Für die tz gratuliert er Lienen zum 60.

Stoffers' Laudatio: Ewald und Penelope

+
Manfred Stoffers (r.) und Ewald Lienen zu gemeinsamer Löwen-Zeit.

München - Die tz hat Manfred Stoffers gebeten, eine Laudatio auf Ewald Lienen zu dessen 60. Geburtstag zu verfassen. Heraus kam eine Lobeshymne im typischen Stil des ehemaligen Löwen-Geschäftsführers.

Ewald und Penelope

Sie heißt Penelope von Poppelsdorf. Bernfried B., mit dem sie in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung mit Süd-West-Balkon in Köln-Kalk lebt, nennt sie in Augenblicken tiefster Vertrautheit sanft „Penny“. Penelope reagiert darauf immer höchst irritiert und indigniert. „Wenn das jemand hört. Penny steht für billig. Und ich bin alles andere als billig.“ Dies denkend, wirft sie ihren Kopf entnervt in den Nacken, würdigt Bernfried keines Blickes, schreitet gravitätisch zu ihrer Recamiere und drapiert sich etwas umständlich, aber doch insgesamt elegant auf einer Persianer-Decke, die ihr Bernfried zum letzten Geburtstag geschenkt hatte. Ihre Körperhaltung bleibt angespannt und zickig distanziert. Der Grund dafür ist simpel. Jedes Mal, wenn sie sich auf das fein gelockte Persianerfell legt, wühlt in ihr der Gedanke: „Will Bernfried, dass ich auch so fein gewellte Locken habe?“ Eigentlich muss sie den Vergleich nicht scheuen. Und trotzdem: Eine Penelope von Poppelsdorf ist unvergleichbar und unvergleichlich. Schließlich ist sie die Tochter von Petronella von Poppeldorf und Ferdinand von Feudenberg - übrigens beide mehrfach vom Elite-Pudelzuchtverein Gau Rheinland prämiert.

Was hat Penelope von Poppelsdorf aus Köln-Kalk mit Ewald Lienen aus Mönchengladbach zu tun? Eigentlich nichts. Aber uneigentlich doch. Warum hat Bernfried B. das Pudel-Mädchen nicht Hermine oder Brunhilde genannt? Ganz klar. Er wollte kein kämpferisches Pudel-Weib, das jeden Rottweiler in die Flucht schlägt. Nein, er wollte eine elegante Pudeldame, die ein bisschen exzentrisch ist, die distinguiert bellt und wenn sie schon rülpsen muss, dies im nervenschonenden Dreivierteltakt tut. Der Name ist nicht zufällig. Er steht für ein Programm.

Warum haben Mama und Papa Lienen das strampelnde und zahnlose Wesen, das sich am 28.11.1953 aus Mama Lienens wohliger Wärme in die spätherbstliche Kälte von Liemke gequält hatte, Ewald genannt. Aus dem leicht verknautschten Wonneproppen hätte auch gut ein Gottfried, ein Friedemann, ein Heinz-Dieter oder ein Karl-Josef werden können. Sie entschieden sich für EWALD. Damit war alles klar. Dieser Junge wird kein Puppenspieler, dieser Junge wird kein Warmduscher und erst recht kein beglucktes Weichei. Dieser Junge wird ein Raufbold für die gute Sache. Sonst wäre der Name Ewald ja ein Etikettenschwindel. Und der kam bei Lienens nicht in Frage.

Bei Ewald ist es wie bei Penelope. Nicht nur, dass beide auf ihren Namen hören. Bei beiden kennzeichnet der Name das Lebensprogramm. Ewald, das Wort „ewa“ stand bei unseren Vorfahren für Recht und Ordnung. Und „waltan“ meinte beherrschen, regieren, bewahren. Für unsere Ur-Ur-Ur-Großmütter und –väter war der Ewald derjenige, der darauf achtete, dass alles mit rechten Dingen zuging. Berühmt wurde der Name Ewald im siebten Jahrhundert als die Brüder Ewaldi, zwei Missionare, irgendwo bei Dortmund erschlagen wurden. Fast hätte sich deren trauriges Schicksal bei ihrem Namensnachfahren 1981 wiederholt. Ewald Lienen war damals wie immer im Einsatz für die Fairness, als er auf dem Feld der Fußballehre vom unglückseligen Gegner aufgeschlitzt wurde. Hätte er Claus-Diether geheißen, wäre er in Märtyrerpose liegen geblieben und hätte unter mitleidiger Anteilnahme des Publikums auf die Sanitäter gewartet. Er aber wird seinem Namen gerecht und rennt mit den um seinen blanken Oberschenkelknochen flatternden Fleischfetzen an den Spielfeldrand, um Otto Rehagel zur Rede zu stellen. Er stellt übrigens viele zur Rede, am liebsten Politiker in Sachen Frieden. Die Brüder Ewaldi wären stolz auf ihn gewesen, obwohl er nicht für den lieben Gott, sondern für den Frieden stritt.

Ewald kam zu der Überzeugung, Krieg ist Kacke. Er meint es ernst. Vom Verstand her ist er überzeugter Pazifist. Vom Herzen her ist er überzeugter Fußballer. Wie passt das zusammen? Auf dem politischen Podium dem Publikum das primitive Kriegsspiel auszutreiben und auf dem Fußballfeld etwas zu tun, was bei genauer Betrachtung nichts anderes ist als ein sportlich verbrämtes Kriegsspiel. In München-Giesing hat man ihn oft weit über das Trainingsgelände hinaus brüllen hören „Ihr müsst Euch die Hasskappe aufsetzen, wenn ihr die Osterhasen aus XY durchs Netz treten wollt“. Die niederen Instinkte der Fußball-Jungs hörten das gern und folgten ihm. Ewald – der Pazifist mit Hasskappe. Das passt. Denn die Hasskappe hat den wunderbaren Vorteil, dass man sie sich nach Belieben überstülpen und wieder absetzen kann. So schafft man es, die Aggressivität mit Hasskappe in der Arena auszuleben und ohne diese Kopfbedeckung im normalen Leben friedfertig miteinander umzugehen. Allerdings klappt das nur, wenn der Fußball nicht zum Lebensinhalt wird, sondern eine der wahrscheinlich schönsten Nebensachen bleibt.

Genauso wie mit der Aggressivität hält Ewald es mit dem Laktattest und der Sauce Hollandaise. Es kann einem schon einmal passieren, dass man mit ihm beim gesunden Spargelessen über die Bedeutung der Laktatwerte für die Leistungsfähigkeit von Mannschaft und Trainer redet. Ewald ist ganz in seinem Element, die Argumente prasseln auf einen nieder, der Spargel ist verzehrt und die Sauciere leer. Ewald winkt die Bedienung herbei und bestellt eine zweite Portion und sagt zur Klarstellung „Keinen Spargel, nur die Sauce.“ Ungefragt schaut er einen dann ohne mit der Wimper zu zucken an und sagt nur: “Ich weiß, ich weiß“. Grienend nickt er, wenn man dann mit ernster Miene feststellt, dass die Laktatwerte der Seele ganz anders optimiert werden müssen als die im Blut. Man kann sicher sein, dass der Saucen-Ekstase eine Kasteiung durch einen Zuschlag beim eigenen Lauftraining folgt. Ordnung muss sein. Hieße er sonst Ewald?

Wenn Sie, geschätzte Leser, den Wunsch in sich oder in den dafür von der Natur vorgesehenen Körperregionen aufkeimen fühlen, sich fortzupflanzen, folgen Sie diesem Antrieb hemmungslos und genussvoll. Wenn Sie die dafür vorgesehene Übung erledigt haben, sollten Sie allerdings sofort mit der Namenssuche beginnen. Wenn sich die Natur für die Kreation eines Knaben entscheidet, stehen Sie vor einer schweren Wahl. Denn mit dem Namen entscheiden Sie sich für ein Programm. Sollten Sie auf die Idee kommen, Ihren Sohn Manfred zu nennen, lassen sie es. Das wird nix, ich weiß wovon ich rede. Das wird ein harmoniebedürftiger Sonderling, eben Man-fred = Mann des Friedens. Jupp, wie sein Namenspatron demütig, bescheiden, liebevoll und zurückhaltend wäre eine gute Wahl, ist aber ein bisschen aus der Mode gekommen. Uli geht gar nicht, was jedem sofort einleuchtet. Am Beispiel von Penelope und Ewald haben Sie erfahren, dass die ollen Römer Recht hatten, wenn sie sagten, dass der Name ein Zeichen sei – Nomen est Omen. Sollten Sie Ihren Sohn eventuell doch Ewald nennen? Wenn er so würde wie unser Ewald, wäre es eine ausgesprochen gute Namenswahl.

Ewald lebt so wie er heißt und heißt so wie er lebt. Er ist mit sich identisch. Das nennt man ein gelungenes Leben. Es ist ihm und uns allen zu wünschen, dass er sich nicht ändert.

In freundschaftlicher Verbundenheit

Manfred Stoffers

Die besten Stoffers-Sprüche

Die besten Stoffers-Sprüche

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Unumgänglicher Schritt“: 1860-Verwaltungsrat tritt zurück
1860 München
„Unumgänglicher Schritt“: 1860-Verwaltungsrat tritt zurück
„Unumgänglicher Schritt“: 1860-Verwaltungsrat tritt zurück
Die Bender-Zwillinge: Starallüren? Komplette Fehlanzeige! Ex-Profis leben die Kreisklasse
1860 München
Die Bender-Zwillinge: Starallüren? Komplette Fehlanzeige! Ex-Profis leben die Kreisklasse
Die Bender-Zwillinge: Starallüren? Komplette Fehlanzeige! Ex-Profis leben die Kreisklasse

Kommentare