Wer würde Sechzig aufnehmen?

Löwen auf Stadionsuche: tz schaut ins Umland

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Quo vadis, Sechzig? Investor Hasan Ismaik (r.) und Präsident Peter Cassalette sind auf der Suche nach einem Standort für ein neues Stadion.

München - Die Aussichten der Löwen auf ein neues Stadion in München sind alles andere als gut. Deshalb nimmt die tz das Umland unter die Lupe. Wo könnte Sechzig eine Heimat finden?

Wohin mit den Löwen? Fürs neue Stadion werden Hasan Ismaik und Präsident ­Peter Cassalette ihre Blicke weit schweifen lassen müssen. In München scheint sich kaum ein Platz zu finden - also muss aufs Münchner ­Umland geschaut werden. Ismaik hatte das ja schon vor längerem in den Raum geworfen, und auch Cassalette sagt: „Ob Taufkirchen oder Fröttmaning - da sehe ich keinen Unterschied!“ Dennoch betont der Oberlöwe: „Als Münchner Verein würden wir natürlich lieber in ­München spielen.“ Die Peripherie als Alternative, als B-Lösung. Dass eine Lösung her muss, ist nach den Äußerungen von Ismaik & Co. klar. „Durch die Erwartungen der Fans stehen wir zeitlich unter Druck. Wir müssen zügig eine Alternativlösung anbieten“, so Cassalette. Dazu müsste sich aber eine Gemeinde finden, die auf die Löwen scharf ist. Die tz hat nachgefragt.

Umzug ins Olympiastadion ist eher unrealistisch.

Aying

Günther Schön, Bauamtsleiter von Aying sagt: „Unsere Gemeinde ist nicht geeignet als Standort. Wir sind sehr ländlich geprägt, mit kleinen Ortschaften. So ein Stadion würde da alle Dimensionen sprengen.“

Pullach

Swantje Schütz von der Presseabteilung in Pullach wehrt ab: „Wir verfügen definitiv über keinen Platz für den Bau eines 1860er-Stadions. Wir haben hier selber einen Verein, den SV Pullach, der ein neues Stadion bauen möchte. Wir haben selbst schon bei den umliegenden Gemeinden angefragt, aber bisher nur Absagen bekommen. Aber wenn unsere Mannschaft wieder aufsteigt, brauchen wir wohl ein Stadion mit höherer Kapazität als jetzt.

Baierbrunn

Andreas Braun, Bauamtsleiter in Baierbrunn ist „als Löwen-Fan ein wenig befangen (lacht). Rein beruflich muss ich sagen, dass es bei uns keine Chance auf ein Stadion gibt. Das ist ein riesiges Baurechtsproblem. Sportlich gesehen fände ich Baierbrunn als Ort auch nur mäßig für 1860. Ich würde eine Rückkehr ins Olympiastadion begrüßen, das bringt eine Urbanität mit rein. Außerdem ist es wunderbar zu erreichen. Auch das Grünwalder Stadion steht doch noch. Ich verstehe nicht, warum das nicht in Frage kommt.“

Unterhaching

Simon Hötzl, Referent des Bürgermeisters von Unterhaching stellt klar, „dass 1860 bei uns nicht bauen kann. Wir haben ja selber ein Stadion. Außerdem ist Unterhaching zu dicht besiedelt. Wir sind eine kleine Gemeinde, eingeengt zwischen zwei Autobahnen – und die Bodenpreise sind in den letzten Jahren explodiert.“

Sauerlach

Hubert Zellner, Bauamtsleiter in Sauerlach meint, „die Frage, ob 1860 bei uns bauen kann, ist schwierig zu beantworten. Wir reden hier natürlich von einer riesigen Dimension. Eine solche Fläche gibt es in Sauerlach nicht. Das Grundstück müsste von Privatpersonen gekauft werden. Ich kann es abschließend nicht sagen, ob es möglich wäre, aber interessant wäre so ein Bauvorhaben natürlich.“

Das war einmal die Heimat der Profis: Im Grünwalder Stadion spielen nur noch die kleinen Löwen.

Höhenkirchen

Markus Burkard vom Bauamt in Höhenkirchen erklärt, dass seine Gemeinde „nicht über eine so große Fläche verfügt. Dafür müsste man die komplette Flächenpläne der Gemeinde über den Haufen werfen. Ich persönlich interessiere mich aber nicht für Fußball.“

Feldkirchen

Heinz-Josef Reiser, Geschäftsleiter in Feldkirchen sagt: „Ein Stadion hier wäre naheliegend, schließlich liegen wir in der Nähe von Riem. Uns fehlt aber einfach die Fläche für so einen Neubau, von den Parkplätzen ganz zu schweigen! Ich glaube auch nicht, dass die Gemeinde unbedingt von dem Stadion profitieren würde. Ich befürchte eher Verkehrsprobleme. Außerdem ist die Grünwalderstraße einfach die Herzkammer der Löwen.“

Ismaning

Dr. Alexander Greulich, Erster Bürgermeister in Ismaning könnte sich für den Gedanken erwärmen: „Der erste und der zweite Bürgermeister sind Blaue, dazu der halbe Gemeinderat. Beim Relegationsspiel gegen Kiel waren wir fast beschlussfähig im Stadion. Wir würden die Löwen mit offenen Armen begrüßen (lacht). Platz hätten wir! Wir haben ja auch schon der zweiten Mannschaft der Löwen während des Umbaus des Grünwalder Stadions eine Heimat geboten, dazu war Willy Bierofka hier schon Trainer. Vorstellen kann ich es mir aber nicht, 1860 ist ein Münchner Verein. Trotzdem ein sympathischer Gedanke.“

So lautete der Briefwechsel zwischen Hasan Ismaik und OB Dieter Reiter im Wortlaut.

Oberschleißheim

Christian Küchlbauer, Erster Bürgermeister in Oberschleißheim sagt: „Über ein Stadion würden sich hier sicher viele freuen. Der Platz ist ein Problem, wir haben viel Landwirtschaft. Außerdem planen wir gerade ein Gewerbegebiet. Vom Verkehr her wäre es auch schwierig. Wenn wir aber mit einem Stadion an die U-Bahn angeschlossen werden oder eine zweite S-Bahn Haltestelle bekommen würden, wäre das nicht schlecht. Hasan Ismaik kann gerne zum reden kommen!“

Haar

Gabriele Müller, Erste Bürgermeisterin in Haar wäre offen - muss aber ablehnen: „Wenn es nach mir geht gerne. Aber leider haben wir gar keine Fläche. Wir liegen zwischen München und Ebersberg und haben dementsprechend keinen Platz. Es wäre aber schon ein Image-Gewinn für uns, außerdem wäre es auch ein Wirtschaftsfaktor.“

Planegg

Stefan Schaudig, Geschäftsleiter in Planegg glaubt, dass „das wohl einige in der Gemeinde begrüßen würden. Aber man muss nüchtern betrachtet sagen, dass wir den Löwen keine Heimat liefern können. Wir haben einfach keine Fläche dafür! Außerdem ertrinken wir jetzt schon im Verkehr.“

Auch hier waren die Löwen einmal zu Hause: Simon Jentzsch (r.) erklärt Martin Max im Olympiastadion, was nicht so gut läuft.

Taufkirchen

Ullrich Sander, Erster Bürgermeister von Taufkirchen weiß, dass er „das natürlich nicht alleine entscheiden kann. Da müssten eine Menge Leute an einem Strang ziehen. Wir haben zwar vier Autobahnausfahrten, aber die sind schon ziemlich überlastet. Grundsätzlich finde ich die Idee aber sehr interessant. Wir haben seit kurzem eine Jochen-Schweizer-Arena - und ein Löwenstadion wäre ein weiterer Baustein. Obwohl das bautechnisch und infrastrukturell natürlich problematisch wäre, würde ich mich gerne mit den Verantwortlichen des TSV an einen Tisch setzen.“

Unterföhring

Andreas Kemmelmeyer, Erster Bürgermeister in Unterföhring stellt klar: „Ich habe blaues Blut und bin auch Jahrgang 1966, als der TSV Meister wurde (lacht). Trotzdem sehe ich die Entwicklung momentan sehr kritisch. Man sollte sich zuallererst über den sportlichen Erfolg Gedanken machen und nicht über ein eigenes Stadion mit über 50.000 Zuschauern Kapazität. Abgesehen davon fehlt uns der Baugrund, wir sind ja eine kleine Gemeinde. Zudem haben wir mit dem FC Unterföhring einen lokalen Verein, der hoffentlich ab 2020 ein Regionalliga-taugliches Stadion hat. Das Olympiastadion war nie ein reines Fußballstadion und wäre für mich auch nicht erste Wahl.“

Neubiberg

Volker Buck, Zweiter Bürgermeister in Neubiberg sagt: „Wir haben jetzt schon Probleme, den Forderungen der Stadt München nach mehr Wohnflächen nachzukommen. Außerdem hätten wir gar kein Areal in dieser Größe zur Verfügung. Zudem haben wir mit dem Stadion von Unterhaching Konkurrenz ganz in der Nähe. Ich weiß nicht, ob das gut gehen würde.“

Neue alte Heimat? Das Olympiastadion im Fakten-Check.

Florian Fussek, Riad Ma hmoud

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