Der Kaiser trifft den Watschnmann

+
Franz Beckenbauer.

München - Es ist die Frage, die alle Löwen-Fans seit Jahrzehnten qüält: Was wäre aus dem TSV 1860 geworden, hätte Franz Beckenbauer vor 52 Jahren nicht jene legendäre Watschn von einem Jugendspieler der Sechziger erhalten? i

 Der 13-jährige Franz war 1958 nämlich glühender Löwen-Fan und wollte eigentlich als Spieler an die Grünwalder Straße wechseln, wenn er damals keine geschmiert bekommen hätte. So aber ging er aus Wut von seinem Stammverein 1906 zum FC Bayern.

Am Montag Abend in Blickpunkt Sport (20.15 Uhr) trifft Beckenbauer auf jenen Mann, der ihn damals bei dem Jugendturnier in Neubiberg geohrfeigt hat. „Er heißt Karl König“, sagte der Franz der tz.

Passt: König trifft „Kaiser“. Oder ist er es doch nicht? Um die Ehre, dem späteren Superstar eine gelangt zu haben, stritten sich nämlich mehrere Jugendspieler der Löwen von damals. Einer davon ist Günter Jahnke. In dem 1983 erschienenen Video Franz Beckenbauer – meine größten Spiele wird auch Jahnke interviewt und er sagt: „Es war ein Geplänkel im Mittelfeld, der Franz hat mich von hinten gefoult, und das hat sehr weh getan. Da habe ich ausgeholt und ihm eine Watschn gegeben. Und der Franz hat sofort zu seinen Spezln, dem Neudecker und dem Heigl, die ebenfalls zu 1860 wechseln wollten, gesagt: „Zu denen gehen wir nicht, wir gehen zu Bayern.“

Beckenbauers beste Sprüche

foto 

Jahnke, der 1980 Münchner Faschingsprinz war und etwa zur gleichen Zeit dem Team der Meisterspieler Petar Radenkovic, Peter Grosser und Manfred Wagner angehörte, das den damaligen Präsidenten Erich Riedl stürzen wollte, kann heute leider keine Stellung mehr beziehen. Er ist 1985 gestorben und am Ostfriedhof begraben. Nur einen Steinwurf vom 1906er-Platz entfernt, wo Beckenbauer einst das Fußballspielen gelernt hat.

Ebenfalls nicht mehr am Leben ist Rudolf Bauernfeind, der vor fünf Jahren, zum 60. Geburtstag von Franz, Schlagzeilen produzierte, wonach er der „Watschnmann“ von Neubiberg gewesen sei. Der ehemalige Bundesligaspieler Bubi Bründl kannte Bauernfeind und sagt: „Der Rudi hat mir kurz danach gleich erzählt, dass er dem Franz eine g’schossen hätte.“ Jetzt also Karl König. Helmut Hornung, ebenfalls damals in der Jugend der Blauen, in Neubiberg aber nicht dabei, sagt: „Der König war scho oaner, der gern immer glei zua’ghaut hat.“

Und somit trägt möglicherweise er die Verantwortung dafür, dass der TSV 1860 nicht anstelle der Bayern Meisterschaften am laufenden Band und jede Menge Europapkale eingesammelt hat. Zwar wurden die Löwen 1966 auch ohne den Franz Deutscher Meister, aber danach ging’s rapide bergab.

Eine Watschn in der Hitze des Gefechts ist schuld daran. Oder war es sogar anders? Nachdem so viele Leute als Täter in Frage kommen, ist der Franz damals möglicherweise von der halben Löwen-Mannschaft verprügelt worden…

Claudius Mayer

Auch interessant

Kommentare