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Funkel erwägt Systemwechsel

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Von: Uli Kellner

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Friedhelm Funkel am Spielfeldtand in Ingolstadt. © M.I.S.

München - Friedhelm Funkel hat mehrere Lehren aus der Derby-Blamage von Ingolstadt gezogen: Zweikämpfe zu trainieren und den zweiten Stürmer abzuschaffen.

Der Terminplan war eigentlich wie gemacht für einen leidenschaftlichen Karnevalisten. Spiel am Freitagabend, Auslauftraining am Samstag – dann frei bis Montagnachmittag. Ein Wochenendtrip in den närrischen Westen wäre naheliegend gewesen. Friedhelm Funkel, bekennendes Mitglied der Karnevalszunft „Große Braunsfelder“, entschied jedoch: „Nein, nein, ich bleibe hier.“ Pannen-Analyse statt Pappnase. Scherben aufkehren nach dem Totalschaden von Ingolstadt. Diese Löwen mitsamt ihrer destruktiven Fanszene (siehe Lokalteil) sind ein echter Stimmungskiller.

Die Begleitumstände der 0:2-Niederlage werden DFL und Polizei beschäftigen: Ein Geisterspiel droht, nachdem Pyrozündeleien und Feuerzeugwürfe eine zehnminütige Spielunterbrechung nach sich zogen. Auch die Tumulte im Regionalexpress 4043 und am Münchner Hauptbahnhof werden ein Nachspiel haben. Teil eins der sportlichen Nachbetrachtung fand bereits am Tag danach statt. „Das war mutloser, herzloser Fußball“, grantelte Funkel, der einen „totalen Rückschritt“ beklagte. Florian Hinterberger, der brav gewartet hatte, bis der Trainer zuende gepoltert hatte, legte nach: „Das war ein Dreckstag. Extrem enttäuschend und ärgerlich.“ Mit finsterer Miene kündigte der Sportchef an: „Ich weiß nicht, was das Problem ist, aber wir werden es bearbeiten.“

So weit, so heftig. Trotz der Schelte war jedoch zu spüren, dass Trainer und Sportchef dem offenbar erblichen Mentalitätsdefizit ratlos gegenüber stehen. Ein bisschen von der aggressiven Haltung, die Teile der Fans an den Tag legten, hätte Funkel auch seiner Mannschaft gewünscht. „Vor dem 2:0, da haue ich den Spieler (Collin Quaner/Red.) doch mal um“, lautete seine nachträgliche Verhaltensempfehlung: „Ich versuche natürlich, an den Ball zu kommen, aber wenn ich den Gegner erwische, dann ist das halt so. Damit verletzte ich ja niemanden schwer.“ Nur eine Gelbe Karten in den letzten zwei Partien – für Funkel Anlass, den Trainingsschwerpunkt in Richtung Zweikampfführung zu verschieben. „Oftmals haben wir den Spielern nur Begleitschutz gegeben“, spöttelte er. „So kann man einfach nicht auftreten!“

Nachhilfe in punkto Cleverness – so lautet eine Lehre, die Funkel aus dem verpatzten Derby zieht. Die andere Maßnahme könnte lauten: Rückkehr zum 4-1-4-1-System, das bereits nach dem Offenbarungseid gegen Dresden (1:3) zur Trendwende mit vier Siegen geführt hatte. Für Funkel liegen die Argumente auf der Hand: Benny Lauth erneut ein Totalausfall („Stürmer, die in die Jahre kommen, erreichen oft nicht mehr ihre frühere Form“), mit Adlung/Stark eine wirkungslose Zentrale. Und bekanntlich spielt Yuya Osako ohnehin lieber den Solo-Stürmer.

„Natürlich schließe ich das nicht aus“, sagt Funkel zur möglichen Renaissance der bewährten Betontaktik. Chefkämpfer Dominik Stahl, der am Freitag schmerzlich vermisst wurde, konnte in dieser Grundordnung seinen Tordrang ausleben. Auch Kai Bülow, als Sechser zwischen zwei Viererketten, wirkte stabilisierend. Praktischerweise scheint der Rostocker seine langwierige Knie- und Sprunggelenksreizung auskuriert zu haben. Am Freitag, in einem internen Kick, hielt er zweimal 35 Minuten durch. „Er hatte eine längere Pause“, so Funkel. „Das muss man abwägen.“ Alternativ zu Bülow böte sich an: Julian Weigl.

Uli Kellner

1860 zum Derby in Ingolstadt - Bilder & Noten

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