch in den Sternen. „Ich kenne ihn schon lange“, erklärte Poschner. Als eine Andeutung auf ein mögliches Engagement wollte er dies jedoch nicht verstanden wissen: „Denn ich bin nicht der einzige, der ihn lange kennt“, so die kryptische Vollendung seiner Ausführung.

Eines haben die beiden jedenfalls gemeinsam: ein Faible für den spanischen Fußball. Poschner verpflichtete im Sommer bekanntlich etliche Spieler, die zuvor ihr Geld auf der iberischen Halbinsel verdient haben. Neben den drei Spaniern Ilie Sanchez, Edu Bedia und Rodri auch den Albaner Valdet Rama. Stets war Poschner darauf erpicht, dass diese Akteure regelmäßig zum Einsatz kommen – was gelegentlich auch zu Kontroversen mit Ex-Trainer Ricardo Moniz geführt haben soll.

Bei Schuster müsste er sich in dieser Hinsicht wohl weniger Sorgen machen, gilt er doch ebenfalls als Liebhaber des spanischen Fußballs. 13 Jahre lang war der „Blonde Engel“ in der Primera Division aktiv, spielte unter anderem acht Saisons beim FC Barcelona und später auch bei den beiden Madrider Vereinen Real und Atletico. Als Trainer kann Schuster getrost in die Kategorie Wandervogel eingeordnet werden. Bereits für neun Vereine arbeitete er bisher. In der vergangenen Saison stand der 54-Jährige beim FC Malaga unter Vertrag. Nach einem enttäuschenden elften Platz trennten sich der Verein trotz eines bestehenden Fünfjahresvertrags jedoch von Schuster.

Der größte Erfolg seiner Trainerkarriere liegt bereits sechs Jahre zurück – damals gewann er mit Real Madrid die spanische Meisterschaft. Schon in der folgenden Hinrunde wurde Schuster bei den Königlichen jedoch beurlaubt. Genauso erging es ihm bei seiner nächsten Station Besiktas Istanbul, sowie beim FC Malaga. Fraglich, ob Schuster jetzt der richtige Mann ist, um den TSV 1860 zu einem Aufstiegsaspiranten zu formen. Derzeit agiert noch Markus von Ahlen als Löwen-Coach; gestern äußerte er sich im BR zu Schuster. „Ich schätze ihn als Mensch und Fußballer. Es könnte eine interessante Personalie sein”, erklärte der 43-Jährige, der bei einer Verpflichtung Schusters wohl wieder zum Co-Trainer werden würde.

„Bis zum Aalen-Spiel passiert nichts“, stellte Poschner klar. Zumindestens am Freitag sitzt also wieder von Ahlen auf der Trainerbank. „Das letzte Spiel hat nur dann einen Wert, wenn wir die Leistung in Aalen bestätigen“, so Poschner weiter, „sonst war das nur ein Schuss in den heißen Ofen.“ Die nächsten Tage werden auch zeigen, ob es ernst wird mit Bernd Schuster – oder ob auch dieses Gerücht nur ein Schuss in den heißen Ofen ist.

Nino Duit

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

Alle Löwen-Trainer seit Werner Lorant

Werner Lorant übernahm die Löwen am 01.07.1992 in der Bayernliga. © sampics
Werner "Beinhart" führte die Löwen in die Bundesliga und die Champions League Qualifikation. © sampics
Nach einer 1:5-Niederlage gegen den FC Bayern wurde Lorant (hier auf einem aktuelleren Foto) am 17.10.2001 etwas überraschend entlassen. © sampics
Nachfolger wurde sein bisheriger Assistent und Aufstiegsheld von 1993, Peter Pacult. © sampics
Der Österreicher sorgte für Wirbel (Degradierung Thomas Häßlers) aber nicht für den erhofften Erfolg. Die Stagnation bedeutete die Entlassung am 12.03.2003. © sampics
Nachfolger von Pacult wurde der schöne Falko Götz. Doch so jubeln wie hier sah man ihn nicht oft - im Gegenteil. Der als Erfolgstrainer geholte Götz sorgte nicht für Auf-, sondern für Abschwung. 1860 stürzte ab in die Abstiegsregion. © sampics
Nach etwas mehr als einem Jahr musste er seinen Hut nehmen. Am 17.04.2004 wurde er ohne vom Vorstand informiert zu werden nach der 1:2-Pleite gegen den Hamburger SV entlassen. © sampics
Das kürzeste Intermezzo auf der Löwenbank hatte Gerald Vanenburg. Er löste Götz ab, blieb nur bis zum Saison-Ende im Mai 2004 und konnte den Abstieg nicht verhindern. Sieglos verließ er die Grünwalder Straße nach knapp einem Monat wieder. © sampics
Ins erste Zweitliga-Jahr 2004/2005 startete man mit Rudi Bommer. Dieser hatte zuvor Wacker Burghausen in die 2. Liga und dort zweimal zum Klassenerhalt geführt. © sampics
Erfolg hatte er kaum. Nach einem 1:5 in Aachen und Platz 8 in der Liga wurde er schon nach 15 Spieltagen entlassen (05.12.2004). © sampics
Nachfolger wurde der bisherige Trainer der zweiten Mannschaft, Reiner Maurer. In einer tollen Aufholjagd führte er den TSV zeitweise auf einen Aufstiegsplatz, der Aufsteig misslang aber am letzten Spieltag. © sampics
Nach einer durchwachsenen Hinserie und einem blamablen 0:0 zum Rückrunde-Auftakt gegen Ahlen in der Allianz Arena wurde er am 23.01.2006 gefeuert. © sampics
Der komplette Umbruch folgte prompt. Präsident Karl Auer (m) präsentierte gemeinsam mit Neu-Manager Stefan Reuter (r.) den neuen Trainer Walter Schachner (l), der kurz zuvor beim  Grazer AK beurlaubt wurde. © sampics
Schachner konnte 2006 mit den Löwen erst in letzter Minute den Abstieg verhindern. Der Österreicher war stets umstritten. Auch Erfolge blieben aus. Er sollte zum Saison-Ende gehen, doch eine 0:3-Pleite gegen Augsburg beschleunigte das Ganze: Entlassung schon am 18.03.2007. © sampics
Mit Marco Kurz schien alles besser zu werden. Vom Amateur-Löwen-Trainer zum Chef, mit offenen Armen empfangen und anfänglich guten Resultaten überzeugte er die Löwenfamilie sehr schnell. © sampics
Zeitweise rangierten die Löwen sieben Spieltage auf Platz 1. Doch ab dem Jahr 2008 lief es nicht mehr rund. Niederlagen in Serie, Heimschwäche, beschämende Auftritte: Die Entlassung folgte am 24.02.2009. © sampics
Sein Co-Trainer Uwe Wolf, der auch schon die U23 der Löwen trainierte, war nun Trainer. Großen Worten ließ er zwei Siege (5:1 gegen St. Pauli, 3:2 in Ingolstadt) zum Auftakt folgen. Mit aller Macht wollte er der neue Chef beim TSV 1860 werden. Doch danach stolperten die Löwen zurück in die alte Lethargie... © sampics
Am 13.05.2009 musste er zwei Spieltage vor Schluss nach einem blamablen 0:0 beim feststehenden Absteiger SV Wehen seine Koffer packen. Mit gewohnt deutlichen Worten verabschiedete er sich. © sampics
Nun war es an Ewald Lienen, die Löwen vor dem Super-GAU zu retten. © sampics
Doch nach knapp einem Jahr war auch Lienen wieder weg - aus freien Stücken. Der Coach erlag einem lukrativen Lockruf von Olympiakos Piräus und wechselte im Juni 2010 nach Griechenland. © sampics
Einer seiner Vorgänger wurde sein Nachfolger: Reiner Maurer © sampics
Maurers zweite Amtszeit bei den Löwen dauerte von 1. Juli 2010 bis 17. November 2012. Sein Nachfolger wurde U23-Trainer Alexander Schmidt. © sampics
Doch auch Schmidt hat den Löwen nicht den nötigen Aufschwung geben können. Er wurde am 31.8.2013 gefeuert. Ihn löste "Aufstiegsmonster" Friedhelm Funkel ab. © sampics
Friedhelm Funkel hinterließ allerdings auch keinen bleibenden Eindruck, sein am Saisonende auslaufender Vertrag wurde nicht verlängert. Vielmehr musste er nach einer 0:3-Pleite gegen den Karlsruher SC vorzeitig den Trainerposten räumen. © sampics
Für ihn übernahm Markus von Ahlen bis zum Saisonende und holte zehn Punkte aus fünf Spielen. © MIS
Doch den Umbruch bei den Löwen sollte Ricardo Moniz bringen. Er übernahm am 23.06.2014 das Amt. Markus von Ahlen blieb den Löwen erhalten und unterstützte ihn als Co-Trainer. © MIS
Doch nach sieben Liga-Spielen, nur sechs geholten Punkten und einem peinlichen 0:1 in Überzahl beim SV Sandhausen musste Moniz am 24. September 2014 gehen. Sein Nachfolger blieb vorerst erneut Markus von Ahlen. © MIS
Doch auch unter ihm gelang keine entscheidende Wende. Der Rückrundenstart ging daneben (1:2 gegen Heidenheim, 1:1 in Darmstadt) und am 17. Februar 2015 wurde Markus von Ahlen nach nur knapp fünf Monaten beurlaubt. © dpa
Nachfolger von Markus von Ahlen wurde der bisherige U21-Trainer Torsten Fröhling. Er rette die Löwen schließlich in der Relegation vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. © sampics

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