Torwartlegende leidet mit den Blauen

„Radi“ im Interview: Sechzig „ist eines der größten Phänomene im Weltfußball“

Zurück in seiner Stadt: Petar Radenkovic (l.) trifft sich mit tz-Redakteur Ludwig Krammer zum Interview in der „Piccola Osteria“.
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Zurück in seiner Stadt: Petar Radenkovic (l.) trifft sich mit tz-Redakteur Ludwig Krammer zum Interview in der „Piccola Osteria“.

Petar Radenkovic stattet München einen Kurzbesuch ab. Da nimmt sich die Löwen-Legende auch Zeit für ein Interview - natürlich in diesem Lieblingslokal.

Er ist die größte Vereinsikone des TSV 1860 - und auch einer der größten Kritiker der Verhältnisse bei den Löwen: Petar „Radi“ ­Radenkovic (82). Die tz traf die Torwartlegende in seinem Lieblingslokal, der „Piccola Osteria“ im Münchner Univiertel zum Interview.

Herr Radenkovic, Sie lassen sich nicht mehr oft in München ­blicken…

Radenkovic: Mein Lebensmittelpunkt liegt in Belgrad, aber so ­fünfmal im Jahr komme ich nach München. Eine meiner Töchter lebt hier.

Und Ihr ehemaliger Verein. ­Werden Sie 1860 einen Besuch abstatten am Samstag beim Heimspiel gegen Schweinfurt?

Radenkovic: Nein, da bin ich schon mit meiner anderen Tochter in Salzburg verabredet. Vielleicht schaffe ich es, das Spiel im Fernsehen zu ­verfolgen.

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Wie sehr schmerzt es, die ­Löwen in der vierten Liga zu ­sehen?

Radenkovic: Es ist traurig, dass es so weit gekommen ist. Und das Absurde ist, dass es ausgerechnet nach den größten Investitionen in den Abgrund ging. Andererseits: Wenn du in der Winterpause einen Trainer holst, der die Liga nicht kennt und dazu noch einen ­Geschäftsführer, der noch nie in Deutschland gearbeitet hat, dann darfst du dich nicht wundern, wenn das wacklige Gebilde zusammenbricht. Das war amateurhaft - wie so vieles in den letzten Jahrzehnten bei 1860.

Verfolgt die Löwen nur noch aus der Ferne: Petar Radenkovic verbringt kaum noch Zeit in München.
Wie groß ist Ihr Optimismus, dass es die Löwen zurück in den ­Profifußball schaffen?

Radenkovic: Um optimistisch sein zu können, müssten erst einige Fragen geklärt werden. Die Allerwichtigste: Was will Hasan Ismaik? Ich finde es bemerkenswert, was Daniel Bierofka mit der Mannschaft leistet, aber die Perspektive bestimmen die Gesellschafter. Optimistisch wäre ich, wenn 1860 jemanden wie ­Dietmar Hopp hätte, einen Mann mit einer Vision, entsprechenden Kontakten und dem nötigen Geld.

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Webasto-Chef Gerhard Mey ist ein Interessent mit großen Plänen…

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Radenkovic: Ja, aber ohne eine ­Einigung mit Ismaik wird sich nichts bewegen. Das ist die große Aufgabe dieses Herbstes.

Wie sehen Sie die Stadionfrage? Das Grünwalder Stadion ist nur bis zur Dritten Liga zugelassen.

Radenkovic: Es wird schwer genug, zweimal aufzusteigen. Der Fokus muss ganz klar auf der Mannschaft liegen, parallel gilt es zu klären, wo man künftig spielen will. Das Olympiastadion ist die einzig ­sinnvolle Zwischenlösung. Langfristig braucht 1860 eine zeitgemäße Heimat.

„Langfristig“ ist neben „Potenzial“ wohl das strapazierteste Wort bei den Löwen…

Radenkovic (lacht): Das Beste an diesem Verein sind seit Jahrzehnten die Fans. Mich fragen die Leute in Belgrad oft, wie es möglich ist, dass so ein erfolgloser Verein so viele Zuschauer mobilisiert. Für mich ist das eines der größten Phänomene des Weltfußballs, und ich wünsche mir kaum etwas mehr, als dass diese Treue endlich belohnt wird. Die Hoffnung lebt. Aber ob ich 1860 in der Bundesliga noch erleben werde, da bin ich mir nicht so sicher.

Interview: Ludwig Krammer

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