Wiedersehen mit dem Ex-Trainer

Funkel im tz-Interview: Bei Sechzig „paradiesische Zustände“

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Hat derzeit keine Abstiegssorgen: Friedhelm Funkel erwartet am Freitag mit Fortuna Düsseldorf die Löwen.

München - Vor knapp drei Jahren musste Friedhelm Funkel bei den Löwen gehen. Jetzt gibt es ein Wiedersehen. Vorher schaut der Ex-Trainer im Interview zurück auf seine Zeit in Giesing.

Nach der Länderspielpause kommt es für die Löwen zum Wiedersehen mit Friedhelm Funkel. Am Freitag (18:30 Uhr, hier im Live-Ticker) gastiert Sechzig bei Fortuna Düsseldorf, dem Klub des Ex-Trainers. Wir haben vor dem Aufeinandertreffen mit dem Routinier gesprochen.

Herr Funkel, die Fortuna liegt auf Platz acht, mit komfortablen zehn Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone. Wie entspannt gehen Sie ins Freitags-Duell mit den Löwen?

Funkel: Wir sind überhaupt nicht entspannt, sondern ex­trem hellhörig. Die Mannschaft hat das letzte Jahr nicht vergessen. Drei Niederlagen in einer Englischen Woche - plötzlich hieß es Überlebenskampf! Das war auch der Grund, warum ich als Trainer geholt worden bin.

Unter Ihrer Regie wurde nicht nur der Abstieg vermieden, sondern auch der Abwärtstrend der letzten drei Jahre gestoppt. Wird das in Düsseldorf entsprechend gewürdigt?

Funkel: Ja, ich spüre das Vertrauen in unsere Arbeit. Nicht nur vom Vorstand, sondern auch von den Fans. Wir haben in dieser Saison erst drei Heimspiele gewonnen, trotzdem gab es nie Pfiffe. Die Leute honorieren, dass wir hier mit jungen deutschen Spielern was aufbauen. Und so ein Umbruch geht nun mal nicht ohne Rückschläge. Wir hatten eine Serie von neun Spielen ohne Sieg und fast ohne Tore, aber das wird unserer Mannschaft verziehen. Auch weil unser Fußball offensiv ausgerichtet ist.

Bei 1860 war Vertrauen meist nur ein Lippenbekenntnis. Ihre Nachfolger in München hatten es noch schwerer als Sie.

Funkel: Ja, im Rückblick hatte ich direkt paradiesische Zustände! Auch der Umgang mit der Presse war eigentlich immer res­pektvoll. Jetzt ist der Klub ja extrem dünnhäutig geworden. Für mich war’s eine geile Zeit in München und 1860 ist ja auch ein toller Verein. Schade nur, dass man meinen Weg nicht mitgehen wollte. Ich habe Weigl, Wolf und Wittek zu den Profis hochgeholt und hatte für die nächste Saison noch einige junge Spieler mehr an der Angel. Aber das wollte der Investor nicht. Der wollte eine Multikulti-Truppe, und die hat er dann ja auch bekommen. Fakt ist: Mit diesem neuen Weg sind sie bei 1860 Jahr für Jahr weiter nach unten gerutscht. Es wurde sehr viel Geld für Mittelmaß verschleudert.

Vergangenheit: Friedhelm Funkel trainierte bis vor knapp drei Jahren die Blauen.

Mit Vitor Pereira soll’s nächstes Jahr Richtung Spitze gehen. Ein realistisches Ziel in Ihren Augen?

Funkel: Der Trainer muss gut sein, er hat schließlich schon einige Meisterschaften gewonnen. Die Spieler, die er zu 1860 geholt hat, sind auch gut. Wenn das im Sommer so weitergeht und das Ismaik-Geld vernünftig eingesetzt wird, dann ist vieles möglich. Aber man muss natürlich auch sehen, wie sich das sprachlich verträgt, ob da ein Teamgeist entstehen kann. Und wie groß die Identifikation noch ist. Viele deutsche Spieler wird’s wahrscheinlich nicht mehr geben.

Vor Spiel in Düsseldorf: Diese Bilanz macht den Löwen Mut

Was halten Sie von Geheimtraining?

Funkel: Nicht viel. Vielleicht bringt es bei Standards ein bisschen was, aber für mich ist das Quatsch. Jedes Spiel wird bis ins Detail analysiert, so viel Geheimes gibt’s im Fußball doch gar nicht mehr, als dass man jetzt die Jalousien komplett runterlassen müsste. Aber gut, das muss jeder Trainer für sich selbst entscheiden.

Stimmt es, dass Sie 2018 einen Schlussstrich unter Ihre Trainerlaufbahn ziehen wollen?

Funkel: Nein, das habe ich so nie gesagt. Ich habe nur gesagt, dass ich meine Laufbahn bei Fortuna Düsseldorf beenden möchte. Und dazu stehe ich. Mir macht es unheimlich viel Spaß, jeden Tag zum Training zu kommen. Ich sehe, dass hier was entsteht. Wenn hier mal Schluss sein wird für mich, dann will ich ein bestelltes Feld hinterlassen. Fortuna ist so ein geiler Klub mit solch tollen Fans, die haben das verdient.

Klubpolitisch ist allerdings nicht alles so harmonisch. Zuletzt beklagte sich Vorstandschef Robert Schäfer über gezielte Indiskretionen in der Geschäftsstelle.

Funkel: Ja, das ist bedauerlich, aber nicht meine Baustelle. Ich kann hier völlig in Ruhe arbeiten. Das Einzige, was mich nervt, sind die vielen Freitagsspiele zu Hause. Das kostet uns Zuschauer. Wir haben uns bei der DFL schon über die Ansetzungen beschwert, aber keine präzise Antwort bekommen.

Ihr Stürmer Rouwen Hennings wird gegen seinen Lieblingsgegner 1860 keine große Motivation von den Rängen brauchen.

Funkel: Rouwen ist ein toller Typ, den wir gerne über die Saison hinaus behalten würden. Motiviert ist der immer. Und dass er gegen 1860 gerne trifft, das hab ich auch schon zu spüren bekommen. Das 3:0 des KSC in München mit seinem Dreierpack war mein letztes Spiel als Löwen-Trainer. Müsste ziemlich genau drei Jahre her sein jetzt.

Ein Moment. 6. April 2014!

Funkel: Na, da seh’n Se mal.

Was erwarten Sie für Freitag?

Funkel: Die Sechziger sind besser geworden und schwer zu bespielen in ihrem 3-4-3 oder 5-2-3. Ich erwarte ein temporeiches Spiel und bin mir ziemlich sicher, dass Tore fallen werden. Hoffentlich eins mehr für uns.

Interview: Ludwig Krammer

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