Profis im Grünwalder? Olk: "Es ist vorbei"

+
Voller Einsatz: Olk stoppt den Löwen Rebele

München - Werner Olk denkt zurück an die Zeiten im Grünwalder Stadion und sagt: "So wunderbar wie’s war, so viel man auch in der Erinnerung schwelgt – es ist vorbei".

Lesen Sie auch:

Abgebrannt und abgesoffen

Das "Sechz'ger": 100 Jahre Leidenschaft

"Sechzig! Sechzig! Es gab nur diesen Schlachtruf"

60 auch in der Bayernliga Kult: "Einzigartige Nähe"

Ein Jahrzehnt lang bearbeitete er die gegnerischen Außenstürmer im Stadion an der Grünwalder Straße mit aller Härte und manchmal auch bis aufs Blut. Und seinen Spitznamen hatte der 1960 von Arminia Hannover zum FC Bayern gekommene ­Werner Olk auch ganz schnell verpasst bekommen: der „Adler von Giesing“. Der heute 73-Jährige lacht: „Den Namen hat mir unser Manager Robert Schwan gegeben, weil ich immer so akrobatisch in die Luftkämpfe gegangen bin. Teilweise sogar mit eingesprungenen Rittbergern, ich war halt auch ’ne turnerische Begabung…“

Olk denkt gern an die Zeiten im Grünwalder zurück, sagt aber auch: „So wunderbar wie’s war, so viel man auch in der Erinnerung schwelgt – es ist vorbei. Daran sollten sich vielleicht auch endlich gewisse Anhänger der Sechziger orientieren.“

Auch die Bayern haben große Schlachten in Giesing geschlagen. Von der Stimmung auf dem Weg zum Europacupsieg 1967 in den Heimspielen gegen Rapid Wien und Lüttich schwärmt Olk heute noch: „Einfach super.“

Weniger angenehm sind seine Erinnerungen an die Aufstiegsrunde 1964, als die Bayern durch eine 0:2-Pleite im Grünwalder gegen Borussia Neunkirchen den fest eingeplanten Sprung in die Bundesliga verpassten. Olk: „Ich war damals verletzt und als ich vor dem Spiel ins Trainingslager in die Sportschule Grünwald kam, schwante mir schon Böses. Meine Kollegen waren richtig ausgelassen, im Kopf schon aufgestiegen und bewarfen sich aus lauter Übermut mit Tomaten. Ich dachte mir: Oh, oh. Wenn das mal gut geht…“

Ein Jahr später ging’s dann gut. Nach einem 8:0 gegen Tennis Borussia in Berlin machten Beckenbauer, Müller, Olk & Co. den Aufstieg perfekt. „Schade, dass wir den nicht im Grünwalder feiern konnten“, sagt Olk, „aber auch so war es ein herrlicher Tag. Nach unserer Rückkehr in Riem fuhren wir im Autokorso nach München rein und dann wurde auf dem Nockherberg Halt gemacht. Den Deinhard Lila, Präsident Neudeckers Lieblingssekt, tranken wir aus den Masskrügen und nach zwei, drei Stunden war jeder von uns so fertig, dass er nur noch ins Bett wollte…“

Feucht-fröhlich: Bei der Aufstiegsfeier der Bayern 1965 floss der Sekt in Strömen

Die Bayern hatten es geschafft. Sie waren ebenfalls in der ersten Liga und mussten sich von den Blauen nicht mehr hänseln lassen. Olk: „Da gab’s ja diesen Witz, dass die Löwen zum Europacupfinale nach Wembley fliegen, aus den Fenstern runterschauen und unten ein paar Radler sehen. Und einer sagte: ,Schaut’s, das sind die Bayern auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Emmendingen.‘“
Zehn heiße Bundesligaderbys gab’s zwischen 1965 und 1970 im Sechz’ger-Stadion, an das erste erinnert sich Olk (er feierte auch drei Pokalsiege) überhaupt nicht gern: „Es war unsere Bundesligapremiere und wir verlieren durch ein Kullertor von Timo Konietzka in der ersten Minute mit 0:1.“

Vier Jahre später dann Olks schönster Moment auf Giesings Höhen. Als Kapitän des FC Bayern reckt er am 7. Juni 1969 nach einem 2:1-Sieg gegen Hannover 96 die Meisterschale in den verregneten Münchner Himmel. Ein Jahr später war dann Schluss bei Bayern. Wegen eines Bandscheibenvorfalls musste der A-Nationalspieler (ein Einsatz) seine Bundesligakarriere beenden und heuerte beim FC Aarau in der Schweiz als Spielertrainer an. Drei Jahre später kehrte Olk nach München zurück – und fand sich plötzlich auf der Bank im Grünwalder wieder. Der damals 35-Jährige war Manager beim Zweitligisten TSV 1860 geworden. Der Aufstieg unter Trainer Rudi Gutendorf wurde allerdings verpasst und Olk verließ die Löwen wieder.

Claudius Mayer

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Löwen-Hammer: Nico Karger muss gehen - Flüchtet er zu einem alten Bekannten?
Löwen-Hammer: Nico Karger muss gehen - Flüchtet er zu einem alten Bekannten?
TSV 1860: Bleibt Tim Rieder ein Löwe? Konkurrenz wohl zu groß
TSV 1860: Bleibt Tim Rieder ein Löwe? Konkurrenz wohl zu groß
TSV 1860: Die neuen Löwen sind im Schnitt 22,2 Jahre alt
TSV 1860: Die neuen Löwen sind im Schnitt 22,2 Jahre alt
„Traurige Geschichte“: Meister-Löwe verkraftet Berzel-Weggang nicht - und fordert Reform der Dritten Liga
„Traurige Geschichte“: Meister-Löwe verkraftet Berzel-Weggang nicht - und fordert Reform der Dritten Liga

Kommentare