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Ignjovski: „Wir sehen uns wieder – in der Bundesliga“

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München - Ex-Löwe Aleksandar Ignjovski spricht im Merkur-Interview über seinen Aufstieg bei Werder Bremen und den schmerzlichen Abschied aus München.

Aleksandar Ignjovski (20), darüber sind sich alle einig, war der beste Transfer des früheren Löwen-Sportchefs Miroslav Stevic. Obwohl damals erst 18 Jahre alt, eroberte der junge Serbe auf Anhieb einen Stammplatz, den er bis zu seinem unfreiwilligen Abschied nicht hergab. Gerne wäre der kleine Kämpfer über den Sommer hinaus geblieben, doch Stevic’ Glücksgriff hatte auch einen Haken: Ignjovski war nur von OFK Belgrad ausgeliehen; um ihn dauerhaft zu binden, wäre eine siebenstellige Zahlung fällig gewesen – zu viel für den (damals) klammen Zweitligisten. Auch Werder Bremen hatte Probleme, die Summe aufzubringen, doch inzwischen freuen sich Sportchef Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf über ein Schnäppchen, denn der U 21-Nationalspieler hat sich im Eiltempo auf einer Bremer Problemposition unentbehrlich gemacht – links hinten in der Viererkette. Im Interview spricht der Ex-Löwe über seinen persönlichen Aufstieg.

Servus Aleksandar, bis zum Sommer waren Sie ein Löwe, jetzt sind Sie mit Bremen Bayern-Jäger. Wie fühlt sich das an?

Der Unterschied ist schon groß. Die Erste Liga ist doch um einiges stärker. Umso mehr freue ich mich, dass ich schon drei Spiele machen durfte und wir oben stehen.

Die Kritiken nach Ihren drei Einsätzen waren jeweils gut bis sehr gut. Hätten Sie gedacht, dass das so schnell klappen würde mit einem Stammplatz?

Nein, wenn ich ehrlich bin. Aber ich bin einer, der immer 100 Prozent gibt – im Spiel sowieso, aber auch im Training. Trotzdem muss ich weiter an mir arbeiten und noch besser werden. Einen richtigen Stammplatz habe ich noch nicht.

Wie sehr muss man sich umstellen, wenn die Mitspieler plötzlich Pizarro, Wesley oder Marin heißen und allesamt Nationalspieler sind?

Mit solchen super Spielern in der Mannschaft fällt vieles leichter. Wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball, dann gibt man ihn einfach zu Marko oder zu Claudio. Das ist schon ein Supergefühl.

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Thomas Schaaf gilt als gutmütig, aber etwas brummig. Wie kommen Sie klar mit ihm?

Er ist ein guter Typ, auch wenn er nicht so viel lacht. Ich kann viel von ihm lernen.

Ehe der Wechsel nach Bremen klappte, hingen Sie wochenlang in der Luft und hielten sich in Belgrad mit Läufen fit. Was genau war das Problem?

So genau weiß ich das gar nicht. Ich glaube, da ging es ums Geld, um meine Ablöse. Ich bin nur froh, dass es am Ende geklappt hat. Die zwei Monate alleine waren eine sehr schwere Zeit für mich.

Es stand zu lesen, Sie hätten unbedingt nach Bremen gewollt, seitdem Sie Allofs vor drei Jahren bei einem U 19-Länderspiel beobachtet hat. Können Sie das näher erklären?

Als Allofs damals extra wegen mir zu diesem Spiel kam, war das etwas sehr Besonderes für mich und meine Familie, eine große Ehre. Das ist einfach ein Verein, der dir als Spieler ein gutes Gefühl gibt. Die ganze Stadt steht hinter Werder, gerade jetzt, wo wir oben stehen, herrscht eine Superstimmung, und auch für meine Karriere ist das gut. Ich bin sehr glücklich hier zu sein.

Trotzdem soll Ihnen der Abschied aus München schwer gefallen sein. Sie waren bei den Löwen zwei Jahre lang Stammspieler, bei Fans und Trainer unumstritten. Es heißt, Sie wollten gar nicht weg.

Das war auch schwer. Meine Familie war da, ich war total zufrieden mit dem Verein, der Stadt, einfach mit allem. 1860 war schließlich meine erste Stadion im Ausland, und man darf nicht vergessen: Ich war damals erst 18 Jahre alt.

Eigentlich sind Sie ein zentraler Mittelfeldspieler, doch in Bremen spielen Sie Linksverteidiger – eine Position, die Sie erst letzte Saison kennen gelernt haben, als die Löwen mal wieder Personalnot hatten. Sind Sie Reiner Maurer dankbar, dass er Ihr Spektrum erweitert hat?

Wohler fühle ich mich schon rechts, aber auch jetzt haben wir, wie damals bei 1860, Probleme mit verletzten Spielern. Letztlich ist es mir egal, wo mich die Trainer aufstellen.

Verfolgen Sie noch die Löwen?

Ja, klar. Ich schaue mir jedes Spiel an und hoffe, dass wir uns bald in der Ersten Liga wiedersehen.

Halten Sie es für möglich, dass die Löwen so schnell aufsteigen?

Warum nicht? Die Mannschaft spielt sehr gut und schön, gerade zu Hause. Wer die Gegner mit 4:0 besiegt, hat die Qualität, jeden zu schlagen. Nur auswärts müssen die Leistungen etwas konstanter werden.

Am Sonntag, während Sie mit Bremen in Hannover ran müssen, gehen Ihre alten Kollegen auf die Wiesn, und zwar ohne Limit seitens des Trainers. Neidisch?

(lacht) Ein bisschen. Leider werde ich das dieses Jahr nicht schaffen, denn ich muss dann auch zur Nationalmannschaft. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr.

Das Gespräch führte Uli Kellner

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