„Wir haben uns heute selbst geschlagen“

TSV 1860 im eigenen Stadion überrumpelt - 1:3-Niederlage gegen Jena

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Der Löwe wackelt: 1860-Angreifer Stefan Lex wird hier von Jenas Guillaume Cros aus der Bahn gedrängt. 

Auf den Trainereffekt mussten die Fans des FC Carl Zeiss Jena nur drei Minuten warten. Der Außenstürmer Manfred Starke, neu in der Startelf, flitzte an den Verteidigern des TSV 1860 vorbei.

München – Auf den Trainereffekt mussten die Fans des FC Carl Zeiss Jena nur drei Minuten warten. Der Außenstürmer Manfred Starke, neu in der Startelf, flitzte an den Verteidigern des TSV 1860 vorbei. Als er im Strafraum angekommen war, passte er den Ball einfach weiter zu Maximilian Wolfram, neu in der Startelf, der ihn ins Tor drückte und zur Seitenlinie rannte, wo Trainer Lukas Kwasniok, neu im Verein, schon hüpfte. Ein paar Meter weiter feierten in der Ostkurve des Grünwalder Stadions 1500 Fans aus Jena, vermutlich schon lange dabei, den Neustart ihrer Mannschaft.

Daniel Bierofka, der Cheftrainer des TSV 1860, hat aus der Ferne versucht zu beobachten, was sich in Jena tut, seitdem der Club vor einer Woche einen neuen Coach eingestellt hat. Am Sonntagnachmittag wusste man dann aber: Egal, was sich getan hat, er konnte es nicht verhindern. Bierofka verlor mit seinen Löwen 1:3 (0:1) gegen Carl Zeiss Jena – gegen ein Team, das bis gestern auf einem Abstiegsplatz der 3. Liga stand. Vor allem aber verlor Bierofka gegen einen Trainer, auf den er nicht so gut wie sonst vorbereitet war.

TSV 1860 gegen Carl Zeiss Jena: Neuer Trainer, frisches Personal

Wenn in einem Profiverein ein neuer Trainer auftaucht, dann stets mit dem Drang, etwas zu verändern. Der Fall Lukas Kwasniok hat das mal wieder belegt. In seinem ersten Spiel mit Jena stellte der 37-Jährige – verglichen mit dem letzten Ligaspiel – vier Neue auf, sogar den Torhüter tauschte er. Schon am Freitag hatte Bierofka gewarnt: „Man weiß nicht, wie der neue Trainer tickt.“

Es wäre aber zu einfach, das 1:3 auf den Trainereffekt zu schieben. In der Startelf des TSV 1860 steckte mehr Potenzial – nur waren die Löwen in diesem Spiel gegen die Profis aus Jena fußballerisch nicht überlegen. Wenn die Löwen mit wenig Platz und wenig Zeit eine Lösung finden mussten, passten sie zu hektisch, zu ungenau. Das führte zu Ballverlusten, zu Kontern – und so auch zu einer Gelb-Roten Karte. In der 19. Minute musste 1860-Außenverteidiger Herbert Paul den davoneilenden Starke foulen, Schiedsrichter Tobias Fritsch bestrafte ihn mit Gelb. In der 32. Minute grätschte er Julian Günther-Schmidt an der Seitenlinie, Gelb-Rot. Daniel Bierofka sagte später: „Da darf er nie und nimmer foulen.“ Das stimmt, aber Paul war durch Fehler seiner Mitspieler in jene unangenehmen Zweikämpfe gedrängt worden.

Es wäre wohl auch zu einfach, das 1:3 auf die Gelb-Rote Karte und die 60 Minuten in Unterzahl zu schieben. „Wir haben das mit zehn Mann sehr gut gemacht“ sagte Bierofka. Doch trotz des zwischenzeitlichen 1:1 – Stefan Lex hatte den Torschützen Nico Karger mit einem flotten Dribbling freigespielt – zeigte sich, wie schwer es 1860 gerade fällt, ein Tor zu schießen. Man kann das an Adriano Grimaldi festmachen. In der 21. Minute ballerte der Stürmer den Ball per Drehschuss aus fünf Metern in den Fanblock. In der 30. Minute traf er alleine vor dem Torwart den Ball aus drei Metern nicht richtig. Und in der 45. Minute wären gleich mehrere 1860-Angreifer auf das Tor zugelaufen, wenn Grimaldi nicht einen Fehlpass gespielt hätte. Nach seinem famosen Saisonstart versteht man inzwischen etwas besser, warum er noch immer in der 3. Liga kickt.

Der Rest des Spiels ist dann schnell erzählt: Ein Eckball, ein Konter, zwei Tore von Julian Günther-Schmidt, das war‘s. Daniel Bierofka sagte: „Wir haben uns heute selbst geschlagen.“ Die Tabelle sagt: Auf einen Abstiegsplatz hat der TSV 1860 jetzt nur noch drei Punkte Vorsprung.

Lesen Sie auch: Nach der Niederlage des TSV 1860 gegen Jena hatte sich Investor Hasan Ismaik zu Wort gemeldet. Er gibt sich zuversichtlich, schießt aber auch offen in Richtung Führungsebene.

Christopher Meltzer

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