Investor Hasan Ismaik in der Kritik

Facebook-Ankündigung zu umstrittener Aktion gelöscht - jetzt legen die „Löwenfans gegen Rechts“ nach

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Fragwürdige Aktion: Die „Löwenfans gegen Rechts“ agitieren gegen Ismaik. Die entsprechende Ankündigung bei Facebook wurde am Mittwoch nach heftigen Kommentar-Auseinandersetzungen aus dem Netz genommen.

Eine Fanaktion vor dem Heimspiel der Löwen gegen Münster am Samstag (14 Uhr) wirft Fragen auf. Die Stimmung ist aufgeheizt. 

  • Der TSV 1860 München spielt am Samstag (14 Uhr) gegen Münster.
  • Eine Aktion der Initiative „Löwenfans gegen Rechts“ sorgt für Wirbel.
  • Die Geschäftsführung des TSV 1860 München hat sich in einem Schreiben dazu geäußert.

Update vom 13. April 2019, 16.35 Uhr: Geschäftsführer Michael Scharold äußerte sich in der Halbzeitpause des Münster-Spiels zum T-Shirt der Löwen-Fans gegen rechts: "Wir haben festgestellt, dass sich die emotionale Situation in den letzten Monaten zugespitzt hat. Es gibt mehr Gräben. Man könnte da auch darüber wegschweigen. Wir müssen jetzt zusammenrücken. Wir müssen aufhören mit den Provokationen und den Polarisierungen. Auch von den Medien aus gibt es die."

Update vom 11. April 2019, 18.28 Uhr: Die Initiative „Löwenfans gegen Rechts“ will am „Grünspitz“ nahe des Grünwalder Stadions T-Shirts verkaufen, die sich gegen 1860-Eigner Hasan Ismaik richten. Die entsprechende Ankündigung bei Facebook wurde am Mittwoch nach heftigen Kommentar-Auseinandersetzungen aus dem Netz genommen. Allerdings, so sagen es die Löwenfreunde gegen Rechts, vom Sozialen Netzwerk selbst. „Wir stehen weiter voll dahinter“, posteten die Aktivisten später in einem neuen Beitrag der „unfassbare Zuspruch aus der weitläufigen Fanlandschaft unseres Vereins bestärkt uns darin noch weiter“. 

Dass diese Verhärtung der Fronten am Samstag in Gewalt umschlagen könnte, ist denkbar. Aus diesem Grund veröffentliche der TSV 1860 am Donnerstag ein Deeskalationsschreiben, unterzeichnet von den beiden Geschäftsführern Michael Scharold und Günther Gorenzel. Sehr enttäuscht sei man über die Shirt-Aktion, mit der „eine weitere Eskalation der Situation billigend in Kauf“ genommen werde. „Insbesondere von einer Institution, die sich in der Vergangenheit oft vorbildlich für ein Miteinander und gegen Diskriminierung und Gewalt eingesetzt hat, hätten wir erwartet, dass sie mithilft Gräben zu überwinden“. 

Nach umstrittener Aktion der „Löwenfans gegen Rechts“ - Geschäftsführung äußert sich deutlich

Update vom 11. April 2019, 13.45 Uhr: Die Geschäftsführung des TSV 1860 München hat sich klar und deutlich von der T-Shirt-Aktion der „Löwenfans gegen Rechts“ distanziert. Die Shirts, auf denen das durchgestrichene Konterfei des umstrittenen Investor Hasan Ismaik abgebildet ist, kommen bei den Löwen-Verantwortlichen ganz und gar nicht gut an, man sei „sehr enttäuscht“ über die Aktion „einer  Institution, die sich in der Vergangenheit oft vorbildlich für ein Miteinander und gegen Diskriminierung und Gewalt eingesetzt hat.“ Weiter gaben die Löwen zu Protokoll: „Wir distanzieren uns mit aller Deutlichkeit von derartigen Verhalten und hoffen im Sinne der Vernunft, dass die Löwenfans gegen Rechts von dem geplanten Verkauf Abstand nehmen.“

Die Erklärung der Geschäftsführung im Wortlaut:

Mit großem Bedauern und großer Besorgnis nehmen wir in den letzten Wochen eine immer aggressivere Stimmung und immer größere Gräben in unserer Fanlandschaft war. Statt gemeinsam für eine positive Zukunft unserer Löwen zu kämpfen, geht es um Lager und gegenseitige Vorwürfe, ob im Stadion, in der Stadt, am Stammtisch, bei Fanclubtreffen oder im Internet.

Unterschiedliche Meinungen sind die Basis jeder Entwicklung und daher ein hohes Gut. Meinungsfreiheit sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein. Ein essentieller Bestandteil von gelebter Meinungsfreiheit ist aber das Erfordernis von Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Respekt für denjenigen, der diese vorbringt. Fußball und insbesondere 1860 steht für Zusammenhalt, für sich gegenseitig helfen, für ein Miteinander, für die in unserem Vereinslied besungene „Kameradschaft“. Wir sollten daher alle gemeinsam daran arbeiten, vorhandene Gräben zu schließen.

In diesem Zusammenhang sind wir sehr enttäuscht über eine Aktion der Löwenfans gegen Rechts, die mit einem T-Shirtverkauf eine weitere Eskalation der Situation billigend in Kauf nehmen. Insbesondere von einer Institution, die sich in der Vergangenheit oft vorbildlich für ein Miteinander und gegen Diskriminierung und Gewalt eingesetzt hat, hätten wir erwartet, dass sie mithilft Gräben zu überwinden. Wir distanzieren uns mit aller Deutlichkeit von derartigen Verhalten und hoffen im Sinne der Vernunft, dass die Löwenfans gegen Rechts von dem geplanten Verkauf Abstand nehmen.

Die Gräben sind aber unabhängig davon tief und beängstigend. Lasst uns daher alle endlich gemeinsam anfangen aufeinander zuzugehen. Wir appellieren insbesondere auch an die Printmedien, an Blogs, an Kommentarschreiber und Forenteilnehmer, an alle Meinungsbildner: STOP mit dem Gegeneinander. Eine polarisierende Berichterstattung schadet allen, egal in welche Richtung sie geht. Wir, über die es dabei geht, sind alle Sechzig und wir können nur gemeinsam etwas erreichen. Wir als Geschäftsführung stehen für Meinungsfreiheit, Respekt und Toleranz und wir verurteilen jegliche Art von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt. Wir wünschen uns ein Sechzig, das zusammensteht und das den Sport in den Vordergrund stellt und das unser Vereinslied beim Wort nimmt.

Erstmeldung: Gehen die „Löwenfans gegen Rechts“ zu weit? 

München - Sportlich hangeln sich die verletzungs- und sperrengeplagten Löwen dem Saisonende entgegen, für zweifelhaften Unterhaltungswert sorgt seit Wochen (oder Monaten, Jahren?) die Klubpolitik, die auf eine zünftige Mitgliederversammlung am 30. Juni spekulieren lässt – Spaltung Hilfsausdruck.

„Löwenfans gegen Rechts“: Was steckt hinter der Fan-Initiative?

Klar positioniert haben sich die „Löwenfans gegen Rechts“, eine 1995 gegründete Fan-Initiative, die ihre eigentliche Aufgabe auf ihrer Facebook-Seite so formuliert: „Helft alle mit, dass Rivalität nicht in Rassismus und Diskriminierung ausartet. Sorgt dafür, dass die dummen Parolen aus den Stadien verschwinden.“

Das eigentlich deshalb, weil die Initiative amSamstag vor dem Heimspiel gegen Münster 100 Anti-Ismaik-Shirts verkaufen wird und den Gewinn „an wohltätige Zwecke bzw. den Löwennachwuchs“ weitergeben will. Die Reaktionen bei Facebook sind äußerst kontrovers. Auch Ismaik-Kritiker sehen eine Grenze überschritten.

 „Werbung für ein T-Shirt mit durchgestrichenem Konterfei eines Menschen zu machen geht gar nicht“, schrieb beispielsweise User Florian Wiendl. „Da hilft es auch nicht, dass ihr die Erlöse spenden wollt. Dass das von euch kommt, finde ich befremdlich.“ Auf schriftliche tz-Nachfrage reagierte die Initiative gestern mit einem knappen: „Sorry, dazu möchten wir gegenüber der Presse keine Aussagen treffen.“ Bei Facebook bekam zumindest Wiendl eine Antwort: Ismaik sei „eine Person des öffentlichen Lebens“ und müsse „mit solcher Kritik – mag die Symbolik auch deftig sein – umgehen können. Wir sehen einen Teil unseres Engagements in der Vereinspolitik. Ein demokratisches Vereinsleben entspricht zu 100 % unseren Werten. Dieses ist aber mit HI nicht möglich, weshalb wir uns in der Vergangenheit bereits klar gegen ihn positioniert haben und dies auch in Zukunft immer mal wieder tun werden. Mit der Herkunft von HI hat das selbstverständlich rein gar nichts zu tun (…).“

Namentlich antwortete Stephanie Dilba, aktives Mitglied der Löwenfans gegen Rechts: „Lieber Florian Wiendl, abgesehen davon, dass Hasan Ismaik sich seit dem Abstieg nicht mehr im Stadion hat sehen lassen und er die Aktion wahrscheinlich gar nicht mitbekommt: Das Shirt (…) ist ein Symbol gegen Investoren im Fußball allgemein, gegen das Investment von HAM bei 1860 und gegen die Art und Weise, wie Hasan sich bei 1860 benimmt.“

Dass damit der friedlichen, fairen und freundschaftlichen Fan-Kultur ohne Ausgrenzung und Hass (Selbstbeschreibung) Vorschub geleistet wird, ist auszuschließen – Normalzustand in einem zerrissenen Verein.

Müssen die Trommeln im Grünwalder Stadion bald verstummen? Löwen-Fans haben auf den Dauer-Zoff um ihre Spielstätte mit einer Satireschrift reagiert. Für Zündstoff zwischen dem TSV 1860 München und seinen Fans sorgte der Pyro-Vorfall gegen Hansa Rostock.

Fernseh-Hattrick für die Löwen: Drei Liga-Spiele live im Free-TV

Auf 1860 München wartet ein Fernseh-Monat: Die Spiele gegen den Karlsruher SC, Preußen Münster und den Halleschen FC kommen allesamt live im Free-TV.

lk

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