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Der Löwen-Schreck vom Bankschalter

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Löwen-Schreck Marco Vorbeck ließ am 9. September 2005 Dynamo Dresden in der Allianz Arena jubeln. © dpa

München - Marco Vorbeck schrieb Geschichte, als er 2005 mit Dresden das erste Spiel in der Arena gewann – vor 66 000 Zuschauern. Am Sonntag kommt es zur Neuauflage Löwen gegen Dresden.

Der Löwen-Schreck der ersten Arena-Tage trägt heute Sakko und Schlips statt kurze Hosen.

Marco Vorbeck, 30, damals Fußballprofi bei Dynamo Dresden, heute Banklehrling in der Sparkassen-Zweigstelle Thansau (Landkreis Rosenheim), hatte sich am 9. September 2005 überregional einen Namen gemacht, als er dem TSV 1860 die erste Niederlage in dem kurz zuvor eingeweihten Fußballtempel beibrachte (der damals noch zur Hälfte Sechzig gehörte). 66 000 Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Haus, allerdings trug jeder Dritte die Farben Dynamo Dresdens – und hatte dank Vorbeck was zu feiern. „Sowas möchte ich nicht noch mal erleben“, sagt Reiner Maurer, damals wie heute Trainer des TSV 1860. Vor der Neuauflage am Sonntag, zu der immerhin 35 000 erwartet werden, denkt der Coach mit Grausen an den Stimmungskiller von einst.

„Das erste war ein kleines Solo von mir, das zweite ein Kopfball“, schildert der frühere U 21-Nationalspieler seine beiden Tore. Insgesamt empfand er Dresdens 2:1-Sieg als „sehr glücklich, denn die Löwen hatten Riesenchancen zur Führung, und mein erster Treffer war jetzt nicht unbedingt herausgespielt“. Umso ärgerlicher für die gut gestarteten Löwen (zwei Siege, ein Unentschieden), denen durch Vorbecks Doppelpack der fest eingeplante Sprung an die Tabellenspitze versagt blieb.

Für das Sturmtalent, ausgebildet bei Traktor Kröpelin in Mecklenburg, später 38 Mal für Rostock in der Bundesliga eingesetzt, war es der größte Tag seiner Karriere. Er sagt, dass er „heute noch oft auf dieses Spiel angesprochen“ wird. „Ab und zu“ schaue er es auch auf DVD an, nachdem ihm ein Fan einen Zusammenschnitt seiner Heldentaten geschenkt hat. Die Motivation sei damals riesig gewesen im Dynamo-Lager, „denn wenn man das erste Mal in einem nagelneuen Stadion gewinnt, schreibt man natürlich Geschichte“.

Am eindrücklichsten war aber auch für ihn die Kulisse, die von der Farbgebung an die berüchtigte Dortmunder Südtribüne erinnerte: Alles Gelb-Schwarz. „Die Stimmung war brutal gut. So was ist man auswärts schließlich nicht gewohnt.“ Allerdings, sagt Vorbeck: „Mir ist es gar nicht so recht, immer auf dieses eine Spiel reduziert zu werden. Ich weiß nämlich auch noch, was danach kam.“ In den darauffolgenden 17 Partien holte Dresden keinen Sieg mehr (das klappte erst wieder am 21. Spieltag, ebenfalls gegen 1860), stieg am Ende sogar ab. Und auch für Vorbeck kam der Karriereknick. Wechsel zum FC Augsburg, immer wieder Bänderrisse. „Zum Schluss wollten die mich nur loswerden.“

Bevor er 2010 nach Rosenheim in die Bayernliga wechselte, bestritt er sogar noch ein Probetraining bei 1860 – zu seinem Leidwesen nur mit einem Teilerfolg. „Ewald Lienen wollte mich, ich hätte nur in der Rückrunde Spielpraxis bei der U 23 sammeln sollen. Aber der Manager (damals Miki Stevic) wollte dann diesen anderen Stürmer.“ Djordje Rakic sein Name.

Obwohl erst knapp 30, zog Vorbeck Anfang des Jahres einen Schlussstrich unter seine Profilaufbahn. Freundin und „Arbeitsmarktsituation in Mecklenburg“ haben ihn in Bayern gehalten. Heute kickt er nur noch nebenbei – beim FC Halfing in der Kreisklasse 1, Inn-Salzach-Kreis.

Priorität hat aber die Trainerausbildung. Am Sonntag, wenn 1860 gegen Dynamo nach Revanche trachtet, muss Vorbeck mit Halfings B-Jugend ran, dort ist er Co-Trainer. Das Spiel der „Ersten“ beim SV 1950 Pang verpasst er gleich aus zwei Gründen: „Samstag ist Eignungsprüfung für den D-Schein. Außerdem hab ich einen Bänderriss.“ Es mag Zufall sein, aber so richtig glücklich ist er im Fußball nicht mehr geworden, seit er die Löwen vor sechs Jahren geärgert hat.

Uli Kellner

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