"Herr Beeck, räumen Sie jetzt richtig auf?"

+
Rainer Beeck beantwortete freundlich alle Fragen der tz-Leser.

Er kam ein paar Minuten zu spät ins Redaktionsgebäude, dafür nahm er sich in der Folge extra viel Zeit für die Fragen der tz-Leser: Rainer Beeck (45), der neue Präsident des TSV 1860.

Smart, freundlich und nicht ohne Witz ging der Prokurist der Flughafen München GmbH auf jeden Anrufer ein. Sein Fazit: „Man spürt, wie dieser Verein die Menschen bewegt. Das ist Motivation genug, die Löwen wieder dahin zu bringen, wo sie hingehört. In die oberste Etage des deutschen Fußballs.“

Das Protokoll der tz-Telefonaktion.

Rosa Goss (76), Rentnerin aus München: Hallo Herr Beeck, ich bin so froh, dass wir jetzt endlich einen anderen Präsidenten haben.

Beeck:Danke Frau Goss, ich werde mein Bestes tun.

Räumen Sie jetzt richtig auf? Als erstes muss der Kurz weg, der taugt ja gar nix! Und der Reuter dazu. Der taugt genauso wenig!

Beeck:Vielleicht haben sie ja erst jetzt die richtigen Rahmenbedingungen. Geben Sie den beiden doch eine Chance.

Aber bloß noch eine!

Die Löwen-Führung

Die Löwen-Führung © dpa/sampics/Jantz
beeck_1
Der Präsident: Rainer Beeck (46), Prokurist der Flughafen München GmbH, Klubmitglied seit Dezember 2005, will Ruhe bei den Löwen reinbringen. Dem Fahrer eines roten (!) Porsches werden Macher-Qualitäten nachgesagt. © sampics
hasenstab
Der Vize: Michael Hasenstab (38), Volkswirt, selbstständiger Investmentbanker und Enkel des Ex-Löwen-Spielers Adolf Hasenstab. In den letzten zwei Jahren schon beratend tätig. © sampics
05_maget_dpa
Der EX-Vize: Franz Maget (54), Chef der Münchner SPD und der SPD-Landtagsfraktion. Seit September 2007 Vizepräsident, trug die fristlose Entlassung von Geschäftsführer Stefan Ziffzer mit. © dpa
01_reuter_dpa
Der Geschäftsführer: Stefan Reuter (41), Fußball-Weltmeister 1990. Seit Januar 2006 hauptamtlich bei den Löwen, seit dem Ziffzer-Rauswurf der starke Mann im operativen Geschäft. Muss jetzt seine Klasse beweisen. © dpa
lutz_sampics
Der Aufsichtsrats-Boss des Vereins: Prof. Dr. Peter Lutz (51), Rechstanwalt in einer Münchner Kanzlei mit den Schwerpunkten Urheber- und Verlagsrecht, Presse- und Multimediarecht. Seit Dezember 2006 im Amt. © sampics
oefele_jantz
Der Aufsichsrats-Boss der KGaA: Christoph Öfele (40), Sachverständiger für geschädigte Kapitalanleger. Seit Dezember 2006 im Amt. Mitglied auf Lebenszeit. © Sigi Jantz
ude_dpa
Der Oberbürgermeister: Christian Ude (60), Mitglied in den Aufsichtsräten von Verein und KGaA. © dpa
04_wettberg_schlaf
Der EX-Vize-Präsident: Karsten Wettberg, führte die Löwen als Trainer in der Saison 1990/1991 in die zweite Liga und verdiente sich dadurch den Fan-Titel "König von Giesing". © Schlaf
03_von_linde_sampics
Der EX-Präsident: Dr. Albrecht von Linde war von März 2007 bis Mai 2008 im Amt. Er musste als Folge der Führungskrise seinen Hut nehmen. © sampics
02_ziffzer_sampics
Der EX-Geschäftsführer: Dr. Stefan Ziffzer ist am 11. Mai 2008 der Kragen geplatzt. In seiner Wut-Rede am 11. Mai 2008 attackierte er das Präsidium. Das kostete ihn seinen Job. © sampics
06_kurz_dpa
Der Trainer: Marco Kurz. Der Löwen-Coach übernahm den Posten von Walter Schachner. In seiner ersten Trainersaison führte er das Profi-Team auf Platz 8, im zweiten knapp am Abstieg vorbei. © dpa
08_maskottchen_dpa
Das Maskottchen: Der Löwe steht vor der Geschäftsstelle und ist unverwüstlich, unumstritten, unentlassbar, chaosresistent und der einzige Löwen-Offizielle, dem noch keiner die Schuld am Niedergang gegeben hat. © dpa

Mehr zum Thema:

Rainer Beeck ist neuer Löwen-Präsident - So lief's am Montag

Der Kalender des Grauens - Die Löwen seit Wildmoser

Der Machtwechsel beim TSV 1860: Die Nächsten, bitte...

Von Linde - die Abrechnung!

Norbert Wutz (56), Chauffeur aus München: Herr Beeck, ich kaufe jedes Jahr eine Dauerkarte für 420 Euro. Können Sie mir versprechen, dass sich das künftig wieder rentiert für mich?

Beeck:Ich kann Ihnen versprechen, dass wir einen Neustart machen und dass jetzt alle an einem Strang ziehen. Das ist die Basis dafür, dass es auch sportlich wieder aufwärts geht bei 1860.

Lothar Dremel (57), Metzger aus Bamberg: Was machen die Investoren?

Beeck:Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir dieses Problem bald in den Griff bekommen. Es geht in diesem Bereich mit Sicherheit aufwärts. Die Gespräche laufen auf Hochtouren.

Markus Baumgartner (32), Schreiner aus Ismaning: Wieviel Geld müssen neue Investoren mitbringen?

Beeck:Zwei Millionen Euro aufwärts. Das ist eine zielführende Eingangsgröße die hoffnungsvoll wäre. Die Gespräche laufen schon seit langem. Wer Geld bringt, will natürlich auch wissen wohin es geht. Das gilt es jetzt zu vermitteln.

Tobias Pflüger (38), Lehrer aus München: Wer ist ihr aktueller Lieblingsspieler?

Beeck:Ich habe nur Lieblingsspieler und möchte keinen hervorheben, sonst ist der Rest beleidigt. Doch wir haben viele junge, engagierte Spieler, die das Zeug dazu haben, lange Lieblinge zu bleiben.

Hermann Königsberger, (67), Bauingenieur aus Kaufbeuren: Ich hoffe, unter Ihnen ist für Egoisten wie von Linde oder Ziffzer kein Platz mehr bei 1860.

Beeck:Ich kann Ihnen versprechen, dass bei 1860 kein Platz mehr für Eitelkeiten ist. Dieses Dilemma der Unsicherheit für Partner und Sponsoren ist Vergangenheit. Alle wissen jetzt, dass wir nur gemeinsam stark sind.

Aber jetzt müssen gute, neue Spieler kommen, ich will nicht nochmal so eine gesundheitsgefährdende Rückrunde erleben!

Beeck:Ich auch nicht. Und ich bin zuversichtlich, dass wir den einen oder anderen Spieler dazukriegen. Stefan Reuter sitzt mit Hochdruck an der Kaderplanung, ich weiß von einigen Gesprächen in der Endphase.

Robert Zillmann (37), Bankangestellter aus Augsburg: Herr Beeck, ich hätte eine private Frage. Wer war Ihr Idol als junger Fußballer?

Beeck:Da muss ich ausholen. Wir haben mit Gilching mal gegen die Löwen-Jugend gespielt. Da war Gerd Müller als Zuschauer da und hat uns angefeuert. Seitdem mag ich ihn, auch wenn er vom FC Bayern ist. Mein Idol als Spieler war aber immer Ferdl Keller (Löwen-Mittelstürmer 1969/70 und 1972-76, d. Red.). Seine Art und sein Spiel haben mich schwer beeindruckt.

Rainer Beeck (m.) mit den tz-Redakteuren Ludwig Krammer (l.) und Mario Volpe.

Hans Bauer (50), Kraftfahrer aus Dingolfing: Was halten Sie vom FC Bayern? Freuen Sie sich auch so, wenn die Roten verlieren?

Beeck:Da muss ich differenzieren: International ist es mir schon lieber, wenn eine Mannschaft aus München was reißt. National ist das was anderes. Ich hätte nichts dagegen, wenn nächstes Jahr Bremen Meister wird. Noch lieber wär mir in Zukunft freilich Sechzig.

Erwin Wohlrab (61), Rentner aus Regensburg: Finden Sie die Allianz Arena auch so schrecklich wie Ihr Vorgänger von Linde?

Beeck:Nein, die Arena ist ein „Landmark“ für München. Für 1860 ist sie ohne ernsthafte Alternative, auch wenn sie zweifellos teuer ist. Das Grünwalder wird immer unser Baby bleiben, aber wir wollen doch auf Sicht wieder erstklassig spielen. Und das geht nur in der Arena.

lk, mv

Was weiß Rainer Beeck alles über den TSV 1860?

Wie fit ist der neue Löwen-Präsident in Sachen TSV 1860? Die tz stellte Rainer Beeck zehn Fragen zur blauen Historie und testete sein Wissen.

1. Wie viele Meisterspieler von 1966 können Sie auf die Schnelle nennen? Beeck: „Fredi Heiß, der Radi, Hansi Rebele.“ Alle richtig.

2. Wie oft ist der TSV 1860 schon aus der 2. Liga aufgestiegen? Beeck: „Viermal?“ Knapp daneben – bisher stieg der TSV 1860 dreimal auf.

3. Wie lange war Werner Lorant Trainer beim TSV 1860? Beeck: „Sieben Jahre?“ Nicht schlecht, es waren etwas mehr als neun.

4. Wer ist Rekordnationalspieler des TSV 1860? Beeck: „Fredi Heiß?“ Falsch. Richtig ist Bernd Patzke mit 18 Einsätzen.

5. Wie viele Jahre seit Gründung der Bundesliga spielte der TSV 1860 eine Klasse höher als der FC Bayern? Beeck: „Zwei.“ Absolut richtig.

6. Wie fiel der höchste Bundesligasieg der Löwen aus? Beeck: „Ich sage mal 7:0.“ Knapp daneben. Es war ein 9:0 im 1965 gegen Karlsruhe.

7. Wer schoss die 1860-Tore im Europacup-Finale gegen West Ham United? Beeck: „Da erwischen Sie mich jetzt auf dem falschen Fuß.“ Eine Fangfrage. Beeck: „Ach so, keins.“ Richtig.

8. Wie lange spielte der TSV 1860 in der Bayernliga? Beeck: „Sechs Jahre.“ Leider nicht. Es waren zehn.

9. Wann war 1860 das letzte Mal deutscher Pokalsieger? Beeck: „1967.“ Falsch – 1964.

10. Wer war der letzte deutsche Nationalspieler des TSV 1860? Beeck: „Benny Lauth.“ Richtig.

Insgesamt eine noch etwas ausbaufähige Performance, aber Rainer Beeck hat derzeit sicher andere Sorgen, als sich große Gedanken über die blaue Vergangenheit zu machen. Für den neuen Präsidenten zählt nur die Zukunft.

Quelle: tz

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

1860 liefert sich wilden Fight mit Uerdingen - packendes Match in Unterzahl
1860 liefert sich wilden Fight mit Uerdingen - packendes Match in Unterzahl
Investor Ismaik attackiert Sechzig wegen „Hiobsbotschaft“ - und kassiert Konter von Fans 
Investor Ismaik attackiert Sechzig wegen „Hiobsbotschaft“ - und kassiert Konter von Fans 
Mölders macht Schluss: Darum hört der Löwen-Stürmer wirklich als Profi auf
Mölders macht Schluss: Darum hört der Löwen-Stürmer wirklich als Profi auf
Kaderschmied Robert Hettich plant den Löwen-Angriff
Kaderschmied Robert Hettich plant den Löwen-Angriff

Kommentare