Investoren: So läuft's bei anderen Vereinen

München - Das Wort „Investor“: Es klingt für die eine Hälfte der Löwen-Fans nach Erlösung, für die andere Hälfte nach Teufelspakt. Wir stellen spannende Fallstudien aus der Bundesliga vor.

Es ist die Quadratur des Mittelkreises. Wir reden über den Fußball. Emotionen bis zum Anschlag bei den Fans. Und gleichzeitig, im Kern des Geschehens, an den Geschäftsstellen der Vereine: die kühle Welt der Konten. Investoren geben Geld – und erwarten, dass Geld zurückkommt. Das ist der Rahmen, in dem sich auch der TSV 1860 bewegt. Das Wort „Investor“: Es klingt für die eine Hälfte der Löwen-Fans nach Erlösung, für die andere Hälfte nach Teufelspakt.

Die Bundesliga hat spannende Fallstudien parat – obwohl Deutschland eigentlich ein gemäßigter Markt ist. Finanz-Cowboys sind nicht erwünscht. Die DFL-Satzung beschränkt den Einfluss von Investoren. Demnach muss mehr als die Hälfte der Anteile im Besitz des Stammvereins bleiben (50+1-Regel). Trotzdem: Die Geldgeber sind da – und sie wollen mitreden.

Die 20 umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt

Platz 20: Aston Villa 109,4 Millionen Euro © Getty
Platz 19: VfB Stuttgart 114,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 18: AS Rom 122,7 Millionen Euro © Getty
Platz 17: Atlético de Madrid 124,5 Millionen Euro © Getty
Platz 16: FC Schalke 04 139,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 15: Olympique Marseille 141,1 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 14: Olympique Lyon 146,1 Millionen Euro © Getty
Platz 13: Hamburger SV 146,2 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 12: Tottenham Hotspur 146,3 Millionen Euro © Getty
Platz 11: Manchester City 152,8 Millionen Euro © Getty
Platz 10: Juventus Turin 205,0 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 9: Inter Mailand 224,8 Millionen Euro © Getty
Platz 8: FC Liverpool 225,3 Millionen Euro © Getty
Platz 7: AC Mailand 235,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 6: Chelsea London 255,9 Millionen Euro © Getty
Platz 5: Arsenal London 274,1 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 4: FC Bayern München 323,0 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 3: Manchester United 349,8 Millionen Euro © Getty
Die umsatzstärksten Fußball-Klubs der Welt
Platz 2: FC Barcelona 398,1 Millionen Euro © Getty
Platz 1: Real Madrid 438,6 Millionen Euro © Getty

Zum Beispiel in Hoffenheim, wo SAP-Milliardär Dietmar Hopp als großer Geldgeber im Hintergrund steht. Er hat bisher schon über 200 Millionen Euro in den Klub gesteckt. Als es zuletzt darum ging, dass sich die TSG von Trainer Ralf Rangnick trennt, hat Hopp wesentlich mitgeredet. Gleiches gilt für Spielereinkäufe. Hopp selber sagte mal gegenüber dem Spiegel: „Ich habe in der Spielbetriebs-GmbH eine stille Beteiligung. Ich halte 49 Prozent, der Klub 51 – mehr erlaubt mir die Regel der Deutschen Fußball Liga nicht. Für Stadion und Trainingszentrum muss der Verein an mich Miete zahlen, eine angemessene Miete.“

Eine deutlich stärkere Beteiligung gibt’s bei Bayer Leverkusen. Es ist (neben Wolfsburg mit VW) die einzige Ausnahme von der 50+1-Regel. Das ist in Sonderfällen erlaubt – nämlich, wenn ein Unternehmen einen Klub schon seit mehr als 20 Jahren gefördert hat. Die Bayer-AG hält 100 Prozent der Anteile der Fußball-GmbH, kann damit auch alle Entscheidungen treffen.

Anders ist die Konstellation bei RB Leipzig. Da ist der Getränke-Riese Red Bull erst seit gut zwei Jahren am Ball. Proteste in der Fan-Szene – aber auch Freude in der Region über den Bau eines Trainingszentrums für 30 Millionen Euro. Ein früherer Versuch von Red Bull, bei Sachsen Leipzig einzusteigen, war gescheitert. Der DFB hatte Bedenken, dass der Klub zu sehr vom Geldgeber gesteuert werden könnte. Dieses DFB-Veto gilt bis runter in die vierte Liga. Also stieg Red Bull beim SSV Markranstädt ein, in der fünften Liga. Jetzt gehört der Klub zu einer ganzen Fußball-Familie (mit New York und Salzburg).

Geringer als von Skeptikern befürchtet ist derweil der Geldgeber-Einfluss auf Schalke ausgefallen. Gazprom ist mit 100 Millionen Euro für fünf Jahre dabei, alle hatten Abramowitsch im Hinterkopf – aber Gazprom tritt eher als klassischer Sponsor auf. Revier-Rivale Dortmund setzt derweil auf direkte Fan-Beteiligung. An der Börse kann man Aktien kaufen – allerdings, ohne dadurch Mitspracherecht zu erwerben (weil KGaA und nicht AG). Der Kurs verfiel übrigens von 11 Euro auf 2,73 Euro.

Der FC Bayern macht’s anders. Hoeneß & Co. setzen auf wenige große Geldgeber. Konkret heißt das: adidas und Audi halten jeweils knapp unter zehn Prozent der Anteile. Die Bosse Herbert Hainer und Rupert Stadler haben Sitze im Bayern-Aufsichtsrat.

Uli Heichele

Wenn das Geld das Sagen hat

Der Klub: Das bin ich… In Deutschland funktioniert dieser Spruch nicht (50+1-Regel, siehe oben) – in anderen Ligen sehr wohl. Vor allem: in England. Da ist es erlaubt, dass Firmen oder Privatpersonen die Mehrheit an Vereinen übernehmen. Den Anfang hat der russische Öl-Milliardär Roman Abramowitsch gemacht, der sich zu seinem Privatvergnügen den FC Chelsea kaufte.

Acht Jahre ist das mittlerweile her. Abramowitsch investierte seitdem rund 600 Millionen Euro in neue Spieler. Die Erkenntnis: Geld schießt zwar Tore, garantiert aber keine großen Titel. Chelsea schaffte es trotz Marktmacht nicht, die Champions League zu gewinnen. Ebenfalls fest in der Hand des Großkapitals: Liga-Konkurrent Manchester City. Dort hält Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi die Mehrheit. Wie viel persönlichen Anteil er am sportlichen Geschehen nimmt? Sagen wir mal so: Rund zwei Jahre, nachdem er sich den Verein gekauft hat, sah sich der Scheich zum ersten Mal ein ManCity-Spiel live im Stadion an…

Richtig heftig kocht das Thema beim Stadtrivalen Manchester United. Nachdem der Klub vor ein paar Jahren in den Privatbesitz der Familie Glazer überging, gründeten verärgerte Fans ihren eigenen Verein …

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © dpa

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