Warum spielte der FC Bayern anfangs in blau?

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Heute in Rot: die Spieler des FC Bayern München.

München - Kaum zu glauben, aber wahr: Der FC Bayern spielte in seinen Anfangsjahren in blauen Trikots. Erst eine Fusion machte aus den damaligen "Blauen" die heutigen "Roten".

Kein Witz: Die Roten waren anfangs blau! Was hätte es da für Derbys gegeben, hätte der FC Bayern diese Farbe beibehalten? Die Sechzger wären wohl zur besseren Unterscheidung in Grün-Gold, den Vereinsfarben des TSV 1860, aufgelaufen anstatt im Weiß-Blau der Fußballabteilung. Der Farben-Wandel beim FC Bayern hängt mit seiner geschichtlichen Entwicklung zusammen.

Vier Jahre nach der Gründung des „1. Münchner Fußball-Clubs von 1896“ rufen begeisterte Fußballer, die den „MTV München von 1879“ wegen Streitereien um den Beitritt zum Verband Süddeutscher Fußballvereine verlassen hatten, den FC Bayern ins Leben. Als Clubfarben bestimmen sie die bayerischen Landesfarben: Weiß und Blau. Aufgrund der vielen auswärtigen Spieler gilt der FC Bayern allerdings zunächst als „Club der Zuagroastn“. Im fünften Vereinsjahr sucht der FC Bayern doch wieder Rückhalt bei einem größeren Verein und fusioniert 1906 mit dem Münchner Sport-Club (MSC). Die Fußballabteilung behält ihre Selbstständigkeit und eigene Verwaltung, übernimmt aber die Spielkleidung des MSC: rote Hosen und weiße Hemden ohne Rückennummern. Die Roten sind geboren.

Fußball in München - so sah es früher aus

Fußball in München - so sah es früher aus

München verfügt mit der Allianz Arena über eines der modernsten Fußball-Stadien der Welt. © Getty
Hunderttausende strömen jährlich in die Fröttmaninger Heide, um dort die Spiele des FC Bayern und des TSV 1860 München zu verfolgen. © Getty
Doch das war natürlich nicht immer so - auch in München fing einmal alles ganz klein und einfach an. © Getty
In dem bereits 2006 erschienen Buch „Fußball in München“ wird die Geschichte des rollenden Balles in München ausführlich erzählt. Wie hieß der erste Fußballverein? Wo stand das erste „Stadion“? In dem Buch finden Sie die Antworten. Klicken Sie sich durch die Fotostrecke und machen Sie sich einen Eindruck von dem, wie Fußball in München vor knapp 100 Jahren gespielt wurde. © Getty
Die ersten Tribünen in München: Der MSC-Platz an der Leopoldstraße um 1910, mit Umkleidegebäude, Sitztribüne und Clubhaus. © MünchenVerlag
Der MTV-Platz an der Marbachstraße beim Spiel FC Bayern gegen MTK Budapest am 27. Juli 1920. © MünchenVerlag
Es war zwar nur ein Freundschaftsspiel, dennoch tat den Bayern die 1:7-Schlappe so richtig weh. © MünchenVerlag
Moderne, technisch hochgerüstete Pressetribünen gab es damals noch nicht. Dafür saßen die Reporter ganz nah am Geschehen. © MünchenVerlag
Anton Hübel, genannt Haxentoni, eines der Gründungsmitglieder des ältesten Münchner Fußballvereins, Terra Pila. © MünchenVerlag
Die Fußballmannschaft des Männerturnvereins von 1879, hier auf dem XI. Bayerischen Turnfest in Landshut. © MünchenVerlag
Die Fußballabteilung des Münchner Sportclubs auf dem Sportplatz an der Leopoldstraße (höhe Parzivalplatz), um 1920. © MünchenVerlag
In dern 1930er Jahren machte sich der Zuschauerrückgang auf Grund der angespannten wirtschaftlichen Lage auch bei den Lokalderbys bemerkbar. Am 12. Februar 1939 besiegte der FC Bayern vor nur 12.000 Zuschauern den TSV 1860 mit 3:2. Fickenscher (links, FC Bayern) grätscht in einen Schuss von Ludwig Janda (TSV 1860), beobachtet von den Mannschaftskameraden Framke und Goldbrunner. © MünchenVerlag
Viele weitere spannende Geschichten aus der Fußball-Geschichte Münchens finden Sie in dem faszinierenden Buch „Fußball in München“, erschienen im MünchenVerlag. Wer das Buch (208 Seiten) direkt beim MünchenVerlag bestellt, zahlt 9,90 Euro. © MünchenVerlag

Aufgrund des starken Zulaufs legt der Vorstand die Latte hoch. So schreiben die Vereinsstatuten anfangs eine elitäre Mitgliederauswahl vor. Doch zum Trainieren fahren die auserlesenen Spieler damals nicht ins vornehme Harlaching, sondern ins Künstlerviertel Schwabing. Bis zur Vereinigung mit dem MSC trifft sich der Kader auf einem Spielplatz an der Clemensstraße, wo der Kochherd- und Ofenfabrikant Friedrich Wamsler, dessen Söhne zu den Gründungsmitgliedern zählen, ein umzäuntes Grundstück zur Verfügung stellt.

Während andere Vereine jedes Jahr bei der Stadt ein Gesuch einreichen müssen, an welchem Tag und zu welcher Stunde sie welchen Platz benutzen wollen, macht der Sponsor den Club damit unabhängig von der Platzzuweisung durch die Stadtverwaltung. Nach der Fusion verlagert der FC Bayern den Spielbetrieb auf den MSC-Platz an der Schwabinger Karl-Theodor-Straße, ehe der Verein an der Leopoldstraße auf Höhe Parzivalplatz den ersten Münchner Sport- und Fußballplatz mit überdachter Zuschauertribüne einrichtet.

Welche Faszination der Fußball schon damals ausübt, zeigt ein Schreiben an die Königliche Lokal-Schulkommission: Selbst auf halbwegs geeigneten Plätzen und Straßen seien Knaben mit dem Fußball unterwegs, berichtet der städtische Oberspielleiter. „Und fehlt der Ball, so tritt an seine Stelle ein aus Lumpen gefertigter Knäuel, ein kleiner Gummiball, ein runder Stein oder eine zerbrochene Flasche.“

Bald schon klagen Mütter in der Schule, dass ihre Buben nicht mehr nach Hause kämen und für nichts mehr zu gebrauchen seien. Auch Pädagogen sind besorgt, als sich auf Schulhöfen die Verletzungen fußballnarrischer Schüler häufen.

Überläufer! Spieler, die bei beiden großen Münchner Vereinen kickten

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Die Konsequenz: Mit einer Ministerialentschließung vom Januar 1912 verbietet das bayerische Innenministerium für Kultus- und Schulangelegenheiten das Fußballspiel an allen bayerischen Schulen. Das kann jedoch das Anwachsen der Fußballbegeisterung zu einem Massenphänomen nicht beeinträchtigen. Auch die Beliebtheit der Roten, die seit 1925 als eigenständiger und eingetragener Verein auftreten, nimmt große Ausmaße an: Heute zählt kein anderer Verein in Deutschland so viele registrierte Anhänger wie der Rekordmeister. 2896 Fanclubs mit fast mehr als 160 000 Mitgliedern haben sich der Farbe Rot als Kennzeichen ihrer Leidenschaft verschrieben.

Corinna Erhard

Das Buch

„München in 50 Antworten“ von Corinna Erhard ist im Handel erhältlich (128 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen, 16,80 Euro).

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