Löwen-Trainer äußert sich auch zu Grimaldi

Bierofka exklusiv im großen Interview: Fetsch und Schäffler? „Ich kann mir vorstellen ...“

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Daniel Bierofka.

Trainer Daniel Bierfoka vom TSV 1860 München hat sich mit Aussagen in der Öffentlichkeit seit dem Rückrundenstart zurückgehalten. Im großen Interview erklärt er, warum.

München - Nicht quatschen, sondern arbeiten. An diesem Motto seines früheren Trainers Werner Lorant (70) scheint sich Daniel Bierofka (39) im neuen Jahr zu orientieren. Beim Vorbereitungsstart überließ er das Gespräch mit der Presse Sportchef Günther Gorenzel, und auch sonst meidet der 1860-Coach derzeit öffentliche Auftritte. Für uns machte er eine Ausnahme.

Herr Bierofka, Ihre Zurückhaltung lässt auf einen gewissen Verdruss schließen. Auch vereinspolitisch geht es mal wieder drunter und drüber. Wie sehr nervt das?

Bierofka: Zur Vereinspolitik werde ich mich nicht mehr äußern. Ich hab gemerkt: Egal, was ich sage – mein Wort wird in die eine oder in die andere Richtung ausgelegt. Deswegen will ich mich das nächste halbe Jahr ganz auf den Sport konzentrieren.

Sie machen ja parallel auch noch Ihre Fußballlehrer-Ausbildung in Hennef. Wie kräftezehrend ist diese Doppelbelastung?

Doppelbelastung geht Bierofka an die Nieren

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Bierofka: Man darf das nicht unterschätzen. Wenn es reichen würde, ab Donnerstag eine Mannschaft zu trainieren, dann würden das viele Trainer machen. Das ganze Jahr war überhaupt ziemlich anstrengend und emotional. Weil ja auch sonst einiges los war. Die Relegation. Nur drei Tage Pause danach. Kaderplanung. Das erste Mal 3. Liga. Dazu der ganze Stress mit der Fahrerei. Ich bin froh, dass ich über Weihnachten ein bisschen frei hatte und auch mal sieben Tage das Handy ausgeschaltet lassen konnte.

Und dann geht es wieder los am 4. Januar – und es gibt direkt neuen Ärger, weil Adriano Grimaldi plötzlich keine Lust mehr auf 1860 hat.

Bierofka: Auch zu diesem Thema möchte ich gar nicht mehr viel sagen. Nur so viel: Im September hat er noch ein Interview gegeben und alles gut gefunden hier. Danach muss irgendetwas passiert sein. Nachvollziehen kann ich es nicht, aber wir versuchen, das jetzt anständig zu regeln. Im Fußball passiert es eben ab und zu, dass ein Spieler unzufrieden ist. Und wenn er keinen Weg mehr sieht, hier Fußball zu spielen, dann muss man eben darauf reagieren. Das Transferfenster ist bis 31. Januar geöffnet. Bis dahin sollte es eine Lösung geben. Und wenn nicht, dann müssen wir eben schauen, wie wir verfahren.

Bierofka zu Schäffler und Fetsch: „Ich kann mir nicht vorstellen ...“

Zwei Ex-Löwen hatten Sie im Verlauf der Hinrunde positiv erwähnt: Manuel Schäffler und Mathias Fetsch, der eine in Wehen, der andere in Halle. Kandidaten?

Bierofka: Beide haben noch Verträge und sind wichtige Spieler in ihren Vereinen. Wir müssen uns eher nach Spielern umschauen, die irgendwo unzufrieden sind, die man vielleicht ausleihen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schäffler und Fetsch momentan zu haben sind.

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Stellt sich die Frage, wie viel Geld zur Verfügung steht. Nachdem das Präsidium keine Darlehen mehr von Hasan Ismaik annehmen will, wurde seitens der Geschäftsführung ein harter Sparkurs angekündigt.

Bierofka: Auf die endgültigen Zahlen warte ich noch. Michael Scharold ist dran. Der Verein gibt es vor – und der Günter (Gorenzel) und ich, wir müssen uns danach richten. Es hilft ja nichts, groß rumzulamentieren. Wir müssen damit leben, dass das jetzt so ist.

Klingt so, als würden Sie sich bereits auf einen Neuaufbau einstellen.

„Alles rauspressen - wie aus einer Zitrone

Bierofka: Zunächst mal müssen wir versuchen, alles aus der Mannschaft rauszupressen – wie aus einer Zitrone.

Ein Rückschlag ist das allemal für die mittelfristigen Aufstiegspläne.

Bierofka: Ich rechne immer mit Wahrscheinlichkeiten. Und wahrscheinlich ist, dass es dann halt länger dauert. Aber dann ist das eben so.

Es hört sich an, als sei Ihre Motivation ungebrochen. Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, auf der Stelle zu treten?

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Bierofka: Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Kämpfernatur bin.

Die Fans müssen sich nicht sorgen, dass Sie eines Tages das Weite suchen? Einige Zweitligisten haben Sie auf dem Zettel.

Bierofka: Ich weiß auf jeden Fall, dass meine Arbeit von anderen Vereinen relativ gut bewertet wird. Es freut mich, dass ich diese Reputation habe, aber fühle mich meiner Mannschaft nach wie vor sehr verbunden. Im Fußball weiß man aber nie, was passiert. Da gibt es kein Gestern, sondern nur das Heute und vielleicht ein Morgen. Ich werde nie sagen: In zehn Jahren bin ich auch noch Trainer hier. Aber momentan macht’s mir schon noch sehr viel Spaß.

Das Ziel ist der Aufstieg

Diese Verbundenheit drückt ja schon Ihre aktuelle Vertragslaufzeit aus. Bis 2022. Ein Statement?

Bierofka: Genau.

Bestimmt hatten Sie ein Ziel im Kopf, als Sie diesen Vertrag unterschrieben haben: die 2. oder gar 1. Liga vermutlich.

Bierofka: Ziel ist natürlich, noch mal mit Sechzig aufzusteigen. Klar ist aber auch: Wir müssen uns an den Realitäten orientieren und dürfen keine Luftschlösser bauen. Wir müssen eine Mannschaft zusammenschrauben, die mithalten kann. Und wir müssen umso mehr junge Spieler entwickeln. Das macht mir aber auch Spaß. Ich war ja auch lange Trainer der U 21.

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Wie könnte es denn aussehen, das junge Team der Zukunft?

Bierofka: Wir werden den Kader verkleinern müssen. Die Spieler, die es betrifft, werden wir auch frühzeitig informieren und sie nicht unnötig auf die Folter spannen. Von den jungen Spielern wird Dennis Dressel eine Rolle spielen, auch Leon Klassen und Fabian Greilinger, obwohl der erst 18 ist. Und wir haben ja nach wie vor eine gute Mannschaft mit gestandenen Spielern. Wir haben Lexi, Karges, Molli, Vino (Stefan Lex, Nico Karger, Quirin Moll. Daniel Wein). Das ist schon ein Gerüst, auf dem man aufbauen kann.

Ausbildung erschwert die Kommunikation mit der Mannschaft

Wie läuft denn Ihre Ausbildung?

Bierofka: Bis zum 13. März stehen noch ein paar Prüfungen an, die muss ich jetzt durchziehen. Aber es läuft gut.

Selbst Experten hatten ja befürchtet, dass der Draht zur Mannschaft leiden könnte, wenn Sie die halbe Woche abwesend sind.

Bierofka: Ich denke, bei den Spielern, die länger da sind, ist es überhaupt kein Problem. Die kennen mich in- und auswendig. Da gab es nie ein Problem, weil ich immer ehrlich zu ihnen bin. Dass es die Kommunikation erschwert, liegt auf der Hand. Wenn ich am Donnerstag komme, kann ich nicht mit jedem reden. Und am Sonntag muss ich schon wieder weg. Aber das hat der Verein gewusst, die Spieler haben es auch gewusst. Ich denke, die meisten akzeptieren es. Ich kann mich leider nicht vierteilen.

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Wann büffeln Sie eigentlich für Ihre Ausbildung? Auf Ihren Zugfahrten nach Hennef?

Bierofka: Wir haben in jedem Fach drei Modultests, verteilt über die zehn Monate. Auf der Hinfahrt versuche ich meistens, mich darauf vorzubereiten. Auf der Rückfahrt schaue ich manchmal Spiele von unseren nächsten Gegnern an. Sofern das möglich ist bei der Geräuschkulisse.

Viele Zugfahrten: Keine 1. Klasse für Bierofka

Sitzen Sie als Inhaber einer BahnCard100 nicht in der ruhigen 1. Klasse?

Bierofka: Nein, ich sitze ganz normal. Wo alle sitzen. Ich reserviere mir einen Platz und sitze auch mit anderen Leuten zusammen. Das ist für die aber nur positiv, wenn wir gewonnen haben. Wenn wir verloren haben, denken die sich: Mensch, ist der grantig!

Immerhin: Die Leute nehmen immer noch Anteil am Schicksal der Löwen.

Bierofka: Mich hat es auch gefreut, dass wir den Sportmoment des Jahres im BR gewonnen haben. Da war ja hochkarätige Konkurrenz am Start. Daran sieht man, wie viele Emotionen 1860 nach wie vor auslöst. Der Verein steht überhaupt über allem. Ich selbst bin hier nur eine temporäre Person.

Interview: Uli Kellner

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