Rettig: Dann soll die Arena rot leuchten!

Andreas Rettig würde nächste Saison gerne in der rot beleuchteten Allianz Arena spielen
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Andreas Rettig würde nächste Saison gerne in der rot beleuchteten Allianz Arena spielen

München - Im Interview mit der tz erklärt Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC Augsburg, warum er den Löwen nur das Beste wünscht, sie nächste Saison aber lieber nicht mehr sehen will.

Im Aufstiegskampf geht es enger denn je zu. Wen haben Sie für die Rückrunde auf dem Zettel?

Rettig: Tatsächlich alle, die da oben stehen. Ich bin davon überzeugt, dass auch der VfL Bochum da oben noch mal reinrutscht. Auch die Löwen sind zu beachten. Das haben wir immer gesagt. Beide Mannschaften werden vom Potenzial her um Platz 3 spielen.

Sie haben Walther Seinsch kurz nach dem Aus in der Relegation den Aufstieg versprochen. Halten Sie Ihr Wort in dieser Saison?

Rettig: Das war mehr der Situation und der Enttäuschung geschuldet, um direkt wieder nach vorne zu schauen. Wir sind vom Aufstieg so weit weg wie der FC Bayern von der deutschen Meisterschaft.

Wie bitte? Augsburg ist doch Tabellenführer.

Rettig: Dafür können wir uns am 16. Spieltag nichts kaufen.

Rechnen Sie mit dem Absturz?

Rettig: Es ist schwer vorstellbar, dass es so weitergeht. Sehen Sie unsere Verletztenmisere an: Ndjeng, Traoré, Sinkiewicz, Sinkala, Reinhardt. Wir pfeifen aus dem letzten Loch! Das kann nicht ewig gutgehen. Deswegen sind wir vom aktuellen Tabellenplatz total überrascht. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht von der Mannschaft überzeugt sind. Aber beim Blick auf die potenziellen Stammspieler, die uns seit Wochen und Monaten fehlen, muss man schon mal schlucken. Umso höher ist der Tabellenplatz zu bewerten. Das war schon stark.

Die wertvollsten Spieler des FC Augsburg

Ist der FCA also eigentlich noch viel besser?

Rettig: Wenn sich die Rekonvaleszenten zurückmelden, vergrößert das zumindest die Handlungsoptionen des Trainers. Denn viel darf momentan nicht mehr passieren.

Hat Jos Luhukay nie neue Spieler gefordert?

Rettig: Er ist ein bescheidener Trainer und äußert sich intern klar. Dabei soll es bleiben.

Legt Augsburg im Winter personell nach?

Rettig: Wir werden am Ende der Rückrunde eine Bestandsaufnahme machen. Es wird schwer, mit diesem dünnen Kader durch die Saison zu kommen. Es gibt also die Überlegung, etwas zu tun. Das hängt aber auch von den Prognosen der Ärzte ab.

Es wird auch ums Geld gehen. Wie wirkt sich der Ausstieg Seinschs als Investor auf die Planungen für die kommende Saison aus?

Rettig: Was für die Unterstützung durch die Investorengruppe bisher galt, gilt nach wie vor und ist auch für die kommende Saison gültig. Wir machen nur das, was wirtschaftlich vertretbar ist. Es gibt keinen Ersatz für wirtschaftliche Vernunft. Der Rückzug der Investorengruppe hat uns ja nicht kalt erwischt. Das war alles geplant.

Keine Überraschung?

Rettig: Das war abgesprochen. Es war von vornherein klar, dass die finanzielle Unterstützung sukzessive von Jahr zu Jahr weniger wird und dann eingestellt wird. Der Verein ist auch ohne Investorengruppe überlebensfähig. Das ist nicht die Frage. Wir können unsere Brötchen auch selbst verdienen. Aber beim ein oder anderen Transfer hat uns das in der Vergangenheit einen größeren Spielraum gegeben. Das war ein großer Vorteil. Jetzt sind wir dabei, uns diesen Spielraum wieder zu erarbeiten, indem wir noch mehr Zuschauer und auch Sponsoren ins Stadion locken. Das Unternehmen FCA nimmt Fahrt auf.

Aber die Zuschauerzahl stagniert trotz des attraktiven Fußballs. Warum?

Rettig: Wir müssen sehen, woher wir kommen und dass wir 23 Jahre lang im Profifußball keine Rolle gespielt haben. Wir sind der einzige Verein von den damaligen Mitaufsteigern, der in der Zweiten Liga verblieben ist. Unsere Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren war rasant. Bei der Zuschauerentwicklung konnte dieses Tempo nicht gehalten werden. Da hätten wir uns ein bisschen mehr versprochen. In der Kalkulation sind wir hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Aber das ist auch der wirtschaftlichen Situation geschuldet. Die Leute haben weniger Geld im Portemonnaie.

Gegen Hertha BSC in der Bundesliga und Schalke 04 im Pokal wird das Stadion sicher voll. Glauben Sie an zwei Siege?

Rettig: Ich glaube nicht, dass wir beide Spiele hoch gewinnen werden (lacht). Schon gegen die Hertha sind wir der Außenseiter. Dass wir jetzt vor ihr stehen, ist eine Sensation. Das soll auch nach dem Spiel so sein.

Was ist eigentlich der aktuelle Stand in Sachen Stadionfassade?

Rettig: Wir haben mit der Stadt verabredet, dass wir die Fassade derzeit aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht bauen können. Grundsätzlich sind wir natürlich vertragstreu. Aber die Frage muss erlaubt sein, ob das zeitgemäß ist und in die wirtschaftliche Landschaft passt, hier viel Geld für Optik zu investieren. Wir wollen eigentlich mehr Inhalt als Verpackung.

Aber die Stadt will bislang eine Fassade. Bekommt der Verein Probleme, wenn die Stadt sich stur stellt?

Rettig: Ja, ganz klar. Das ginge zu Lasten des Etats. Dann würde es in allen Bereichen zu Kürzungen kommen: in der Profiabteilung, im Jugendbereich, in der Geschäftsstelle. Das würde sich direkt durchschlagen.

TSV 1860 gegen den FCA: Derby-Momente zum Nacherleben

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Beim TSV 1860 gibt es aktuell eine solche Situation. Machen Sie sich Sorgen um den Derby-Rivalen?

Rettig: Bei aller Rivalität: Ich wünsche mir, dass es den Löwen gelingt, den Kopf über Wasser zu halten - auch wenn ich mir wünsche, dass die Allianz Arena rot angestrahlt ist, wenn wir nächstes Jahr nach München fahren.

Kaufen Sie den Löwen in der Winterpause Spieler ab?

Rettig: Ich kann es mir nur schwer vorstellen, weil wir keine Transferentschädigungen zahlen. Wir haben eine Transferausgaben-Allergie. Sagen wir so: Wenn die Löwen nicht wissen wohin damit, können sie sicherlich fragen, ob die Spieler auch hier spielen dürfen.

Überraschen Sie die aktuellen Schreckensmeldungen um Sechzig?

Rettig: Leider nein. Die Entwicklung geht seit Jahren in diese Richtung. Es ist ein ganz einfaches Wirtschaftsprinzip, das weder der FCA noch die Löwen außer Kraft setzen können: Wenn man mehr ausgibt, als man einnimmt, ist irgendwann ein Loch im Portemonnaie.

Interview: Tobias Kimmel

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