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Jubilar Köllner: „Für mich etwas Besonderes, fürs 60er-Volk eine kleine Randnotiz“

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Von: Uli Kellner

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Einer seiner großen Siege: Michael Köllner bejubelt den späten 2:1-Sieg gegen Kaiserslautern.
Einer seiner großen Siege: Michael Köllner bejubelt den späten 2:1-Sieg gegen Kaiserslautern. © Imago

In Berlin wird Michael Köllner zum 101. Mal als Cheftrainer ein 1860-Spiel leiten. In seinen ersten 100 Spielen war einiges geboten, wie unsere Übersicht zeigt.

„Für mich etwas Besonderes, fürs 60er-Volk eine kleine Randnotiz.“ Mit diesem abgewandelten Neil-Armstrong-Zitat kommentierte Michael Köllner den Umstand, dass er vor einer Woche gegen Verl (2:0) zum 100. Mal bei einem Pflichtspiel des TSV 1860 an der Seitenlinie gestanden ist. Sein 101. Mal folgt an diesem Freitag in Berlin – und Köllner sagt angriffslustig: „Wir sind gut drauf und wollen unseren Lauf fortsetzen. Der Abschluss nach oben ist jetzt da.“ Mit oben ist in diesem Fall die erweiterte Aufstiegsregion gemeint, nicht der Mond wie bei US-Astronaut Armstrong vor 53 Jahren.

Um im Bild zu bleiben: Köllner greift mit 1860 nach den Sternen. Erlebt hat er in den zwei Jahren und vier Monaten seiner bisherigen Amtszeit einiges, Schönes und Schauriges, Emotionales, Wildes, Dramatisches, Ärgerliches. Wir blicken zurück auf die Top- und Flop-Erlebnisse des früheren Nürnberger Aufstiegstrainers.

Das Premierenspiel

Härter kann es einen zum Einstand nicht erwischen. Köllner trat das Erbe der zurückgetretenen Vereinsikone Daniel Bierofka an, hatte den Angstgegner von der Säbener Straße vor der Brust – und sammelte am 24. November 2019 gleich mal Pluspunkte beim „60er-Volk“: 1:1 gegen Bayern II – nach unglücklichem Rückstand per Strafstoß und verdientem Stocher-Ausgleich durch Dressel.

Seine höchsten Siege

Sixpacks erfreuen sich im Arbeiterviertel Giesing größter Beliebtheit – passend dazu schenkten die Löwen Halle (6:1 im Corona-Herbst 2020) und Freiburg II (6:0, Hinrunde) sechsmal ein. Auch Waldhof musste leiden: 5:0 siegten die Löwen am Vorabend des dritten Advent 2020.

Die beste Dramaturgie

Emotionale und wilde Spiele gab es einige unter Köllner. Unvergessen sind diverse 3:2-Siege. Einer in Haching mit spätem Mölders-Traumtor (Köllners zweites Spiel). Zwei gegen Duisburg, einmal mit aufgeholtem 0:2-Rückstand (Mai 2020), einmal mit wechselnden Führungen, getroffenem und vergebenem Steinhart-Elfer (Hinrunde). Auch das 3:2 (nach 0:2) gegen Wehen zum Start ins Jahr 2022 blieb hängen. Nach zwei frühen Gegentoren musste der „Geist von Belek“ (Vize Hans Sitzberger) eingreifen. Aber: Getoppt wird all das vom 4:3-Wahnsinn gegen Chemnitz. Die Torfolge so außergewöhnlich wie das Spieldatum 29. Februar: 0:2, 3:2, 3:3, 4:3. Owusu sorgte in der Nachspielzeit für wohligen Schauer, den die 15 000 mit in den ersten Corona-Lockdown nahmen.

Die bitterste Niederlage

Natürlich der Relegations-K.o. in Ingolstadt im Saisonfinale 2020/21. Über Wochen hatten sich die Löwen rangekämpft, nach Marco Hillers frühem Platzverweis bitter mit 1:3 verloren. Danach half nur noch „Frustsaufen“, wie es Köllner ankündigte – und konsequent durchzog (mit der Mannschaft und vor vielen hundert Fans auf dem Dach des Löwenstüberls).

Die herbste Klatsche

Beim 2:5 gegen Magdeburg am 4. Dezember schien 1860 auseinanderzufliegen. 0:5 stand es zur Pause – ein 0:10 wäre möglich gewesen, hätte der Spitzenreiter nicht auf Schonprogramm umgeschaltet. Natürlich blieb diese Klatsche nicht ohne Folgen . . .

Das Wendespiel

Nicht Köllner musste nach dem Magdeburg-Debakel gehen, sondern Kapitän Sascha Mölders, der seinen Rauswurf durch aufreizende Passivität provoziert hatte (schoss auch keine Elfer mehr). Köllner ging mit der Verbannung des Fanlieblings ins Risiko – die Mannschaft dankte es ihm und siegte 2:0 bei Dortmund II. Die Geburtsstunde des neuen Sturmduos Lex/Bär – und der Anfang von Köllners aktueller Erfolgsserie (20 Punkte aus zehn Spielen).

Der Underdog-Sieg

Alles sprach für die formstarken Schalker, als die Löwen den Zweitligisten Ende Oktober im DFB-Pokal herausforderten. Am Ende zog aber 1860 in die 3. Runde ein. Weil Lex früh zum 1:0-Endstand traf, Mölders Laufduelle mit halb so alten Gegenspielern gewann – und Giesing nach zähen Monaten mit Geisterkulissen kollektiv ausflippte.

Das wichtigste Spiel

Bei einem ambitionierten Trainer wie Köllner natürlich das nächste Spiel – heute in Berlin. Danach sein 102. Spiel (20. März in Mannheim), das Totopokal-Halbfinale in Aubstadt, Saarbrücken, Freiburg, Osnabrück und so weiter. Der Totopokalsieg 2020 (Finale: 5:2 n.E. gegen Würzburg) soll nicht sein einziger Leistungsnachweis in den Vereins-Annalen bleiben; Köllners Antrieb ist, sich als Aufstiegstrainer zu verewigen.

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