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Kapazität noch lange nicht ausgereizt

Mit diesen Maßnahmen würden mehr als 20.000 Fans ins Grünwalder Stadion passen

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Blick aus der Westkurve: Links der gesperrte Block J, rechts die gesperrten Oberränge der Blöcke F1 und F2.

Die Kapazität des Grünwalder Stadions wird im Sommer 2018 von 12.500 auf 15.000 erhöht. Doch es geht theoretisch noch einiges mehr. Wir erklären, wo und wie das möglich wäre.

Dass sich im Jahr 1948 auf Giesings Höhen beim Duell 1860 gegen Nürnberg einmal 58.200 Zuschauer im Grünwalder Stadion drängten, ist heute unvorstellbar. Seit der Aufstellung dieses Zuschauerrekords sind rund 70 Jahre vergangen, die derzeit zulässige Kapazität beträgt nur noch 12.500. Das soll sich ab der Saison 2018/19 bekanntlich ändern, die Stadt will die alte Kampfbahn wieder für 15.000 Besucher freigeben. Doch auch mit dieser Erweiterung wird es weiter halbleere Tribünen im Grünwalder Stadion geben - erst recht, wenn die Oberränge der Blöcke F1 und F2, sowie der Block J in der Westkurve für Fans freigegeben werden. Wir erinnern uns: Die Blöcke P und Q bleiben regelmäßig wegen des Sicherheitskonzeptes halbleer, obwohl ausverkauftes Haus bei 1860-Heimspielen vermeldet wird

Nun stellen sich die Fragen: Welche Blöcke sind von der Auslastung noch nicht ausgereizt? Wie genau verteilen sich die zusätzlichen 2500 Zuschauer ab Sommer 2018 auf die Blöcke? Und wie viele Zuschauer würden bei einer Vollauslastung ins Stadion passen? Unsere interaktive Karte zeigt ihnen, für wie viele Personen welche Blöcke derzeit freigegeben sind (klicken Sie hierzu auf die farblich markierten Tribünen).

Scherbel: „Ziel sollte sein, die Kapazität noch weiter zu erhöhen“

„Die Erweiterung auf 15.000 Zuschauer ist sehr erfreulich“, sagt Martin Scherbel, der Vorsitzende der Freunde des Sechz‘ger Stadions über die anstehenden Veränderungen. „Die Reduzierung der Kapazität im Rahmen der Modernisierungsmaßnahmen 2012/13 war willkürlich und nicht notwendig.“ Die Erhöhung der Kapazität auf 15.000 hält er für einen ersten Schritt. „Natürlich sollte das Ziel sein, die Kapazität noch weiter zu erhöhen. Rein vom baulichen Zustand (natürlich abhängig von genehmigungsrechtlichen Aspekten) sind sicher bis zu 20.000 Zuschauer möglich. Diese Marke zu erreichen sollte das kurz- beziehungsweise mittelfristige Ziel sein.“ Aber ist das möglich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Das bedeutet die Öffnung des Unterrangs Block J im Frühjahr 2018: Wenn im ersten Schritt der Unterrang in Block J freigegeben wird, wird die Gesamtkapazität des Stadions zunächst nicht erhöht. Das bedeutet lediglich, dass die derzeit eng befüllten Unterränge von F1 und F2 sowie die Blöcke G und H in der Westkurve entlastet und einige Fans in den Unterrang von Block J umgesiedelt werden (bei seiner letzten Nutzung durften hier bis zu 1.500 Fans stehen). Hierfür muss keine Baugenehmigung erteilt werden, es wird lediglich ein neuer Zaun zwischen Ober- und Unterrang des Blocks J nötig.

Die Westkurve im Grünwalder Stadion mit gesperrtem Block J (r.). Dieser soll zunächst unten, dann auch oben wieder geöffnet werden.

Das bedeutet die Freigabe auf 15.000 Zuschauer im Sommer 2018: 2.500 Zuschauer mehr brauchen Platz - und den werden sie zusätzlich in den Oberrängen der Blöcke F1, F2 und J in der Westkurve erhalten. Für die Erhöhung des Stadionfassungsvermögens wird eine Baugenehmigung benötigt, die erst im Sommer 2018 vorliegen wird. Die genaue Aufteilung der zusätzlichen Plätze auf die jeweiligen Blöcke ist noch unklar, sie dürfte aber ausgeglichen auf die dann wieder benutzbaren Bereiche erfolgen, um ein möglichst geschlossenes Kurvenbild zu bekommen.

Wie viele Zuschauer sind im Grünwalder Stadion theoretisch möglich? Wie bereits erwähnt, werden nicht alle Stehplätze auf Giesings Höhen komplett belegt. Die variabel belegten Bereiche sind vor allem die Blöcke in der West- und Ostkurve. Nach Angaben der Freunde des Sechz‘ger Stadions ließen sich die Kapazitäten in den folgenden Blöcken rein von den baulichen Gegebenheiten und durch Öffnung der gesperrten Bereiche wie folgt erhöhen:

  • Block F1 von aktuell 1.162 im Unterrang auf insgesamt rund 2.800
  • Block F2 von aktuell 1.105 im Unterrang auf insgesamt rund 2.800
  • Block J von derzeit noch 0 auf insgesamt rund 4.800
  • Block P und Q von aktuell rund 1.200 auf insgesamt rund 2.000

Grünwalder Stadion: Theoretische Kapazität liegt bei 21.500

Das Grünwalder Stadion thront auf dem Giesinger Berg.

Zählt man nun diese Erhöhungen mit dem aktuellen Fassungsvermögen zusammen, ergibt sich eine theoretische Kapazität des Grünwalder Stadions von etwa 21.500 Plätzen.

Doch dafür wären zahlreiche zusätzliche Veränderungen notwendig. Darunter fallen Lärmschutz-Maßnahmen in Richtung Volckmerstraße im Süden und wohl auch im Westen, auch eine Überdachung der Westkurve käme dann wohl auf den Tisch. Zudem müsste diese sowie die darunterliegenden Gastronomie-Kioske und auch die sanitäre Einrichtung dafür grundlegend saniert werden. Falls die Stadt eine weitreichende Modernisierung wie die Überdachung der Westkurve befürworten würde, wäre diese Maßnahme in etwa zwei bis drei Jahren umsetzbar, mutmaßte Stadion-Architekt Stefan Nixdorf im August im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Außerdem müsste der dann zu große Einzelblock J wohl in die Bereiche J1 und J2 unterteilt werden. Mit Blick auf Lärm- und Brandschutzbestimmungen wäre somit bei 20.000 Zuschauern das absolute Limit erreicht.

Scherbel: Hoffentlich hat 1860 aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt

Der Wunsch der Freunde des Sechz‘ger Stadions ist also grundsätzlich anhand der baulichen Gegebenheiten denkbar, der Weg dorthin über Genehmigungen und Auflagen ist aber sehr weit. „Grundsätzlich sollte das Grünwalder Stadion für Sechzig immer oberste Priorität haben. Natürlich hängt hier viel von der sportlichen Zukunft des TSV 1860 ab“, so Scherbel, der den Bau einer neuen Arena als derzeit nicht realisierbar ansieht: „Ein Neubau auf der grünen Wiese ist unrealistisch, genauso wie die Geschichte vom Stadion in Riem von Anfang an unrealistisch war. Für einen Neubau fehlt nicht nur das Geld, sondern vor allem eine geeignete Fläche.“

Und was wäre mit dem Olympiastadion (lesen Sie auch: So „fußballfit“ ist das Olympiastadion)? Das bezeichnet Scherbel zwar als einzig realistische Alternative, aber mit Blick darauf, „wohin der letzte Oly-Umzug Sechzig gebracht hat (Abstieg, Arena-Bau, Fast-Insolvenz, Investoreneinstieg), geht das Olympiastadion überhaupt nicht. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass man beim TSV 1860 aus Fehlern der Vergangenheit auch mal was lernt.“

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