SpVgg Unterhaching will keinen „großen Investor“

Schwabl lobt Präsidenten-Kollege: „Reisinger macht einen guten Job“

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Manni Schwabl ist das Gesicht der SpVgg Unterhaching. 

In einem Interview spricht Unterhachings Präsident Manfred Schwabl über die Ausgliederung des Profibereichs, Abwerbungsversuche des TSV 1860 und eine brisante Wette mit Thomas Miller.

Die Ausgliederung des Profibereichs wurde bei der Jahreshauptversammlung im Dezember beschlossen. Gänzlich ohne Gegenstimme einigte man sich auf die Gründung der „Spielvereinigung Unterhaching GmbH & Co. KGaA“. Damit gehen die Hachinger einen großen Schritt in Richtung Zukunft und entscheiden sich bewusst für den Profi- und gegen den Amateurfußball. In Anbetracht der seit Jahren angespannten Situation beim Rivalen 1860 München, entschloss man sich jedoch gegen „den einen großen Investor“, wie Schwabl im Interview mit der az sagt. „Davor schrecken doch alle zurück“. Stattdessen möchte die Spielvereinigung einen anderen, gemeinsamen Weg gehen: „Wir wollen versuchen, das Ganze auf mehrere Schultern zu verteilen“, betont der Präsident. Die Odyssee an der Grünwalder Straße scheint in Unterhaching also vor allem als Negativbeispiel wahrgenommen zu werden. Bei den Vorstädtern möchten sie deshalb „sehr genau hinschauen, wen wir letztendlich mit reinnehmen“.

Dass die neue, gewinnorientierte Ausrichtung bitter nötig ist, sprach der vierfache Nationalspieler schon mehrmals an. Ihm geht es darum, „den Finger in die Wunde zu legen“. In der 3. Liga könne sich kein Verein lange aufhalten, ohne langfristig in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten zu gelangen. Ein Grund dafür ist für Schwabl die ungerechte Verteilung der Fernsehgelder: „Wenn man von der TV-Vermarktung ungefähr ein Zehntel dessen erhält, was ein Zweitligist bekommt, ist die Kluft einfach viel zu groß“. Weiter wünscht sich der Präsident ein Modell, das die Förderung der Nachwuchsspieler finanziell attraktiver gestaltet. Die 3. Liga würde immer als Ausbildungsliga bezeichnet, dafür sehe er aber „viel zu wenige Nachwuchsspieler auf dem Platz“.

WM 2006 bremste Schwabls Pläne für Grünwalder Stadion aus

Der DFB hingegen möchte ein „Wettrüsten in die Spieler“ verhindern. Schwabl zeigt sich mit seiner Antwort zwar sehr diplomatisch („auch eine Meinung“), er äußert auch Verständnis für die Maßnahmen mancher Klubs. Die Vereine investieren in teure Spieler, „weil alle rausmüssen“ aus der 3. Liga.

Auch über vergangene Avancen seines Ex-Vereins, dem TSV 1860 München, berichtet der 52-Jährige. Der Verwaltungsrat der Löwen wollte den gebürtigen Holzkirchner schon des Öfteren zu Sechzig holen. Diese Angebote lehnte er allerdings entschlossen ab. In Unterhaching und Holzkirchen sei er zu tief verwurzelt. Seinem Präsidenten-Pendant an der Grünwalder Straße spricht er Lob aus: „Robert Reisinger macht einen guten Job“, findet Schwabl. 

Was das Sechzgerstadion anbelangt, verweist er auf seine eigenen Pläne um die Jahrtausendwende. Damals schon sollte das Stadion umgebaut werden. Eine Machbarkeitsstudie ergab, dass 30.000 Zuschauer im Grünwalder Stadion durchaus möglich gewesen wären. Als die Weltmeisterschaft 2006 jedoch final an Deutschland vergeben wurde, war Schwabl „klar, dass in München ein großes und gemeinsames neues Stadion kommt“.

„Da war der Werner Lorant ganz schön sauer“

Eine Anekdote aus seiner Zeit als Profi bei den Löwen gab der ehemalige Mittelfeldspieler auch noch preis. Bei einem Telefongespräch mit Löwen-Legende Thomas Miller erinnerten sie sich an eine Wette, die er und Miller vor einem Bundesligaspiel abgeschlossen hatten und die Schwabl gewann. Das Ziel: So schnell wie möglich eine gelbe Karte kassieren. Der Haching-Boss langte kurz nach Spielbeginn hin, wurde verwarnt  und musste nach 25 Minuten mit der Ampelkarte den Platz verlassen. „Wir haben zwar gewonnen, aber da war der Werner Lorant ganz schön sauer“, erinnert er sich an ein Donnerwetter des ehemaligen Löwen-Dompteurs. 

Text: Roman Schwaiger

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