U 19-Trainer Hrubesch will mit vier Löwen Europameister werden

Hrubesch: „Ich bin 1860 dankbar“

München - Es ist eine historische Chance. Zum ersten Mal seit 16 Jahren, seit dem EM-Gewinn der U 16, könnte eine deutsche Jugendauswahl am Samstag wieder einen Titel gewinnen.

In Jablonec trifft die U 19 von Trainer Horst Hrubesch nach dem 2:1-Halbfinalsieg gegen Tschechien auf Italien (19 Uhr, Eurosport live). Und speziell für Löwenfans ist diese Partie ein absoluter Pflichttermin, schließlich stehen mit Florian Jungwirth, den Bender-Brüdern Lars und Sven sowie Timo Gebhart gleich vier Blaue in der Stammelf. 1860-Manager Stefan Reuter wird live im Stadion die Daumen drücken („unsere Jungs werden mit noch mehr Selbstvertrauen zurückkommen“), auch Trainer Marco Kurz freut sich für sein Quartett, obwohl ihm der EM-Termin mitten in der Saisonvorbereitung natürlich nicht passen kann. Sei’s drum. „Wir haben die vier auf den Weg geschickt, um den Titel zu holen“, sagt Kurz. Horst Hrubesch geht da im tz-Interview ganz konform.

Herr Hrubesch, der Finaleinzug ist geschafft. Durften Ihre Jungs am Donnerstag nach dem dramatischen 2:1-Sieg in der Verlängerung ein bisschen feiern?

Hrubesch:Feiern? Nee, das wollen wir erst nach dem Endspiel. Die Jungs haben nach der Rückfahrt ins Hotel noch vernünftig gegessen und sich pflegen lassen. Danach sind sie ins Bett. Unser Motto bei dieser EM ist: keine leeren Hände! Und noch haben wir nichts gewonnen.

Aber ein wenig stolz hat Sie der Kampfsieg schon gemacht, oder?

Hrubesch: Ja klar. Ich hab selten so ein intensives Jugendländerspiel erlebt wie am Donnerstag. Durch die Jungs hab’ ich was wiedergefunden im Fußball, das ich lange vermisst habe. Dieses Gefühl des totalen Einsatzes, dieses an-die-Grenzen-gehen und darüber hinaus. Einfach toll.

In München interessieren logischerweise speziell die fünf Lokalmatadore, das Löwen-Quartett und Bayern-Talent Björn Kepplin. Können Sie uns die Bedeutung und Qualitäten Ihrer Münchner kurz darlegen?

Hrubesch:Ja gerne. Also der Björn Kepplin hat sich richtig gemausert, er ist mit seinen Fähigkeiten defensiv überall einsetzbar und muss eigentlich nur noch in der Vorwärtsbewegung zulegen. Der Florian Jungwirth wird seinen Weg im Profigeschäft machen, er ist nicht umsonst mein Kapitän und Stammverteidiger. Zu den Benders, tja, da muss man nicht mehr viel sagen, sie sind ja fast schon etablierte Profis, an denen sich die Mitspieler in jeder Hinsicht gerne orientieren dürfen. Und der Timo Gebhart, das ist ein Künstler. Er hat übermäßige Fähigkeiten in der Offensive und muss jetzt eben noch mehr verinnerlichen, dass Fußball auch mit Arbeit für die Mannschaft zu tun hat. Da hat er noch Steigerungspotenzial.

Haben Sie bezogen auf den TSV 1860 auch ein schlechtes Gewissen? Schließlich haben mit den Benders und Timo Gebhart drei mehr oder ­weniger etablierte Zweitligaprofis den Großteil der Saisonvorbereitung verpasst…

Hrubesch:Schlechtes Gewissen wäre übertrieben, aber natürlich ist das eine besondere Situation mit den Löwen. Ich bin 1860 wirklich dankbar für die Unterstützung von Marco Kurz und Stefan Reuter. Das ist vorbildhaft, wie dort gehandelt wurde und wird.

Was sagen Sie zu den Sorgen mancher Beobacher, dass die EM für die 1860-Spieler zum Kraft-Bumerang werden könnte?

Hrubesch: Das dürfte kein großes Problem sein. Die Spieler werden nach der EM vielleicht ein paar Tage Urlaub brauchen, aber dann sind sie gut gerüstet für die Saison. Ich glaube sogar, dass ihnen das Turnier einen Schub geben wird. Es ist wichtig für die Jungs, zu sehen, wo sie im internationalen Vergleich in ihrer Altersklasse stehen. Und jetzt wissen sie schon, dass es in Europa außer ihnen nur noch eine Mannschaft gibt – Italien. Ab Samstag sollen sie dann wissen, dass sie die Besten sind. Das Finale wird ein großer Fight – und unser Anspruch muss einfach der Titel sein.

Interview: Ludwig Krammer

Quelle: tz

Quelle: tz

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