Auf dem Rücken

Christl trägt ein Löwen-Tattoo

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München - Über Stüberl-Wirtin Christl Estermann ist am Sonntag ein Porträt gedreht worden. Die 70-Jährige trägt neuerdings sogar ein Löwen-Tattoo auf dem Rücken.

Yuya Osako und sein Dolmetscher verließen unbehelligt das Vereinsgelände. Den weniger bekannten 1860-Profis erging es ebenso. Am Tag nach der 0:1-Pleite gegen Köln war der Star an der Grünwalder Straße 114 wieder einmal eine Frau, eine Löwin durch und durch, wie sie sich sieht (und kleidet): Stüberlwirtin Christl Estermann, 70, die sogar ein Löwen-Tattoo auf dem Rücken trägt. Ein BR-Team war da, um ein Porträt über die gute Seele des Traditionsvereins zu drehen. Nachvollziehbar, denn die Gegenwart liefert nicht allzu viel Stoff für Heldengeschichten.

Der Beitrag über Christls Leben wird am 17. Mai in der BR-Reihe „Weibsbilder“ ausgestrahlt, eine Woche nach dem Saisonfinale in der 2. Liga. Und die, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich feiern wollten? Die Chance auf eine längere TV-Doku, etwa über den Weg zum Aufstieg, haben die Fußballprofis des Klubs nicht erst gegen Köln verschenkt, sondern schon früher in der Saison, zum Beispiel in den Duellen mit Sandhausen (0:2, 0:0) und Paderborn (0:1, 2:2), die nun zurecht besser dastehen als der Altmeister aus Giesing.

Wie und mit wem lässt sich so etwas künftig verhindern? Trainer Friedhelm Funkel, um dessen Zukunft es in den nächsten Tagen gehen wird, rührte erneut die Werbetrommel in eigener Sache. Vor den Gesprächen „mit dem Präses“ (Gerhard Mayrhofer) formulierte er wie ein geübter Wahlkämpfer. „Warum ich der richtige Mann für 1860 bin?“ griff er eine diesbezügliche Frage auf. „Weil man eine klare fußballerische Entwicklung der Mannschaft erkennt. Wir haben unsere Spielweise sehr verändert, aber wir sind halt noch nicht clever genug, um unsere Großchancen in Tore umzumünzen.“

Beim 0:1 gegen Köln ließen ausgerechnet die beiden Topscorer der Löwen die beiden dicksten Chancen ungenutzt: Moritz Stoppelkamp kam in der 3. Minute frei zum Kopfball, vergaß aber im Eifer des Gefechts, wie Funkel kritisierte, eine „alte Fußballer-Regel“. Nämlich: „Gegen die Laufrichtung des Torwarts zu köpfen.“ Yuya Osako, dem neuen Angriffswirbelwind, erging es nicht viel anders. Der Japaner setzte sich in der 36. Minute gekonnt in Szene – um dann aus Idealposition am Tor vorbeizuzielen.

Funkel: "Ich gehe völlig locker in die Gespräche"

Funkel findet, dass viele gute Anlagen in dieser Mannschaft schlummern. Und unausgesprochen lässt er die Empfehlung durchblicken, dass er der Mann ist, der das unfertige Team zurechtschleifen könnte. Durch gezielte Förderung ebenso wie durch gezielte Trennungen. „Man muss immer Impulse geben“, plauderte er aus dem Einmaleins des routinierten Teambastlers. „Das war im Winter nötig, und das wird auch im Sommer nötig sein.“

Über die Spieler, die an Grenzen stoßen, will er sich aus Gründen der Rücksicht und Nächstenliebe nicht äußern: „Das wäre unseriös.“ Geradezu unsinnig wäre es dagegen, jetzt schon Namen von Profis zu nennen, die auf seiner heimlichen Wunschliste stehen. Also hielt sich Funkel im Vagen: „Man muss sehen, dass man laufstarke, willige, junge Leute für unsere intensive Spielweise holt.“ Tendenz: Mehr Weigls und Osakos sollten es sein. Profis wie Volz, Wojtkowiak und Lauth (Vertrag läuft aus) dagegen dürfte der Coach zu jener Art von Gesprächen einladen, die er als „Perspektiven aufzeigen“ bezeichnet. Auf gut deutsch: Auch die Bank kann eine Perspektive sein. In jedem Fall sagt Funkel: „In solchen Gesprächen muss man dann ganz ehrlich sein.“

Wenn er selbst überhaupt bei 1860 bleiben darf. „Ich bin da völlig locker“, beschrieb Funkel seine Gemütslage. Die Gründe, die für ihn sprechen, hat er genannt. Argumente, die gegen seine Arbeit sprechen, kann er rhetorisch geschickt entkräften. Stichwort Sandhausen und Paderborn. „Toll, wie die das machen“, zeigt der Coach Respekt. Aber erstens: „Das heißt ja nicht, dass die auch nach 34 Spieltagen vor uns stehen werden.“ Und zweitens: „Für diese Vereine wird es dann nächste Saison sehr schwierig, das zu bestätigen.“

Lieber orientiert sich Funkel an einem anderen kecken Emporkömmling. Red Bull Salzburg ist für ihn „das beste Beispiel, da hat es nach der Verpflichtung von Roger Schmidt als Trainer auch ein Jahr gedauert, bis sie diesen Fußball spielen, den sie jetzt spielen.“ Was man allerdings nicht übersehen darf: Salzburg profitiert von den Brause-Millionen seines Investors (Dietrich Mateschitz) und hat sich anerkanntes Knowhow ins Boot geholt (Ralf Rangnick). Auf beides wartet man bei 1860 vergeblich.

Uli Kellner

Quelle: tz

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