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Erik Tallig freut sich über Köllners Umdenken: „Wir spielen jetzt wieder offensiver“

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Von: Uli Kellner

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Erik Tallig freut sich über die offensivere Spielweise der Löwen.
Erik Tallig freut sich über die offensivere Spielweise der Löwen. © Markus Fischer/Imago

Sein frühes Tor in Berlin war der Türöffner zum 2:0-Sieg – und für Erik Tallig selbst eine Bestätigung. Seinem Ziel, wichtig zu werden, kommt er immer näher.

Erik Tallig kommt im Löwen-Trikot immer besser in Schwung. In Zwickau fügt er sich als Joker mit einem Assist ein, zuletzt in Berlin traf er früh zum 1:0. Es läuft für den 22 Jahre alten Chemnitzer. Unser Interview.

Erik, was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihr Strafraum-Dribbling in Berlin unter gütiger Viktoria-Hilfe den Weg ins Tor fand?

Tallig: Viel ist mir nicht durch den Kopf gegangen. Ich hab einfach den Ball gut mitgenommen, wollte ins Eins-gegen-eins gehen, weil es dann immer gefährlich wird. Von links kam ein Gegenspieler, in der Mitte stand Richie, da dachte ich: Ich schieß‘ jetzt einfach mal. Umso schöner, dass er dann abgefälscht unten rein ging. Ich hab mich gefreut – und ein bisschen Erleichterung war auch dabei.

Es war Ihr dritter Treffer im 70. Spiel für die Löwen. In Chemnitz hatten Sie ungefähr in jedem fünften Spiel getroffen. Woran liegt’s?

Tallig: Bei Chemnitz hab ich Stürmer oder Zehner gespielt, war somit etwas offensiver eingesetzt. Vielleicht hatte ich aber auch mehr Schussglück. Bei 1860 war meistens jemand dazwischen – oder der Torwart hat gehalten. Ich denke aber, dass ich mir das Glück gerade erarbeite, um auch mal wieder einen Fernschuss ins Ziel zu bringen.

1860-Trainer Michael Köllner setzte Sie meistens zentral ein, zu Saisonbeginn auch links, zuletzt eher auf dem rechten Flügel. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Tallig: Da, wo ich jetzt gerade spiele. Rechts außen gefällt mir ziemlich gut – weil ich da auch mal nach innen ziehen kann.

Passt ja, schließlich hatten Sie mal Ex-Bayern-Star Arjen Robben als Vorbild angegeben.

Arjen Robben?  Damals hab ich ihm nachgeeifert, momentan hab ich eigentlich kein Vorbild.

Löwen-Rechtsaußen Erik Tallig, 22.

Tallig: Das stimmt. Damals hab ich ihm nachgeeifert, momentan hab ich eigentlich kein Vorbild.

Ist die neue Position in Köllners neuem 4-1-4-1-System auch die Erklärung für Ihre zuletzt sehr stabilen Leistungen?

Tallig: Ich denke schon. Als wir noch Fünferkette gespielt haben, hat der Trainer keine ideale Position für mich gefunden, da hatten dann andere Spieler Vorteile. Momentan sind wir in dieser Formation erfolgreich, deswegen hoffe ich, dass es erst mal so bleibt.

Momentan sind Sie Stammspieler. Warum hat es in den eineinhalb Jahren davor nicht mit einer tragenden Rolle geklappt?

Tallig: Als ich kam, war das ja erst mein zweites Jahr bei den Männern. Für einen jungen Spieler ist das schon ein Schritt. Trotzdem habe ich echt viel gespielt und finde auch, dass ich mich weiterentwickelt habe. Ich hab schon das Gefühl, dass ich noch wichtig werden kann.

Als Sie im Sommer 2020 aus Chemnitz kamen, hatten Sie sich einiges vorgenommen, zum Beispiel mindestens zehn Tore pro Saison. Haben Sie den Standort München unterschätzt?

Tallig: Kann man schon so sagen. Zehn Tore anzusagen, war vielleicht nicht ganz so clever. Aber aus solchen Fehlern lernt man ja (lacht).

Haben Sie zwischendurch mal daran gedacht, das Weite zu suchen und woanders neu anzufangen?

Tallig: Nein, nie. Ich hab mich von Anfang an sehr wohl gefühlt bei 1860. Mir war auch immer klar, dass ich mich hier durchbeißen möchte.

Und wie läuft es mit der sprachlichen Einbürgerung? Der Oberbayer Stefan Lex sagte mal, Sie hätten in der Kabine einen schweren Stand…

Tallig: Am Anfang war das vielleicht so (lacht). Inzwischen finde ich, dass ich sehr gutes Hochdeutsch spreche. Meine Eltern merken das auch schon, die ziehen mich immer ein bisschen damit auf und sagen: „Du redest so kömisch.“ Ich verstehe auf jeden Fall alle gut.

Inzwischen finde ich, dass ich sehr gutes Hochdeutsch spreche. Meine Eltern merken das auch schon, die ziehen mich immer ein bisschen damit auf und sagen: „Du redest so kömisch.“

Der Sachse Erik Tallig über seine sprachliche Einbürgerung.

Auf Sascha Mölders liebevolle Dialekt-Parodien müssen Sie ja seit einiger Zeit verzichten…

Tallig: Ja, das ist vorbei, leider. Das war schon immer witzig.

Zurück zum Sportlichen: Vier Siege am Stück. Was ist im Team passiert seit den Gruselauftritten gegen Türkgücü und Halle?

Tallig: Ich denke, wir wollten das einfach wieder gut machen, noch mal durchstarten, auch Freude am Fußball haben. Die Umstellung auf die Viererkette hat sicher auch dazu beigetragen. Wir spielen jetzt wieder offensiver, pressen mehr – das ist eher unser Spiel als dieses Abwartende.

Würden Sie sagen, dass 1860 ab sofort um den Aufstieg mitspielt? Oder bleiben Sie lieber defensiv wie der Trainer?

Tallig: Ich sehe das wie der Trainer (grinst). Es sind so viele Mannschaften oben dabei – wir konzentrieren uns allerdings ausschließlich auf uns und unsere Leistung. Schauen wir mal, was am Ende bei rauskommt.

Noch acht Spiele stehen an. Wie viele Punkte braucht 1860?

Tallig: Schwer zu sagen. 16 bis 18 wären gut – und die traue ich uns auch zu, wenn wir unseren Lauf weiterfahren.

Als Sie 2020 kamen, schwärmten Sie von der schönen Landschaft im Alpenraum. Haben Sie schon Lieblingsplätze gefunden in den Bergen oder an den Seen?

Tallig: Oh ja, viele. Starnberger See, Staffelsee, Garmisch, Bad Tölz, Oberammergau… Ich hab schon richtig viel gesehen, aber es fehlen auch noch ein paar Orte, zum Beispiel der Eibsee und der Walchensee. Allgemein fühle ich mich sehr wohl im Süden von München.

Mit wem machen Sie die ganzen Ausflüge?

Tallig: Meistens mit meiner Freundin, die aus Murnau kommt. Oder mit meinen Eltern, wenn sie zu Besuch sind. Ich kenn mich inzwischen echt gut aus und brauche in München nicht mal mehr ein Navi!

Ihr Vertrag bei 1860 läuft noch bis 2023. Welche Ziele stehen auf Ihrem sportlichen Navi?

Tallig: Mit guten Leistungen der Mannschaft helfen, unserer Ziele zur erreichen– ob wir die dieses Jahr oder erst nächstes Jahr schaffen. Und persönlich: Schön wäre, wenn ich meine gute Form halten und noch mehr Scorerpunkte sammeln könnte. 

Und am Sonntag in Mannheim?

Tallig: Schauen wir mal. Es ist auf jeden Fall ein Spiel, auf das wir uns sehr freuen.

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