Neu-Löwe Bülow im tz-online-Interview: "Meinen Fanclub bringe ich mit"

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Kai Bülow verstärkt die Löwen

München - Innenverteidiger Kai Bülow (23) spricht im Interview mit tz-online über die Gründe für den Wechsel zu 1860, über seine Ziele und seinen Fanclub, der mit nach München kommt.

Sie wechseln als Rostocker Urgestein nach München. Wie fühlt man sich so plötzlich als Löwe?

Bülow:  Ich muss es erst mal selber realisieren, dass ich den weiten Weg nach München mache und aus Rostock weggehe. Das Löwen-Gefühl kommt wohl erst die nächsten zwei, drei Wochen.

Was hat den Ausschlag für 1860 München gegeben?

Bülow:  Ich habe mich

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Bülow zu 1860

am Dienstagabend mit Trainer Ewald Lienen getroffen. Es gab ein sehr gutes Gespräch. Ich bin sehr beeindruckt von der Art und Weise, wie er Fußball spielen lassen möchte und wie er es vermittelt. Dazu noch die Vereinsgeschichte, die Infrastruktur, die Fans, die Spiele in der Allianz Arena. Das macht den Verein unglaublich attraktiv.

Wie lange gab es schon Kontakt?

Bülow:  Es ging relativ zügig über die Bühne. Der erste Kontakt ist erst vier, fünf Tage her. Wenn Rostock nicht abgestiegen wäre, hätte ich Vertrag gehabt bis 2012. Dann wäre ein Wechsel nicht in Frage gekommen. Es gab zwar noch Kontakte zu anderen Vereinen, die sich erkundigt oder lose angefragt haben. Aber bei 1860 wurde es schnell sehr konkret. Der Trainer hat ein gutes Signal gegeben.

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Sie spielten seit 1995 bei Rostock. Wie schwer fällt es da, den Verein zu wechseln?

Bülow:  Es fällt mir sehr schwer, das muss ich ehrlich sagen. Ich habe mich in Rostock sehr sehr wohl gefühlt, das weiß auch jeder. Aber die sportliche Situation passte in der 3. Liga nicht mehr. Zudem herrscht viel Unruhe bei Vorstand, Trainer und Fans. Ich habe mir gesagt: Mit 23 musst du auch mal den Schritt gehen und was Neues kennenlernen.

Sie sprechen die Unruhe in Ihrem alten Verein an. Geht jetzt bei Hansa alles vor die Hunde?

Bülow:  Ich hoffe, sie sind bald zurück in der 2. Bundesliga. Ich bin in Rostock geboren. Der Verein, die Region, die Menschen, die Fans - das alles liegt mir sehr am Herzen. Das ist nicht nur so dahergesagt. Ich bin kein Verräter, nur weil ich den Verein wechsle. Ich muss mich einfach weiterentwickeln.

Wie frei sind Sie denn nach dem bitteren Abstieg mit Rostock für die neue Aufgabe?

Bülow:  Ich werde erst mal zwei, drei Wochen brauchen, um mich mental zu verabschieden. Aber ich freue mich auf die Aufgabe und gehe sehr zuversichtlich ran.

Bei 1860 haben Sie ja schon unterschrieben, weil Sie durch den Abstieg ablösefrei wurden. Sollte Rostock - etwa durch einen möglichen Lizenzentzug für Bielefeld - doch noch die Klasse halten, platzt dann der Wechsel?

Bülow:  Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe mich auch nicht damit beschäftigt. Ich gehe davon aus, dass Bielefeld die Lizenz bekommt. Wenn ich abgewartet hätte, hätte ich eine super Chance verschenkt. Für mich steht fest, dass ich ab Sommer ein Löwe bin.

Sie waren der einzige Spieler, der in Rostock einen eigenen Fanclub hatte. Der Fanclub von Christoph Metzelder hat sich nach seinem Wechsel zu Schalke 04 aufgelöst. Machen Sie sich Sorgen?

Bülow:  Nein. ich habe schon mit ihnen telefoniert. Sie sind jetzt schon bei 1860 als Fanclub angemeldet und werden mich weiter unterstützen, auch wenn es nicht mehr so leicht ist, ins Stadion zu kommen. Ich halte auch telefonisch Kontakt zu ihnen. Die Fans halten mir die Treue.

Ist doch schön, dann haben Sie 1860 einen neuen Fanclub eingebracht - und bringen Ihren quasi mit nach München.

Bülow:  Ja, kann man so sagen. Es sind benachteiligte Menschen von der Volkshochschule in Rostock, wo ich mich engagiert habe. Daraus ist der Fanclub entstanden. Ich werde sie auch mal besuchen gehen und mich verabschieden.

Löwen-Momente aus Sicht der Fans

Sie erhalten von Torben Hoffmann die Rückennummer 4 - die einer echten 1860-Institution und eines Lautsprechers. Sie gelten eher als ruhiger Typ.

Bülow:  Ich bin Kai Bülow. Ich will erst mal meine Arbeit machen. Auf dem Platz will ich aber auch Führungsspieler werden. Ich bin fast 24, war bei Rostock vier oder fünf Mal Kapitän. Das ist auch eine Rolle, die ich mir bei 1860 irgendwann wünsche. Ich hoffe, dass ich mir ein gutes Standing erarbeite, das geht natürlich nur über Leistung auf dem Platz und im Training.

Bei den Löwen lief vergangene Saison nicht alles rund. Wie haben Sie den Verein von außen wahrgenommen?

Bülow:  Es gab viel Verletzungspech. Lovin und Cooper sind ja lange ausgefallen. Platz 8 war dann doch noch ein guter Saisonabschluss. 1860 hat seit fünf, sechs Jahren immer wieder das Ziel, oben anzugreifen. Das ist auch das, was ich gerne für mich beanspruchen werde und wobei ich gerne helfen möchte. Die Bundesliga ist mein Traum. Wenn man einmal in der Liga gespielt hat, fällt es schwer, nicht mehr da zu spielen. Es ist mein Ziel, mit 1860 wieder da hinzukommen.

Ewald Lienen war ja auch mal in Rostock. Kennen Sie ihn von dort aus noch?

Bülow:  Nein, damals war ich vielleicht elf Jahre alt. Aber ich habe viel Gutes über ihn gehört, auch von Andreas Zachhuber, der ja mal sein Co-Trainer war und mein Coach in Rostock.

Wie nutzen Sie nun den Urlaub? Wann ziehen Sie nach München?

Bülow:  Das steht noch nicht fest. Meine Freundin Antje studiert Medizin in Lübeck. Sie würde gerne mitkommen. Wir versuchen nun, für sie an der TU einen Studienplatz zu bekommen, was nicht so einfach ist. Der Verein hat mir zugesichert, mir dabei zu helfen. Das ist mir auch sehr wichtig.

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Erwarten Sie als gebürtiger Rostocker einen kleinen Kulturschock in München?

Bülow:  Nein. Ich war schon öfter in München. Die Stadt gefällt mir sehr, sehr gut. Es ist natürlich eine andere Welt als in Rostock, die Mentalität ist anders. Aber was die Stadt zu bieten hat, ist toll, auch die Nähe zu den Bergen. In München kann man sich bestimmt sehr wohl fühlen.

Was wissen Sie denn schon über Ihren neuen Verein?

Bülow:  Man muss sich nicht groß informieren, um zu wissen, welche Farbe man meiden sollte. In den nächsten Tagen werde ich mich noch näher mit der Geschichte und den Details des Vereins beschäftigen. Ich werde alles aufarbeiten.

Interview: Armin Linder

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