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Aufstieg verspielt? Löwen nicht nur mental zu schwach

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Von: Uli Kellner

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Richard Neudecker bei einem Zweikampf im Derby gegen Türkgücü.
Geht den Löwen im Aufstiegskampf die Luft aus? Nur Richard Neudecker erreichte beim 1:2 gegen Türkgücü halbwegs Normalform. © Imago

Wie im Vorjahr haben sich die Löwen von einem notleidenden Stadtrivalen in die Aufstiegssuppe spucken lassen. Für Pleite bei Türkgücü gibt es allerdings Gründe.

Es war das Bonusspiel im Hintergrund – eine Partie, die nicht nur Fans gedanklich bereits als Sieg verbucht hatten. Der Plan: Türkgücü nach der finanziellen auch eine sportliche Pleite beibringen – und selber mit drei Punkten die Lücke zu den Topteams der 3. Liga schließen. Umso größer die Ernüchterung, die sich nach der 1:2 (0:0)-Niederlage im Nachhol-Derby einstellte. Der Trainer brachte die Gemütslage im Löwen-Lager auf den Punkt. „Diese Pleite ist richtig schmerzhaft“, kommentierte Michael Köllner das Kollektivversagen am Mittwochabend: „Das war zu wenig, technisch zu schlecht.“ Aufstiegsträume würden sich nach dieser Leistung verbieten: „Diese Niederlage wird uns die nächsten Tage beschäftigen.“

 Eine externe Analyse gibt es bereits heute – in unserer großen Mängel-Übersicht.

Mentale Schwäche

Stefan Lex ist ein Mann der klaren Worte. „Das war mutlos“, sagte der Kapitän und deutete ein heikles Thema an – nämlich die Frage: Sind die Löwen mental in der Lage, ernsthaft um den Aufstieg zu kämpfen? Zweifel sind angebracht, denn nicht zum ersten Mal knickte die Köllner-Elf ein, wenn der Sprung nach ganz vorne drin gewesen wäre. Duplizität der Ereignisse: Im Mai 2021 war es ein Dusel-2:2 gegen Bayern II, das eine bessere Ausgangslage für das „Endspiel“ in Ingolstadt kostete. Und auch jetzt war es ein Stadtrivale, der dem Favoriten in die Aufstiegssuppe spuckte. Bezeichnend: Beide Male sind die Löwen an Gegnern gescheitert, die in aussichtsloser Lage ihr Herz in die Hand nahmen.

Schmaler Kader

Am Samstag war es Meppens Winterzugang Feigenspan, der 1860 spät zwei Punkte raubte. Und gegen Türkgücü waren es gleich zwei Einwechselspieler, die mit Toren in der Schlussphase das Spiel entschieden (Hottmann per Kunstschuss, Sararer per Strafstoß). 1860 dagegen? Konnte auch am Mittwoch nur Linsbichler und zwei andere Talente nachlegen. Es rächt sich gerade Woche für Woche, dass die Löwen seit dem Mölders-Aus und dem Wein/Willsch-Ausfall einem Schmalspurkader ihre Aufstiegsmission anvertrauen.

Fatale Transferpolitik

Was geradewegs zum nächsten Kritikpunkt führt: der wenig zielführenden Personalpolitik. Auch den Gesellschaftern müsste klar gewesen sein, dass eine Kader-Renovierung im Januar die Aufstiegschancen erhöht hätte. Besonders bitter: Verstärkungen hätte es auf dem Silbertablett gegeben. Das Beispiel Tim Rieder zeigt, dass 1860 mal wieder am falschen Ende gespart hat. Dem Vernehmen nach ist die Rieder-Rückkehr an 1000 Euro pro Monat gescheitert. Und er wäre nicht der einzige Routinier gewesen, der vermutlich zu Fuß von der Heinrich-Wieland-Straße nach Giesing geflüchtet wäre. Auch abgezockte Profis wie Sararer oder Sliskovic (nach Wiesbaden) hätten dem braven Löwen-Kader gut getan. Köllner gab mit Blick auf die Fairplay-Tabelle zu, in der 1860 Platz 1 belegt: „Wir müssen das Regelwerk nicht minimal, sondern maximal ausnutzen, das Spiel am Ende auch mal mit Fouls unterbrechen. Für solche Dinge war Dennis Erdmann immer wichtig. Solche Spielertypen haben wir aber nicht mehr.“

Ungewisse Zukunft

Nicht nur Marco Hiller, auch das Gros seiner Mitspieler weiß nicht, ob 1860 das Geld zusammenbekommt, um das Gerüst des Teams über den Sommer hinaus zu halten. Acht, neun Profis aus der erweiterten Stammelf hängen drei Monate vor Saisonende vertraglich in der Luft: neben Hiller und Dressel (will in die 2. Liga) auch Neudecker, Lang, Greilinger, Biankadi, Salger, Linsbichler und Herzmuskel-Patient Staude. Wozu diese Unsicherheit führen kann, hat nicht nur Ex-Trainer Daniel Bierofka, sondern auch Köllner schon erlebt. In ähnlicher Lage – mit sogar 17 auslaufenden Verträgen – verspielten die Löwen im Corona-Sommer 2020 ihre zwischenzeitlich hoffnungsvolle Position im Aufstiegskampf.

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