Interview mit Ex-1860-Geschäftsführer

Ziffzer zu Rückkehr bereit - unter Bedingungen

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Stefan Ziffzer

München – Ex-Löwen-Geschäftsführer Stefan Ziffzer (60) spricht im Interview über die Lage der Löwen und erklärt sich zu einer Rückkehr bereit. Unter Bedingungen.

In die Vereinsgeschichte ging der Sanierer ein durch den Verkauf der Stadionanteile an den FC Bayern (für 11,7 Mio. Euro), durch seine Auseinandersetzung mit Ex-Präsident Albrecht von Linde, gipfelnd in Ziffzers legendärem Abschiedsgruß („Der Fisch stinkt immer vom Kopf“). Ziffzer, der heute wieder als Unternehmensberater arbeitet, steht im Rückblick aber auch für geordnete Finanzen – auch wenn sich viele Löwen-Fans damals mehr Mut zum Risiko gewünscht hätten (Stichwort Michael Thurk). Wir sprachen mit dem Finanzexperten über die jüngste Zahlenveröffentlichung seines früheren Arbeitgebers: 6,3 Millionen Euro Verlust bei einer Gesamtleistung von 19,8 Mio.

Herr Ziffzer, verfolgen Sie noch das Geschehen bei Ihrem Ex-Klub?

Ziffzer: Ja, klar.

Haben Sie auch einen Blick auf den am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht für die Saison 2011/12 geworfen?

Ziffzer: Nein. Ich habe bloß die Zahlen gelesen und mich leicht gewundert.

Worüber speziell?

Ziffzer: Darüber, dass die Verluste schon extrem hoch waren.

Obwohl ja diesem Geschäftsjahr der Einstieg des Investors Hasan Ismaik vorausgegangen war.

Ziffzer: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wenn der Investor ein Darlehen gibt, dann heißt das ja nicht, dass dadurch der Verlust reduziert wird. Das wäre nur der Fall gewesen, wenn er dem Verein das Geld geschenkt hätte. Durch das nachrangige Darlehen des Investors ist der Verlust finanziert. Dadurch entsteht kein Loch in der Kasse. Und nur das ist es, was bei der DFL zählt. Alles außer der Liquidität interessiert die nicht.

Klingt, als wäre letztlich geschickt mit den Zahlen jongliert worden.

Ziffzer: Weiß ich nicht. Normal, würde ich sagen. Es war auf jeden Fall keine Hexerei.

Sie waren nach dem Abstieg 2004 der erste Funktionär, der den Finger in die Wunde gelegt hat. Fühlen Sie sich im Nachhinein bestätigt?

Ziffzer: Naja. Wir haben ja zu meiner Zeit Pressekonferenzen gemacht, wo alle sehr zeitnah und detailliert die Bilanz kennen lernen durften. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir – egal aus welchen Gründen – zwei Jahre hintereinander mit plusminus Null abgeschnitten. Dazu kommt: Wir hatten noch alle deutschen Talente am Start (u.a. Sven und Lars Bender, Timo Gebhart/Red.). Das hat sich ja inzwischen ein bisschen geändert. Jetzt ist kein Geld mehr da – und kein einziges Talent.

Wann wurden aus Ihrer Sicht die entscheidenden Fehler gemacht?

Ziffzer: Wenn man glaubt, einen der beiden Bender auf die Tribüne setzen zu müssen, um ihn fortzuekeln, dann kann das ja nicht so richtig gewesen sein. Damit ging es los. Und die Leute, die bei uns geglaubt haben, genau hinschauen zu müssen, die haben danach weggeschaut. Also die Kontrolleure und alle, die gedacht haben, sie wissen, wie es geht.

Viele von ihnen wirken ja auch heute noch im Hintergrund mit.

Ziffzer: Klar. Eine Lernkurve ist da nicht unbedingt erkennbar. Und noch ein Satz zum Investor: Ich kenne Herrn Ismaik nicht, aber das hat auch nichts mit interkulturellen Unterschieden zu tun, sondern mit dem Grundgesetz: „Wer zahlt, schafft an.“ Das ist in der ganzen Welt so.

Könnten Sie sich vorstellen, in der veränderten Konstellation als Geschäftsführer zu arbeiten?

Ziffzer: Das würde ich dann machen, wenn ich wüsste, dass es zwischen dem Investor, dem Präsidenten und dem Geschäftsführer eine gemeinsame Linie gibt, also wie bei Koalitionsverhandlungen. Alles andere hat keinen Sinn. Denn wenn sich diese drei Seiten einig sind, dann kann man mit Geduld und einer gewissen Sensibilität eine Stabilisierung reinkriegen. Ich habe das Gefühl, dass jetzt schon wieder aus dem Hinterfeld geschossen wird. Starke Leute wollen sie nicht, gute Leute wollen sie erst recht nicht. Ich weiß nicht, was sie wollen.

Das ganze Interview lesen Sie hier bei unserem Partnerportal merkur-online.de.

Uli Kellner

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