Fokus auf einheimische Sportler

Einer ist bei 1860 aktiv: Diese drei Sportler sind waschechte Münchner - wir begleiten sie auf dem Weg in die Weltspitze

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Linus Strasser ist einer der drei neuen tz-Format-Stars.

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang starteten 14 Athleten aus München, in Rio 2014 waren es 15. Die tz berichtet nun im neuen Format über drei verschiedene Sportler. 

München - Bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Pyeongchang starteten 14 Athleten aus München, zwei Jahre zuvor in Rio waren es 15 Teilnehmer, die hier aufgewachsen sind, studieren oder hergezogen sind. Weil der Fußball, insbesondere in Form des FC Bayern, in der Stadt in sportlicher Hinsicht viel überlagert, liest man oft zu wenig über die Leistung der heimischen Nicht-Fußball-Helden.

Die tz hat sich deshalb dazu entschlossen, Münchner Athleten einen festen Platz in unserer Zeitung zu bieten, um Sie, liebe Leser, regelmäßig mit Neuigkeiten aus deren Leistungssportsalltag zu informieren. Zukünftig berichtet einmal im Monat ein(e) Sportler(in) aus dem tz-Trio, bestehend aus Sophia Flörsch (17, Motorsport), Christina Hering (23, Leichtathletik) und Linus Straßer (25, Ski Alpin, TSV 1860 München), über aktuelle Geschehnisse, Freud und Leid.

Natürlich gibt es noch mehr Sportler, die ebenso in das Format passen würden, aber in einer ersten Auswahl haben wir uns für die drei Genannten entschieden und sind froh, dass wir durch die drei völlig verschiedenen Sportarten einen bunten Mix abbilden können. Zudem sind sowohl Flörsch als auch Hering und Straßer drei „echte“ Münchner, die hier geboren und aufgewachsen sind. Wo genau, wie ihre Verbindung zu München ist und wie es sportlich im Moment läuft, berichtet das Trio zum Start des neuen Formats. 

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Linus Strasser: Neue Einflüsse statt Routine

Meine ersten sieben Lebensjahre habe ich in Schwabing verbracht, dann sind meine Eltern mit mir und meinen zwei Geschwistern nach Solln gezogen und leben dort noch immer. Mich hat es zusammen mit meiner Freundin Maria wieder zurück nach Schwabing verschlagen.

Linus Strasser: Ski Alpin

Was ich daran mag? Der Stadtteil ist extrem lebendig, man hat viele Möglichkeiten, der Englische Garten ist um die Ecke und ich bin mit dem Rad in zehn Minuten am Olympiastützpunkt. Dort habe ich auch einen Großteil meines Sommertrainings verbracht. Unsere Wettkämpfe finden bekanntermaßen im Winter statt, aber ohne die nötigen Grundlagen ist auf Schnee nichts zu holen.

Nach den letzten Skitests Mitte Mai war ich zwei Wochen auf Bali im Urlaub. Im Anschluss hat das regelmäßige Training wieder begonnen. Für viele mag sich das sehr anstrengend anhören, aber mich stört das nicht. Als Sportler bewege ich mich ohnehin gerne.

In den vergangenen Jahren habe ich mein Konditionstraining mit den DSV-Trainern absolviert. Vor dieser Saison wollte ich eine Veränderung und trainiere nun am Stützpunkt von Tim Lobinger. Ich will nicht sagen, dass das Training besser ist, sondern anders. Das war auch das Ziel: Ich wollte die Routine durch einen neuen Einfluss durchbrechen und fühle mich so fit wie nie.

Neben seiner Trainer-Kompetenz ist Tim zudem ein tolles Vorbild. Ich finde es unglaublich, was er trotz seiner Leukämie-Erkrankung körperlich draufhat und wie er mental mit der Situation umgeht.

Mitte August geht es zurück auf Schnee, ich fliege mit der DSV-Techniker-Gruppe für drei Wochen nach Ushuaia. Für mich ist es meine vierte Reise nach Argentinien. Viele Freunde, die das Reiseland hören, schwärmen, aber mit Urlaub und Sightseeing hat unser Aufenthalt nichts zu tun. Aus sportlicher Sicht haben wir da sehr gute Bedingungen, wenn die Verhältnisse passen.

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Christina Hering: Leben zwischen Sport & Studium

Christina Hering: Leichtathletik  

Meine Kindheit habe ich in Neuhausen verbracht, gleich um die Ecke des Rotkreuzplatzes, mittlerweile wohne ich aus Gründen der Praktikabilität im Olympiadorf. Erstens ist der Weg zum Olympiastützpunkt sehr kurz und zweitens studiere ich an der TU München, habe dort bereits meinen Bachelor in Sportwissenschaften gemacht und arbeite derzeit an meinem Master im Management. Die Doppelbelastung durch Sport und Studium erfordert ein sehr gutes Zeitmanagement und manchmal auch den ein oder anderen Verzicht in der Freizeit. Zum Glück kam mir die Uni diesbezüglich sehr entgegen. Die Anwesenheitspflicht war überschaubar, anders hätte es wohl auch nicht funktioniert.

Dass die Leichtathletik einen so großen Part in meinem Leben einnimmt, hat sich nach und nach ergeben. Als Kind stand anfangs nur das Sportabzeichen im Vordergrund. Dann habe ich relativ schnell meine Begeisterung für die 800-Meter-Strecke entdeckt, parallel dazu aber auch Hochsprung trainiert. Meine Sprung-Karriere endete, als ich 15 Jahre alt war, ich hatte zunehmend Achillessehnenprobleme, weil mein Körper nicht für das Sprungtraining geeignet ist.

Mit 17 habe ich angefangen, mit meinem heutigen Trainerteam um Daniel Stoll und Andreas Knauer zusammenzuarbeiten. Die Mittelstrecke ist sicher eine sehr harte Strecke, und zu Anfang des Jahres habe ich immer Respekt vor der Ausdauerbelastung, die nötig ist. Aber die Disziplin hat auch ihren Reiz, speziell im Wettkampf, weil jedes Rennen anders ist. Meine zweite Motivation sind die Großereignisse. 2016 war ich bei den Olympischen Spielen in Rio, in diesem Jahr ist die EM in Berlin (7. bis 12. August) das Highlight. Mit solchen Zielen im Kopf fällt es leichter, sich zu schinden und zu überwinden.

Sophia Flörsch: Erst das Abitur, jetzt Formel 3

Sophia Flörsch: Motorsport

Aufgewachsen bin ich in Grünwald, aber dadurch, dass ich in Nymphenburg zur Schule gegangen bin, habe ich auch viel Bezug zur Innenstadt. Ein bisschen Flanieren oder einen Abstecher in ein Cafe zu machen gefällt mir ebenso wie ein Ausflug in den Englischen Garten oder die Isar. Grünwald will ich deswegen aber nicht missen, die Ruhe, die nahe Lage zur Isar und der Natur, sind wundervoll.

Meine Begeisterung für den Motorsport hat sich früh gezeigt, mit fünf Jahren saß ich erstmals auf einem Kart. Über die Jahre und meine Starts in der ­Ginetta Junior Championship und der Formel 4 hat sich meine Karriere immer weiter professionalisiert.

In dieser Saison starte ich für das Team Van Amersfoort Racing in der FIA F3 European Championship – allerdings konnte ich erst vor zwei Wochen einsteigen, die ersten drei Rennwochenenden habe ich verpasst, weil ich diesen Sommer mein Abitur gemacht habe. Die Erwartungen für die noch kommenden sechs Rennen sind deshalb relativ gering. Gemeinsam mit meinen Eltern und meinen Sponsoren hatten wir sogar überlegt, ob es Sinn macht, dieses Jahr nur den Testfahrer zu geben und dadurch mehr Testkilometer abzuspulen. Aber letztlich ist der Lerneffekt in den Rennen sehr hoch, zudem wäre ein Jahr ohne mediale Aufmerksamkeit schlecht für meine Sponsoren gewesen. Und das, so ehrlich muss man sein, spielt im Motorsport eine große Rolle. Ohne Hilfe könnte sich meine Familie das nötige Budget längst nicht mehr leisten.

Mein nächster Formel-3-Einsatz ist in zwei Wochen auf dem legendären Kurs in Silverstone (17. bis 19. August). Rein von der Platzierung werde ich mich in allen Rennen eher im hinteren Drittel befinden, mehr ist durch die fehlende Vorbereitung in diesem Jahr nicht möglich. Aber ich will den Rückstand nach vorne nach und nach verkürzen, um 2019 voll anzugreifen. Darum geht es in den nächsten Wochen.

Mathias Müller

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