Satirische Vorschau: So wird das Sportjahr 2011

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„Ich bin ein Statistikbiest“: Bayern-Trainer Louis van Gaal beglückt die Fans mit 67 Prozent Ballbesitz.

München - Vom Statistikbiest und dem TSV ohne 1860: Die satirische Vorschau auf das Sportjahr 2011 gibt Aufschluss über Katars Olympia-Hilfe, den Verkaufsschlager Vettel-Barbie, Magaths Börsen-Geschäfte und was sonst noch so passiert.

Januar

Beim leidgeprüften TSV 1860 geht es weiter – ohne dass Spieler veräußert werden müssen. Geschäftsführer Robert Schäfer erläutert den Clou: „Wir haben statt der besten Spieler einfach einige unserer gewonnenen Punkte verkauft. So kriegen wir Geld dafür – ehe die Liga sie uns wegnimmt und wir nichts haben.“ Das Angebot der Löwen stößt auf großes Interesse in der 2. Bundesliga, vor allem der FC Ingolstadt macht einen Satz nach oben.

Das Halbjahres-Zeugnis des FC Bayern München

Das Halbjahres-Zeugnis des FC Bayern München

Hans-Jörg Butt: Alles redet davon, dass der Torwart bereits altes Eisen ist – das gefällt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gar nicht. „Bei uns wird er nicht so gesehen“, versichert der Klubchef, und auch wenn sich die Bayern nach einem neuen Mann umschauen müssen (Butt ist 36), können sie das in Ruhe erledigen. Note 3,0. © Getty
Philipp Lahm: Müde von der WM? Ja, das schon, er sei leer wie noch nie, sagte der Verteidiger zwischendurch. Aber er fehlte bei keiner Partie – und spielte konstant wie kein anderer. „Wenn jemand Dortmund einholen kann, dann wir“, sagte er nun der „Bild“ – der Dauerbrenner hat Luft für Großtaten in 2011. Note 3,0. © Getty
Breno: Der Brasilianer hat sich lange, lange in Geduld üben müssen. Erst stand er sich selbst ihm Weg, dann legte ihn ein Kreuzbandriss auf Eis. Seit dem 12. Spieltag bekam er regelmäßig die Chance, sich zu beweisen. Es heißt, er sei ein Wettkampftyp, der sich von Spiel zu Spiel steigert. Mal sehen. Note 3,5. © Getty
Martin Demichelis: „Mein Ziel ist es, zehn Jahre für den FC Bayern zu spielen“, sagte der Argentinier im Jahr 2008. Damals begann gerade seine fünfte Saison. Er hat sein Ziel nicht verwirklichen können. Zum Auftakt weigerte er sich, auf der Ersatzbank Platz zu nehmen, als er an Spieltag sieben dann erstmals ran durfte, legte er beim 0:2 in Dortmund ein denkwürdig desaströses Spiel hin, was landesweit mit einer „6“ honoriert wurde. Ab jetzt in Malaga tätig. Note 4,0. © Getty
Daniel van Buyten: Fiel wie sein Kollege Demichelis tief, hatte zwischendurch aber ein paar private Gründe als Entschuldigung. Die Bayern-Zeit des Belgiers neigt sich dem Ende zu, die Bosse sähen ihn schon bald veräußert, bis jetzt spielt da aber van Gaal noch nicht ganz mit. Die Zukunft heißt Badstuber/Breno. Note 4,0. © Getty
Holger Badstuber: „Der Junge muss mit einem Kreuz in die Saison gehen, das breiter ist als meins“, sagte Ausbilder Hermann Gerland im Sommer auf die Frage, ob sich der Jungnationalspieler irritieren lassen würde, dass er bei der WM seinen Platz in der Startelf verloren hatte. Und Badstuber ließ sich nicht irritieren, verrichtete in der Zentrale solide Dienst mit breitem Kreuz. Erst eine Schambeinentzündung bremste ihn nach dem 9. Spieltag aus. Note 3,0. © Getty
Diego Contento: Seine Position war im Sommer die einzig wirklich offene Planstelle, doch am Ende verzichteten die Bayern auf den Kauf eines linken Verteidigers, um dem Eigengewächs die Chance zu geben. Ganz zufrieden kann er mit der ersten Saisonhälfte nicht sein. Einen Teil fehlte er verletzt, einen Teil verbrachte er mit der Suche nach der Unbekümmertheit aus der vorhergehenden Rückrunde. Seine Planstelle steht auch im Winter wieder zur Disposition. Er muss kämpfen. Note 3,5. © Getty
Danijel Pranjic: Nein, eigentlich will der Kroate nie wieder linker Verteidiger spielen. In dieser Hinrunde half er dennoch ab und an auf der Position aus. Er spielt mit hohem Risiko, dabei unterlaufen immer wieder Ballverluste, die ihm Pfiffe einbringen. Aber so kommt er auch immer wieder in Position, um die Stürmer in Szene zu setzen. Mitläufer mit Licht und Schatten. Note 3,0. © Getty
Edson Braafheid absolvierte in der Hinrunde gerade einmal zwei Spiele. Der Niederländer genügte den Ansprüchen des FC Bayern nicht. Note 5. © Getty
Andreas Ottl: Er kam selten zum Einsatz, aber dann war stets auf ihn Verlass. „Diese Mannschaft hat eine rote Seele“, sagt er – und der gebürtige Münchner ist der lebende Beweis dafür. Note 3. © Getty
Bastian Schweinsteiger: Er brauchte bis zum sechsten Spieltag Zeit, um die WM aus den Knochen zu schütteln. Ab da sausten Leistungskurve und Noten nach oben. Klammert man die Startphase aus, wäre er top. Note 2,5. © Getty
Anatolij Timoschtschuk: Am 8. Spieltag erst schlug seine Stunde – dann aber gewaltig. Bis dahin schob der Ukrainer Reservisten-Frust, doch beim 3:0 über Hannover machte er als Innenverteidiger so einen guten Job, dass er ab da praktisch nicht mehr wegzudenken war. „Mit mir fährt keiner Schlitten“, sagte er vor einem Jahr, nun ist er den Kollegen tatsächlich ziemlich davongebraust. „Timo“ – der Hacklschorsch des FC Bayern. Note 2. © Getty
Der Kapitän ist intern nicht mehr so unumstritten wie in der Vergangenheit. Auch er hatte mit einer Verletzung zu kämpfen, und wenn ein alternder Leitwolf zu lahmen beginnt, beißen die Jungen. Pranjic wollte seinen Platz, Kroos bekam ihn einige Zeit, Alaba ist die Zukunft, Luiz Gustavo im Gespräch. Und van Bommel wohl bald Geschichte. Note 3,5. © Getty
Hamit Altintop: „Ich bin der Herausforderer“, umriss der türkische Nationalspieler seine Rolle vor der neuen Saison. Er hat bei van Gaal einen schweren Stand, das hat ihm im ersten Amtsjahr des Niederländers arg zu denken gegeben. Er wollte nun weniger denken und wieder im Stile eines Straßenfußballers auftreten, erklärte er im Sommer. Ab und an gelang es, er bleibt aber Herausforderer. Note 3,5. © Getty
Franck Ribery: Beim Franzosen klafft zwischen Spieltag 5 und 13 eine Lücke – da fehlte er verletzt. Trainer Louis van Gaal fand es schade, dass es ausgerechnet jetzt in die Winterpause geht, da Ribery gerade in Schwung gekommen war. Note 3,0. © Getty
Thomas Müller: Der Senkrechtstarter der letzten Saison gibt selbst zu, dass er einen Hänger hatte. Dennoch war er weiterhin stets ein Gefahrenherd, mit insgesamt sieben Treffern ist er Bayerns zweitbester Torschütze. Note 2,5. © Getty
Toni Kroos: Er hat sich geziert, als der FC Bayern im Frühjahr seine Rückkehr aus Leverkusen anordnete. Zweifel begleiteten ihn, ob er sich in der Startelf festbeißen wird können. Doch am Ende lag es nur an seinem Körper, der Tribut zollte nach einer langen Saison. Bis zu seiner Verletzung fehlte er in keiner Partie. Er sammelte auf einigen Positionen Erfahrungen. Ein Mann für die Zukunft. Note 3,0. © Getty
Mario Gomez: Uli Hoeneß hat ihm prophezeit, er müsste die Eiger Nordwand rauf, um sich durchzusetzen. Zum Hinrundenabschluss stehen wettbewerbsübergreifend 20 Tore auf seinem Konto. „Er ist jetzt eine wichtige Größe“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Gomez – der Reinhold Messner des FC Bayern, er scheint die hohe Hürde geschafft zu haben. Note 2,0. © Getty
Ivica Olic bestritt gerade einmal sechs Spiele, ehe er sich einen Knorpelschaden zuzog. Note 3,5. © Getty
Auch Miroslav Klose kam wegen diverser Verletzungen in der Hinrunde kaum zum Einsatz. Note 3,5. © Getty

Beim FC Bayern wird ein seit Wochen vorbereiteter Transfer realisiert: Mark van Bommel wechselt zum VfL Wolfsburg. Pikanterweise der erste Münchner Gegner in der Rückrunde. Neu-Wolf van Bommel schreitet auch gleich zur Tat. Den eingewechselten Arjen Robben erwischt er bei dessen Comeback so, dass der Bayer bis Saisonende zurück in die Reha muss. „Das war ein ganz normaler Zweikampf“, kann van Bommel die Aufregung nicht verstehen. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nennt seinen Ex-Kapitän einen „nun endlich aufgeflogenen Agenten des Niederländischen Verbandes“, droht weiterhin, ihm sechs Monate Robben-Gehalt in Rechnung zu stellen, kündigt außerdem Klagen bei DFB, UEFA, FIFA und dem Königlich Bairischen Amtsgericht an.

Februar

Alpine Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. Sie wird überschattet von Aktionen der Olympia 2018-Gegner und der Grundstücksbesitzer. Sie ketten sich an die Slalom-, Riesenslalom-Tore an. Pech für Lokalmatador Felix Neureuther, der an der Mistgabel eines Bauern einfädelt.

Doch Maria Riesch erfüllt fast alle deutschen Hoffnungen. Nur in ihrer Spezialdisziplin Slalom reicht es nicht zu Gold, fährt sie mit einem Wimpernschlag Rückstand zu Silber. Sie hätte bei der Zwischenzeitnahme halt doch nicht kurz aus der Strecke rausfahren und mit ihrem Verlobten Marcus Höfl knutschen dürfen. Und Details der Hochzeit hätte man auch im Zielraum besprechen können.

März

Ganz leise beendet Michael Schumacher seine Rennsportkarriere. Bei den Tests war er langsamer gewesen als das Safety Car, und von Fans wurde er für den Vater von Sebastian Vettel gehalten.

Beim TSV 1860 deuten sich neue Finanzierungslücken an. Um die Lizenz für die kommende Saison zu sichern, entscheidet man sich, ein weiteres Filetstück zu verkaufen: das Gründungsjahr. Da greift der deutsche Red Bull-Ableger RB Leipzig zu, fortan RB 1860 Leipzig. In der 2. Liga spielt der TSV München weiter.

April

Uli Hoeneß platzt der Kragen. „Unsere Ergebnisse sind alle ein Witz. Es mag ja ganz schön sein, dass wir vorne oft treffen – doch wie Oliver Kahn schon gesagt hat, Meisterschaften gewinnt man in der Defensive. Wir kriegen hinten viel zu viele Dinger rein. Pro Spiel muss ich mich mindestens 30 Mal aufregen. Ich habe das dem Trainer oft genug gesagt, doch leider ist Dirk Bauermann beratungsresistent.“

Mai

Wie erwartet wird Borussia Dortmund Deutscher Meister. Doch der wahre Gewinner ist Schalke 04, das selbst nur knapp dem Abstieg entronnen ist. „Wir sind von Grund auf saniert – dank Dortmund“, vermeldet mit listigem Blick Trainer-Manager Felix Magath: „Ich habe jede Woche über Strohmänner mit Aktien vom BVB gehandelt, auf dem Wochen-Tiefstand gekauft und am Montag Gewinne realisiert. Wir sind jetzt reich.“ Während Dortmund unter den Meisterprämien ächzt, kauft Schalke die Borussen-Achse Hummels-Sahin-Barrios.

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

Das Halbjahres-Zeugnis des FC Bayern München

Hans-Jörg Butt: Alles redet davon, dass der Torwart bereits altes Eisen ist – das gefällt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gar nicht. „Bei uns wird er nicht so gesehen“, versichert der Klubchef, und auch wenn sich die Bayern nach einem neuen Mann umschauen müssen (Butt ist 36), können sie das in Ruhe erledigen. Note 3,0. © Getty
Philipp Lahm: Müde von der WM? Ja, das schon, er sei leer wie noch nie, sagte der Verteidiger zwischendurch. Aber er fehlte bei keiner Partie – und spielte konstant wie kein anderer. „Wenn jemand Dortmund einholen kann, dann wir“, sagte er nun der „Bild“ – der Dauerbrenner hat Luft für Großtaten in 2011. Note 3,0. © Getty
Breno: Der Brasilianer hat sich lange, lange in Geduld üben müssen. Erst stand er sich selbst ihm Weg, dann legte ihn ein Kreuzbandriss auf Eis. Seit dem 12. Spieltag bekam er regelmäßig die Chance, sich zu beweisen. Es heißt, er sei ein Wettkampftyp, der sich von Spiel zu Spiel steigert. Mal sehen. Note 3,5. © Getty
Martin Demichelis: „Mein Ziel ist es, zehn Jahre für den FC Bayern zu spielen“, sagte der Argentinier im Jahr 2008. Damals begann gerade seine fünfte Saison. Er hat sein Ziel nicht verwirklichen können. Zum Auftakt weigerte er sich, auf der Ersatzbank Platz zu nehmen, als er an Spieltag sieben dann erstmals ran durfte, legte er beim 0:2 in Dortmund ein denkwürdig desaströses Spiel hin, was landesweit mit einer „6“ honoriert wurde. Ab jetzt in Malaga tätig. Note 4,0. © Getty
Daniel van Buyten: Fiel wie sein Kollege Demichelis tief, hatte zwischendurch aber ein paar private Gründe als Entschuldigung. Die Bayern-Zeit des Belgiers neigt sich dem Ende zu, die Bosse sähen ihn schon bald veräußert, bis jetzt spielt da aber van Gaal noch nicht ganz mit. Die Zukunft heißt Badstuber/Breno. Note 4,0. © Getty
Holger Badstuber: „Der Junge muss mit einem Kreuz in die Saison gehen, das breiter ist als meins“, sagte Ausbilder Hermann Gerland im Sommer auf die Frage, ob sich der Jungnationalspieler irritieren lassen würde, dass er bei der WM seinen Platz in der Startelf verloren hatte. Und Badstuber ließ sich nicht irritieren, verrichtete in der Zentrale solide Dienst mit breitem Kreuz. Erst eine Schambeinentzündung bremste ihn nach dem 9. Spieltag aus. Note 3,0. © Getty
Diego Contento: Seine Position war im Sommer die einzig wirklich offene Planstelle, doch am Ende verzichteten die Bayern auf den Kauf eines linken Verteidigers, um dem Eigengewächs die Chance zu geben. Ganz zufrieden kann er mit der ersten Saisonhälfte nicht sein. Einen Teil fehlte er verletzt, einen Teil verbrachte er mit der Suche nach der Unbekümmertheit aus der vorhergehenden Rückrunde. Seine Planstelle steht auch im Winter wieder zur Disposition. Er muss kämpfen. Note 3,5. © Getty
Danijel Pranjic: Nein, eigentlich will der Kroate nie wieder linker Verteidiger spielen. In dieser Hinrunde half er dennoch ab und an auf der Position aus. Er spielt mit hohem Risiko, dabei unterlaufen immer wieder Ballverluste, die ihm Pfiffe einbringen. Aber so kommt er auch immer wieder in Position, um die Stürmer in Szene zu setzen. Mitläufer mit Licht und Schatten. Note 3,0. © Getty
Edson Braafheid absolvierte in der Hinrunde gerade einmal zwei Spiele. Der Niederländer genügte den Ansprüchen des FC Bayern nicht. Note 5. © Getty
Andreas Ottl: Er kam selten zum Einsatz, aber dann war stets auf ihn Verlass. „Diese Mannschaft hat eine rote Seele“, sagt er – und der gebürtige Münchner ist der lebende Beweis dafür. Note 3. © Getty
Bastian Schweinsteiger: Er brauchte bis zum sechsten Spieltag Zeit, um die WM aus den Knochen zu schütteln. Ab da sausten Leistungskurve und Noten nach oben. Klammert man die Startphase aus, wäre er top. Note 2,5. © Getty
Anatolij Timoschtschuk: Am 8. Spieltag erst schlug seine Stunde – dann aber gewaltig. Bis dahin schob der Ukrainer Reservisten-Frust, doch beim 3:0 über Hannover machte er als Innenverteidiger so einen guten Job, dass er ab da praktisch nicht mehr wegzudenken war. „Mit mir fährt keiner Schlitten“, sagte er vor einem Jahr, nun ist er den Kollegen tatsächlich ziemlich davongebraust. „Timo“ – der Hacklschorsch des FC Bayern. Note 2. © Getty
Der Kapitän ist intern nicht mehr so unumstritten wie in der Vergangenheit. Auch er hatte mit einer Verletzung zu kämpfen, und wenn ein alternder Leitwolf zu lahmen beginnt, beißen die Jungen. Pranjic wollte seinen Platz, Kroos bekam ihn einige Zeit, Alaba ist die Zukunft, Luiz Gustavo im Gespräch. Und van Bommel wohl bald Geschichte. Note 3,5. © Getty
Hamit Altintop: „Ich bin der Herausforderer“, umriss der türkische Nationalspieler seine Rolle vor der neuen Saison. Er hat bei van Gaal einen schweren Stand, das hat ihm im ersten Amtsjahr des Niederländers arg zu denken gegeben. Er wollte nun weniger denken und wieder im Stile eines Straßenfußballers auftreten, erklärte er im Sommer. Ab und an gelang es, er bleibt aber Herausforderer. Note 3,5. © Getty
Franck Ribery: Beim Franzosen klafft zwischen Spieltag 5 und 13 eine Lücke – da fehlte er verletzt. Trainer Louis van Gaal fand es schade, dass es ausgerechnet jetzt in die Winterpause geht, da Ribery gerade in Schwung gekommen war. Note 3,0. © Getty
Thomas Müller: Der Senkrechtstarter der letzten Saison gibt selbst zu, dass er einen Hänger hatte. Dennoch war er weiterhin stets ein Gefahrenherd, mit insgesamt sieben Treffern ist er Bayerns zweitbester Torschütze. Note 2,5. © Getty
Toni Kroos: Er hat sich geziert, als der FC Bayern im Frühjahr seine Rückkehr aus Leverkusen anordnete. Zweifel begleiteten ihn, ob er sich in der Startelf festbeißen wird können. Doch am Ende lag es nur an seinem Körper, der Tribut zollte nach einer langen Saison. Bis zu seiner Verletzung fehlte er in keiner Partie. Er sammelte auf einigen Positionen Erfahrungen. Ein Mann für die Zukunft. Note 3,0. © Getty
Mario Gomez: Uli Hoeneß hat ihm prophezeit, er müsste die Eiger Nordwand rauf, um sich durchzusetzen. Zum Hinrundenabschluss stehen wettbewerbsübergreifend 20 Tore auf seinem Konto. „Er ist jetzt eine wichtige Größe“, sagt Karl-Heinz Rummenigge. Gomez – der Reinhold Messner des FC Bayern, er scheint die hohe Hürde geschafft zu haben. Note 2,0. © Getty
Ivica Olic bestritt gerade einmal sechs Spiele, ehe er sich einen Knorpelschaden zuzog. Note 3,5. © Getty
Auch Miroslav Klose kam wegen diverser Verletzungen in der Hinrunde kaum zum Einsatz. Note 3,5. © Getty

Die Bayern sind ohne Titel geblieben. Trotzig steht Louis van Gaal in Lederhose auf dem Rathausbalkon und brüllt Passanten auf dem Marienplatz entgegen: „67 Prozent Ballbesitz – das hat nicht Dortmund, nicht Mainz, das hat nur FC Bayern, die beste Mannschaft Europas. Und ich bin ein Statistikbiest.“

Absteiger: der VfB Stuttgart mit 21 Punkten. Die 2. Liga freut sich auf den Zugang von oben, verspricht „einen großen Bahnhof“.

„Trainer des Jahres“ wird Christian Gross, weil er mit dem VfB Stuttgart noch am wenigsten anstellte. Der Mainzer Thomas Tuchel wird von den deutschen Vogelkundlern gewürdigt – für seine Verdienste um die Wahrnehmung des bedrohten Zaunkönigs.

Juni

Paul II., Nachfolger des verstorbenen Kraken Paul I., soll die Spiele der Frauenfußball-WM vorhersagen. Doch da hat er die Rechnung ohne Feminismus-Ikone Alice Schwarzer gemacht, die für diesen Fall zum Boykott der WM aufruft. „Im Jahr 2011 sollten sich Frauen nicht mehr männlichem Diktat unterwerfen.“ Für Paul II. fordert sie: „Schwanz ab. Oder besser: Schwänze ab. Alle.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel verfolgt einige der deutschen Siege auf der Tribüne erstaunlich teilnahmslos. Den Gang in die Kabine meidet sie. „Da gehe ich nur hin, wenn Mesut und Schweini da sind“, erklärt sie. Dennoch wird’s politisch in der deutschen Umkleide: Es kommen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Gemahlin Stephanie, die „mit den Spielerinnen im Einsatz von Frau zu Frau reden“ will. Zufällig ist Johannes B. Kerner mit dabei, er talkt zwei Wochen live aus der deutschen Kabine.

Juli

Macht gar nichts, dass die Garmisch-Partenkirchener sich Olympia verweigern. München bekommt die Winterspiele 2018 zugesprochen. Das IOC ist überzeugt vom kurzfristig ausgearbeiteten Konzept der Co-Austragung in Deutschland und einem ihm nahestehenden Land: Katar. Der wichtige Wirtschaftspartner springt beim „Snow Cluster“ ein. Alle Schneewettbewerbe finden in der Wüste statt. „Wir üben schon mal die Kühlung von Sportstätten für die Fußball-WM 2022“, sagt Scheich al-Thani, „und die Berge, die wir errichten müssen, werden danach zurückgebaut und in anderen Ländern aufgestellt, die gerne Berge hätten, etwa Holland“. Katar verspricht freien Transport von Fans und Athleten in Überschallflugzeugen zwischen München und Doha. DOSB-Chef Thomas Bach spricht von einem Jahrhundertkonzept: „Und wenn es doch technische Probleme geben sollte, machen wir aus dem Snow Cluster einfach einen Sand Cluster.“

Diesen Sommer schreibt Franck Ribery ausschließlich positive Schlagzeilen. Er hat eine Affäre mit Carla Bruni. „Bei ihr kann ich sicher sein: Sie ist volljährig“, sagt der Franzose. Der gehörnte Staatspräsident Nicolas Sarkozy tobt: „Das ist inakzeptabel!“ Ribery kontert: „Wieso? Ich streike doch nicht. Im Gegenteil: Ich bin sehr aktiv.“

Tour de France ohne Alberto Contador. Der Ex-Radstar ist jetzt Bio-Metzger. Der deutsche Tischtennisstar Dimitri Ovtcharov bestellt bei Contador seine Steaks.

August

Enthüllung bei Wikileaks. Verbunden mit der Frage: Wer hat das Material der Plattform zugespielt? Die IP-Adresse führt nach Luxemburg. Zu Ballack-Berater Dr. Michael Becker? Wikileaks jedenfalls zeigt auf, dass in den vergangenen Jahren Philipp Lahm, Christian Lell und Kevin Prince Boateng gemeinsame Urlaube verbrachten. Außerdem kann man auf Wikileaks Kaufbelege einsehen, wonach Philipp Lahm sich komplette DVD-Editionen von „Das Traumschiff“ sowie „Raumschiff Enterprise“ (Captain! Kirk) bestellte.

September

Nach erneut missglücktem Start in die Saison (Louis van Gaal: „Alle Spieler hatten sechs Wochen Urlaub, das ist zu lange. Unsere Stars sind Turniere im Sommer gewöhnt“ – Rummenigge: „Genau, das muss die FIFA endlich mal einsehen“) denkt der FC Bayern an personelle Aufrüstung. Der langfristig ausfallende Neuzugang Luiz Gustavo (Foul von Mark van Bommel vom VfL Wolfsburg) muss ersetzt werden. Chefscout Paul Breitner ist was zu Ohren gekommen von einem großartigen Star aus Holland, über den man sagt, er verbinde Eleganz mit Ausdauer und Technik und sei der Michael Jackson seiner Zunft. Und das Beste: zu haben für 15 Millionen Euro. „Bereits der Name lässt Kabinettstückchen erwarten.“ Die Bayern tätigen das Schnäppchen – und sind dann überrascht, dass Totilas ein Dressurpferd und kein Spieler ist. Der pflegeleicht gewordene van Gaal („Ich liebe meinen Vorstand“) versucht zu retten, was zu retten ist: „Vier Beine sind besser als zwei.“ Uli Hoeneß entscheidet: „Neben Basketball leisten wir uns eben noch ein Gestüt. Aus der blauen Kabine der Arena machen wir einen Stall.“

Neue Saison in der Deutschen Eishockey-Liga. Acht Klubs sind pleite gegangen, sechs übrig geblieben. DEL-Chef Gernot Tripcke sieht die Liga dennoch auf dem besten Weg. „Das Motto lautet jetzt: ,Deutschland hat ein Six-Pack’ bzw. ,Die DEL - Sechsy wie noch nie’.“

Oktober

Sebastian Vettel ist wieder Formel 1-Weltmeister – und der weltweit am besten verdienende Sportler. Haupteinnahmequelle: der blendende Absatz von Barbie-Puppen im Rennoverall, die mit brüchiger Stimme sagen: „Unbelievable. Thank you so much. I love you all.“ Millionen Käufer sind gerührt.

Ganz anders die Finanzlage beim TSV München. Überleben kann er nur, weil DFB und Bundesregierung festlegen, dass deutsche U-Nationalspieler ein freiwilliges soziales Jahr beim Zweitligisten absolvieren müssen. Neuer TSV-Trainer wird Werner Lorant. Geschäftsführer Schäfer: „Eine Gratislösung, denn ihm dürfen wir gar nichts bezahlen, das würden sofort seine Gläubiger schlucken.“

November

Bernie Ecclestone verkündet: 2012 werden alle 17 Rennen der Formel 1 in Katar stattfinden. Die Scheichs bauen 17 verschiedene Rennkurse, von denen fünf beregnet werden können. Nachnutzung der Straßen: Sie werden bei der Fußball-WM 2022 Hochgeschwindigkeitszubringer zu den Stadien.

Bundestrainer Jogi Löw nennt Bedingungen für eine Vertragsverlängerung: Die Nationaltrikots müssen hellblau, aus Merinowolle und mit V-Ausschnitt sein.

Magdalena Neuner hat mit Biathlon aufgehört und tritt die von Uli Hoeneß versprochene Stelle beim FC Bayern an: Für die Fan-Shops strickt sie exklusive Mützen, Schals und Dessous (welche sie im Fan-Katalog gleich selbst präsentiert).

Dezember

Louis van Gaal kündigt an, seinen Vertrag bei den Bayern über den 30. Juni 2012 nicht zu verlängern. Doch er wird in München bleiben – in seinem neuen Beruf als Restauranttester und Sommelier.

Bundeskanzlerin Angela Merkel vermeldet Vollbeschäftigung in Deutschland. Das Emirat Katar hat zwei Millionen Deutsche ab sofort mit Verträgen bis 2022 ausgestattet, sie sollen Doha bevölkern – als Sportkulisse. Der erste Einsatz ist schon zur Jahreswende, wenn die weltbesten Skispringer erstmals zur Vier-Dünen-Tournee an den Persischen Golf kommen.

Von Günter Klein

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