Nicht alle spielen mit bei der Sanierung

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Daniel Bierofka (l.) zeigt sich fassungslos

München - Sogar Löwenstüberl-Wirtin Christl Estermann schien mitzumachen: Der Sonntag war ein Trauertag beim TSV 1860 München.

Die Wirtin ließ ihr Löwenstüberl am Sonntag zu, eigentlich eine ungewöhnliche Maßnahme an Tagen, an denen die erste Mannschaft trainiert. So machten es sich die wenigen Gäste draußen auf den Bierbänken bequem. Im Mittelpunkt sechs Jugendliche, die offenbar die Nacht durchgemacht hatten, unter lautem Gegröle an der Grünwalder Straße ihre letzten Bierdosen vernichteten und die Übungen der Spieler hämisch kommentierten. Als die ersten dann auch noch den Platz betraten und dort weiterkrakeelen und -trinken wollten, schritt Pressesprecherin Lil Zercher ein und jagte sie von der Wiese. Das Afterspeib’n sollte dort nun nicht auch noch stattfinden, den Löwen war schon übel genug… Auch noch einen Tag nach dem 1:3 gegen den VfL Bochum, der zweiten Heim-pleite hintereinander. Denn so ein Samstag war im Sanierungsplan nun wirklich nicht vorgesehen.

Bilder und Einzelkritik zur 1860-Schlappe: Dreimal Note 5

Der TSV 1860 hat einen Fehlstart ins neue Jahr hingelegt und gegen den VfL Bochum mit 1:3 verloren. © dpa
Schlüsselszene kurz vor der Halbzeit: Schiedsrichter Welz schickte Bülow mit einer Roten Karte vom Feld und entschied auf Strafstoß. © dpa
Kurz danach der Jubel. © dpa
Denn dieser Mann hatte getroffen. © dpa
Zlatko Dedic © dpa
Die Schiedsrichter-Entscheidung war höchst umstritten. © dpa
Das sieht man an Kiralys Verhalten. Auch Coach Reiner Maurer zeigte sich sauer - und wurde nach der Halbzeit von Schiedsrichter Welz auf die Tribüne geschickt. © dpa
Die Löwen steckten nicht auf. © dpa
Benny Lauth erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. © dpa
Doch Aydin und später Dabrowski machten alles klar für Bochum. © dpa
Endstand: 1:3 gegen die Löwen - klicken Sie sich nun durch die Noten. © dpa
Kiraly: Dreimal ernsthaft geprüft, dreimal auf dem Posten. Beim vierten Mal, beim Schuss von Aydin, patzte der Ungar. Bitter. Note: 4 © dpa
Rukavina: Solide, konzentrierte Partie des Serben, aber nach vorne muss man von einem Nationalspieler einfach mehr erwarten dürfen. Vor allem mehr Präzision. Note: 4 © dpa
Bell: Lange souverän, Spitzenpass auf Lauth zum 1:1. Dann patzte er vor dem 1:2 und 1:3. Note: 4 © sampics
Bülow: Abgeklärt, weitgehend stellungssicher. Dann kam kurz vor der Pause die Situation, die zum Elfmeter und zum Platzverweis führte. Bülow wird den Löwen fehlen. Note: 4 © dpa
Buck: Sehr engagiert auf links, aber nicht immer sicher im Passspiel. Note: 4 © dpa
Ignjovski: Dem kampfstarken Serben war die jüngste Verletzungspause deutlich anzumerken. Fand nicht ins Spiel. Zur Pause raus. Note: 5 © dpa
ab 46.: Ghvinianidze: Mal wieder ein Einsatz für den Partylöwen. Grund zum Feiern hatte er nach diesem Spiel nicht. Note: 4 © dpa
Lovin: Licht und Schatten beim dürren Serben. Eine Führungsfigur ist er in dieser Form sicher nicht. Note: 4 © dpa
Aigner: Die fehlende Spielpraxis konnte "Aiges" nicht kaschieren. Zahlreiche Fehlpässe. Das kann nur besser werden. Note: 5 © dpa
ab 63.: Volland: o.B. © dpa
Bierofka: Engagiert wie immer, aber meist nur zweiter Sieger in den Zweikämpfen. Immerhin eine guter Torschuss. Note: 4 © dpa
Ludwig: Bemerkenswerter Aufwand, überschaubarer Effekt. Note: 4 © dpa
ab 55.: Rakic: Der Serbe gibt womöglich sein Bestes, das langt leider nicht für gehobenes Zweitliganiveau. Note: 5 © dpa
Lauth: Kaum brauchbare Anspiele, der Stürmer konnte einem leid tun. Das Tor machte er in Klassemanier. Note: 3 © dpa

Alle hatten sie mitgemacht: die Banken, der FC Bayern, die Spieler, die Angestellten, nur einer nicht: der Schiedsrichter. Und entsprechend groß war die Wut auf Herrn Welz, der in der 44. Minute nicht nur eine lächerliche Elfmeterentscheidung gegen 1860 getroffen, sondern auch noch Kai Bülow wegen angeblicher Notbremse vom Platz gestellt hatte. „Der Mann war ja völlig überfordert“, schimpfte Benny Lauth. „Wenn dir solche Hindernisse im Weg stehen, sind die nur schwer zu überwinden.“

Klar, die Löwen hatten bis dahin keine gute Leistung gezeigt, „und einige auch nicht hundert Prozent gebracht“, wie Trainer Reiner Maurer hinterher feststellte, aber es war halt doch die Vorentscheidung zugunsten der Bochumer. „Auch wenn wir in Unterzahl nach der Pause noch mal super ins Spiel gekommen sind“, sagte Benny Lauth, der mit einer technischen Bravourleistung den Ausgleich erzielt hatte. Dann aber wollten die Löwen zu viel. „Wir sind in einen Konter gelaufen, und das darf dir mit einem Mann weniger einfach nicht passieren“, sagte Daniel Bierofka. Lauths Erklärung: „Wir waren halt so heiß und wollten noch gewinnen.“

Aber auch für das 1:2 gab’s Gründe. Stefan Bell war bei seinem Rettungsversuch schon schwer angeschlagen, und Gabor Király haute sich nach Aydins Schuss den Ball selbst ins Tor. „Unhaltbar war er nicht“, meinte Maurer.

Eine Spannung, auf die man gern verzichten würde. Denn die Herren Schneider und Schäfer haben vieles in ihrem Sanierungsplan berücksichtigt. Einen Abstieg in die dritte Liga unseres Wissens aber dann doch nicht…

Claudius Mayer

Das Sparbuch des TSV 1860

Geschäftsführer Robert Schäfer hat eine denkbar schwere Aufgabe zu lösen: Er muss die Löwen möglichst schnell gesundsparen, ehe ihnen von der DFL weitere Punkte oder gar die Lizenz entzogen wird. © sampics
Schäfer ging zum Amtsantritt gleich mit gutem Beispiel voran und kürzte das eigene Gehalt um 20 Prozent. Wir zeigen, wo die Löwen im vergangenen Jahr den Rotstift ansetzten. Sogar mit Schampus wird gespart ... © sampics
Schäfers Vor-Vorgänger Manfred Stoffers (l.) hatte es mit einem Finanzkonstrukt, der Löwen-Anleihe, versucht. Mehrere Millionen Euro sollten die Fans dem Verein für fünf Jahre zur Verfügung stellen, dafür sechs Prozent Zinsen pro Jahr kassieren und sich derweil eine Schmuckurkunde an die Wand hängen können. Stand Mitte Dezember wurde laut "Bild" nicht mal eine Million Euro erzielt. © sampics
In der vergangenen Saison wurden unter Stoffers die Dauerkarten zwar teurer, aber dafür mit Geld-zurück-Garantie ausgegeben. Sollten die Löwen am Saisonende auf Platz zehn oder darunter landen, erhalten Jahreskarten-Käufer fünf Prozent des Ticketpreises zurück. Die Löwen wurden Achter und sparten sich eine Stange Geld. © sampics
Kommen wir zum personellen Aderlass: Teammanager und Pressesprecher Robert Hettich musste im Dezember 2010 seine Sachen packen. Der Posten des Teammanagers wurde nicht nachbesetzt, die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt. Lil Zercher, die als Praktikantin bei den Löwen begann, stieg zur Pressesprecherin auf. © sampics
Finanz-Controller Wolfgang Blumenröder, der von Ex-Geschäftsführer Robert Niemann engagiert worden war, erhielt während der Probezeit die Kündigung. „Das stimmt“, sagte Blumenröder, „ich bin jetzt Ex-Controller…“ © dpa
Ewald Lienen und Co-Trainer Abder Ramdane verließen die Löwen im Sommer 2010, um Olympiakos Piräus trainieren zu dürfen. Zähneknirschend erteilten die Löwen dem Trainer die Freigabe. Ob und wieviel Geld dabei als Entschädigung geflossen ist, bleibt unklar. © dpa
Sicher ist: Mit Reiner Maurer kam ein vergleichsweise preiswerter Ersatz. © sampics
Lienen lotste auch José Holebas zu Piräus. "Für uns ist der Transfer wirtschaftlich sinnvoll", erklärte Löwen-Sportdirektor Miki Stevic damals. © sampics
Lienens Griechenland-Intermezzo endete zwar schon nach zwei Monaten, er heuerte danach aber bei Arminia Bielefeld an. Dorthin holte er für die Rückrunde zwei weitere Löwen: Sandro Kaiser ... © sampics
... und Eke Uzoma. Beide sind somit bis auf Weiteres von der Löwen-Gehaltsliste. © sampics
Auf der schlug auch Savio Nsereko Anfang der Saison voll zu Buche. Doch Savio glänzte mehr mit Abwesenheit, denn mit tollen Aktionen. Nachdem er sich wochenlang nicht gemeldet hat, wurde ihm gekündigt. © dpa
Aleks Ignjovski ist noch da, hat aber einen Vorvertrag beim AC Florenz unterschrieben, der allerdings nichtig wird, sofern ein anderer Verein mehr bietet. © sampics
Moritz Leitner wurde für eine Million Euro an Borussia Dortmund verkauft, sollte aber ursprünglich auf Leihbasis bis zum Start der Saison 2010/11 bei den Löwen bleiben. Nur sparen sich die Löwen auch das Rückrundengehalt des Youngsters, der lieber für den FC Augsburg spielt. © sampics
Juan Barros (l.) wurde in der Winterpause wieder weggeschickt, weil er sich nicht durchsetzen konnte. Gehalt gespart! © sampics
Peniel Mlapa wurde im vergangenen Sommer für kolportierte 1,3 Millionen Euro zur TSG Hoffenheim geschickt. Wieder war ein Stück Tafelsilber futsch. © Getty
Alle verbliebenen Spieler sollten eine zehnprozentige Kürzung ihres Gehalts hinnehmen. Daniel Bierofka (links) ging mit gutem Beispiel voran und akzeptierte die Sparmaßnahme als einer der Ersten. © sampics
Wie die tz herausfand, sollte es für Spieler, deren Vertrag am Saisonende ausläuft, noch dicker kommen. Unter anderem haben Gabor Kiraly, Benjamin Lauth (r.) und Daniel Bierofka (M.) eine Verlängerung zur Hälfte der bisherigen Bezüge angeboten bekommen. Haken daran: Die neuen Verträge sollten bereits ab Januar gelten. Diese Idee wurde von der Vereinsführung aber wieder verworfen. © Getty
Insgesamt rund zwei Millionen Euro hat Immobilienhändler Nicolai Schwarzer aus Berlin seit Anfang 2009 in die Löwen gesteckt – als Darlehen und als Investment in die Löwen Sportrechte Vermarktungs GmbH (LSV). Zuletzt überwies er Ende Oktober einen sechsstelligen Betrag nach München, um die Löwen und seine Einlage vor dem Insolvenzverwalter zu retten. „Ich habe 'ne Menge Kapital drin bei 1860 und bin daran interessiert, dass ich das Geld möglichst mit Rendite zurückbekomme“, sagte Schwarzer zur tz. © fkn
Zu den Auswärtsspielen geht's bei weiten Strecken fortan mit dem Bus statt mit dem Flugzeug. © sampics
Auch das Wintertrainingslager musste leider ausfallen. Reiner Maurer sagte in der "Sport Bild", dass die Planungen für ein Trainingslager in der Türkei bereits weit fortgeschritten waren und das Hotel günstig gewesen wäre. Trotzdem: gestrichen! © sampics
Am 30. November richteten die Löwen einen Comedyabend in der Muffathalle aus. Die nicht ganz billigen Karten dafür gingen weg wie die warmen Semmeln. Präsident Rainer Beeck scherzte bereits, dass die Löwen künftig öfter kulturelle Veranstaltungen bieten sollten ... © al.
Die teuren Mietpflanzen an der Grünwalder Straße wurden abbestellt. Kostenpunkt laut "Kicker": 50.000 Euro. © sampics
Vor den Auswärtsspielen wie gegen Ingolstadt wird, sofern möglich, kein Teamhotel mehr bezogen. © sampics
Auch die Weihnachtsfeier im großen Kreis fiel diesmal aus. © sampics
Mate Ghvinianidze (r.) spülte mit seinem Schampus-Umtrunk am Tag vor dem Laktattest Geld in die Kassen der Löwen. Miki Stevic sagte dazu süffisant: „Eine kleine Flasche hätte nicht so viel gekostet, aber auf den Fotos habe ich Mate mit einer Magnumflasche gesehen – und Magnum ist halt immer teurer. Mal ganz abgesehen von Mates Dekoration…“ © Partygaenger.de
Auch Emanuel Biancucchi muss für seine eigenmächtige Urlaubsverlängerung einen Obulus in die Löwen-Kasse entrichten. © sampics
Nicht zu vergessen ist der Mietnachlass, den der FC Bayern den Löwen gibt. Um welche Summen es sich dabei exakt handelt, bleibt wohl ein rot-blaues Betriebsgeheimnis. © Getty
Daniel Bierofka (r.) bleibt den Löwen zu verringerten Bezügen treu. Er verlängerte bis 2013. „Daniel hat mit seiner Vertragsverlängerung einen substantiellen Beitrag für die Sanierung geleistet und damit große Solidarität gezeigt", dankt Robert Schäfer. © sampics
Kevin Volland wechselt zu 1899 Hoffenheim, bleibt den Löwen aber auf Leihbasis eineinhab Jahre treu. Nach tz-Informationen bringt der Deal den Löwen 700.000 Euro Ablöse. © sampics
Kenny Cooper geht zurück in die USA, spielt zukünftig für Portland. Die Löwen sparen eine Menge Gehalt. © sampics
Ende Januar drückte Trainer Reiner Maurer allen Spielern eine Schneeschaufel in die Hand - Räumdienst gespart! „Das ist doch eine ­gute Teambuildungsmaßnahme, die noch dazu nichts kostet“, sagte Maurer. © TSV 1860
Mathieu Béda
Mathieu Béda stand schon seit geraumer Zeit auf der Löwen-Transferliste. Pünktlich zum Transferschluss wurden die Löwen den Großverdiener an den FC Zürich los. © sampics
Mate Ghvinianidze: Der Wechsel des Innenverteidigers in die Ukraine zum PFK Sevastopol dürfte einiges an Geld in die Kassen gespült haben. Wieviel? Das bleibt geheim. © sampics
Gabor Király hat seinen Vertrag verlängert - und dabei offenbar auch auf Geld verzichtet. Wie groß der Gehaltsverzicht gegenüber dem alten Kontrakt ausfällt, wurde nicht bekanntgegeben. Der 34-Jährige selbst erklärt, dass es von beiden Seiten ein Entgegenkommen gab. "Wir haben eine Lösung gefunden, die für den Verein und für mich zufriedenstellend ist", so Király. "Dabei haben wir uns in der goldenen Mitte getroffen." © dpa
Kushtrim Lushtaku wechselte am 2. März zu Örebro SK nach Schweden - er war zwar kein Großverdiener. Aber immerhin sparen die Löwen sein Gehalt © sampics

Quelle: tz

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