1860 tritt in der Liga drei auf der Stelle

TSV 1860 München: Aufstieg? So nicht, Löwen!

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Enttäuscht: Mittelfeldmann Efkan Bekiroglu

Der TSV 1860 München setzt seine Erfolgsserie auch gegen den 1. FC Magdeburg fort - doch die Partie verbuchen Fans und Spieler mit gemischten Gefühlen.

  • Die Löwen sind seit nunmehr zwölf Spielen in der 3. Liga ungeschlagen.

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München - Es lief die 86. Minute, als sich Michael Köllner für die Serie entschied – und gegen das Risiko, dieses nach der Pause wilde Spiel vielleicht noch zu verlieren. Nachdem Marco Hiller zweimal in höchster Not gegen durchgebrochene Magdeburger retten konnte, brachte der 1860-Coach den defensiven Moll für den offensiven Bekiroglu, denn wer weiß, was dieser Nachmittag sonst noch an Kapriolen bereitgehalten hätte?

In einer intensiven Partie hatten die Löwen verdient durch einen Kopfball von Aaron Berzel (33.) geführt, ehe sie zweimal Pech mit Elfmetern hatten: Einer, vom 1860-Keeper verursacht, wurde den Gästen zugesprochen und landete zum 1:1 in Hillers Tor (Gjasula, 60.). Ein Strafstoß für die Hausherren war auch schon gepfiffen worden: Phillipp Steinhart stand mit Ball im Arm am Punkt, bereit zur Ausführung (71.), ehe ihn der überforderte Schiedsrichter Fritsch nach Rücksprache mit seinem Assistenten zurücknahm. 

TSV 1860 München - 1. FC Magdeburg: „Wir haben unser Minimalziel erreicht“

Obwohl das Spiel nicht unfairer war als andere, hatten am Ende zwölf Spieler plus FCM-Coach Wollitz die Gelbe Karte gesehen. „Dann kam noch der Wind dazu, der es schwer gemacht hat“, klagte nicht nur Abwehrmann Berzel. Kurzum: Es war ein denkwürdiger Tag, an dem sich Köllner lieber mit einem weiteren Unentschieden begnügte, um die schöne Erfolgsserie (zwölfmal ungeschlagen) nicht abreißen zu lassen. „Wir haben unser Minimalziel erreicht, Magdeburg auf Distanz zu halten“, notierte der 1860-Coach mit der Sachlichkeit eines Nachrichtensprechers.

Im Spiel selber waren dagegen die Emotionen hochgekocht. Schiedsrichter Fritsch hatte sich bei keiner Seite beliebt gemacht und musste sich nicht wundern, dass sein Abmarsch in die schützende Kabine von Buh-Rufen, Pfiffen und obszönen Gesten begleitet wurde. Die Zuschauer hatte im Mainzer den Buhmann für den verpassten Sieg gefunden. 

TSV 1860 München - 1. FC Magdeburg: „Hat für gefühlt jede Aktion gleich Gelb gegeben“

Die 1860-Profis vermutlich auch, doch in der Mixed-Zone war hinterher zu spüren, dass Köllner in der Winterpause ein Grundsatzreferat zum Thema Schiedsrichter-Diplomatie und Deeskalation gehalten hatte. „Es kann nicht sein, dass ein Assistent, der auf der ganz anderen Seite steht, sagt: Nee, das war kein Elfmeter“, monierte Sascha Mölders: „Das ist jetzt die zwölfte, dreizehnte schwere Entscheidung, die gegen uns fällt.“ 

Auch Lex sparte nicht mit indirekter Kritik. „Es hat für gefühlt jede Aktion gleich Gelb gegeben“, sagte der Zehner, um mit ironischem Unterton hinzuzufügen: „Und dass es in der 3. Liga einen Videoassistenten gibt, hab ich auch nicht gewusst.“ Gemeint natürlich: die heiß diskutierte Szene um den nach drei Minuten zurückgenommenen Strafstoß.

Am Ende blieb es beim vierten Unentschieden in Folge, das Fans und Spieler mit gemischten Gefühlen verbuchten. „Es fühlt sich heute irgendwie mehr nach einer Niederlage an als nach einem Punktgewinn“, sagte Berzel, während Lex den zwischenzeitlich ausgerufenen Aufstiegskampf vorübergehend für abgehakt erklärte: „Wir kommen nicht entscheidend von unten weg, weil die hinten alle punkten. Vorne verlieren ja alle, aber solange wir nicht gewinnen, müssen wir weiter nach hinten schauen.“

Uli Kellner


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