Zukunft der Löwen-Heimat

Debatte übers Grünwalder Stadion - vor leeren Rängen

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Für knapp 1000 Zuhörer war die Säbener Halle bestuhlt, es kamen gerade mal 120 Nachbarn.

Alle Anwohner sind eingeladen – aber nur wenige kommen. Stadtvertreter, Verein und Anwohner streiten über die Pläne für den Umbau des Grünwalder Stadions.

  • Die Löwen-Heimat Grünwalder Stadion soll umgebaut werden
  • Die Kapazität soll auf 18.060 Zuschauer erhöht werden
  • Einige Anwohner sind gegen die Plane oder fühlen sich unzureichend informiert

München - Knapp 1000 Stühle wurden in der Städtischen Säbener Halle an diesem Donnerstagabend aufgestellt – nur etwa 120 Stadionnachbarn erschienen zum Termin. Dabei lässt die geringe Zuschauerzahl nicht zwingend darauf schließen, dass es rund um den geplanten Umbau der Heimat des TSV 1860 ruhiger geworden ist. Im Gegenteil: Bereits im Vorfeld gab es Klagen, die Stadt habe die betroffenen Bürger nicht über den Termin informiert. Auch am Donnerstagabend berichten Giesinger Nachbarn des Stadions, dass sie nur aus der Zeitung von dem Termin erfahren hätten, einige witterten Kalkül, um die Aufregung kleinzuhalten. Sportreferentin Beatrix Zurek wies die Vorwürfe zurück. Man habe ein Zustellungsunternehmen damit beauftragt, 9000 Einladungen zu verteilen. Sollte es dabei zu Versäumnissen gekommen sein, bedauere man diese.

Spielfeld wird einige Meter nach Norden verschoben

Auf Anwohner und Fans kommen einige Änderungen zu. Die neue Kapazität, die auf die markige Zahl 18.060 erhöht werden soll, kommt durch zusätzliche Sitzplätze auf der Haupttribüne sowie einen neu entstehenden Oberrang an der Osttribüne zustande. Um die zusätzlichen Plätze auf der Haupttribüne schaffen zu können, soll das Spielfeld um einige Meter nach Norden verschoben werden.

Das Grünwalder Stadion soll umgebaut werden und künftig 18 060 Zuschauern Platz bieten – nicht alle Anwohner sind von diesem Plan begeistert.

Im Gegenzug fallen in der Stehhalle und an der Westkurve allerdings Plätze weg. Der Raum wird für zusätzliche Befestigungen sowie sogenannte Hospitality-Bereiche benötigt. „Gastrostände, VIP-Bereiche – das fordert die DFL-Lizenzierung für die zweite Liga. Das ist für ein zeitgemäßes Stadion unabdingbar“ erklärt Matthias Schöner vom Planungsbüro Albert Speer & Partner.

Die Bedenken der Anwohner wegen der erhöhten Kapazität des Stadions versucht TSV-1860-Fußballabteilungsleiter Roman Beer zu zerstreuen. Die Anwohner treibt vor allem der Lärm um. „Mehr laute und problematische Fans kommen durch den Ausbau nicht, die sind immer da“, sagte Beer. Die zusätzlichen Zuschauer seien ein eher „ruhiges Eventpublikum“, sagte der Fußballmanager.

Geplanten Überdachung soll Anwohnern mehr Ruhe bringen

Ruhiger soll es für die Anwohner auch dank der geplanten Überdachung aller Plätze werden. Sie ist ebenfalls spätestens ab der zweiten Bundesliga erforderlich und senkt die Schallemissionen Prognosen zufolge um etwa sechs Dezibel. Den Stadionnachbarn ist das aber nicht genug. Sie ärgern sich zudem, dass das Stadiondach nicht vollumschließend geplant ist – die Ecken zur Grünwalder Straße bleiben weiter offen.

Dabei entstünde der Lärm bei den Heimspielen der Löwen – trotz deren stimmgewaltiger Anhängerschaft – weniger durch den Gesang, wie Anwohner bemerkt haben. Vielmehr sind es die Trommeln, die die Nachbarn belasten. Ob denn diese Trommlerei in einem Wohngebiet sein müsste, fragte ein Betroffener. Löwen-Geschäftsführer Michael Scharold versuchte zwar, sein Verständnis für die Anwohner auszudrücken, betonte schließlich aber: „Fußball ohne Trommeln, das kann ich mir gar nicht vorstellen.“

ÖDP schlägt App zur Info über Straßensperren und Parkverbote vor

Nicht alle Konfliktpunkte blieben an diesem Abend ungelöst. Detlev Langer vom Baureferat nimmt die Anregung mit, angesichts der vielen Wildbiesler für ausreichend Toiletten im Stadion zu sorgen und den Einsatz von „Bieslrinnen“ wie auf dem Oktoberfest zu prüfen. Für ein anderes Problem, die Straßensperren rund um die Spiele, hat die ÖDP eine Lösung parat: Sie fordert in einem Stadtratsantrag, eine App zu erstellen, die Anlieger zu den Heimspielen über Straßensperren und Parkverbote informiert.

Und auch die Polizei übt sich in der Vermittlerrolle zwischen Anhang und Anwohnern. „Wir müssen insgesamt konstatieren, dass die Löwenfans daheim sehr brav sind“, urteilt Harald Schertler von der zuständigen Polizeiinspektion 23.

Durch den Umbau des Grünwalder Stadions braucht der TSV 1860 München eine Übergangsspielstätte. Haben sie diese im Sportpark Unterhaching gefunden?

Alexander Arnö

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