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TSV 1860: Herz gegen Kommerz – OB Reiter entfacht Stadiondebatte, Löwen-Präsident Reisinger offen

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Von: Jacob Alschner

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Weiß-blaues Fahnenmeer – wie in guten alten Zeiten: Die Löwen-Kurve im Olympiastadion, hier gegen Schalke im Jahr 2003
Weiß-blaues Fahnenmeer – wie in guten alten Zeiten: Die Löwen-Kurve im Olympiastadion, hier gegen Schalke im Jahr 2003. © Imago images

Da ist es wieder, das Dauerthema Löwen-Stadion. Zum Wiesn-Besuch des TSV 1860 am Dienstag war auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (64) geladen gewesen.

München – Der nach Parteibuch und Herzensclub ausgewiesene Rote genoss den Abend unter Blauen, flachste mit Abwehrchef Jesper Verlaat (26), dem „Lockenkopf“, und stieß mit Trainer Michael Köllner (52) und Präsident Robert Reisinger (58) auf die Tabellenführung an.

Doch auch die Diskussion um die sportliche Heimat der Sechzger war Thema im Hackerzelt. Wo spielen die Löwen in Zukunft? Im umgebauten Grünwalder? Wenn ja: Vor wie vielen Zuschauern? Oder geht es doch wieder zurück ins Olympiastadion? Es steht Herz gegen Kommerz.

TSV 1860: 1,7 Millionen Euro Einnahmen gehen jährlich durch das Grünwalder Stadion verloren

Für Reiter ist die vernünftigste Lösung klar: „Ich habe den Sechzgern schon mehrfach, zum ersten Mal vor sechs oder sieben Jahren, angeboten, ins Olympiastadion umzuziehen“, erinnerte er sich. „Es ist Irrsinn, dass man dieses Stadion nicht nutzt.“ Das Problem aus seiner Sicht: „Die Löwen müssen sich erst mal intern entscheiden.“

Stößt die Debatte an:
Münchens OB Reiter
Stößt die Debatte an: Münchens OB Reiter © Matthias Balk

Ein großer Teil der Westkurven-Fans, von denen viele zu Unterstützern Reisingers zählen, möchte den Standort Grünwalder Straße erhalten. Für Marc-Nicolai Pfeifer (41), kaufmännischer Geschäftsführer, ist das Sechzger allerdings keine heilige Kuh. Er hat die Zahlen im Blick und weiß, dass man mit dem auf 18 105 Zuschauer beschränkten Ausbau-Konzept keine wirklichen Fortschritte in Richtung einer optimalen finanziellen Ausschlachtung der Löwen-Spiele machen würde. Nach eigenen Berechnungen gehen 1860 durch den Standort Grünwalder Stadion jährlich immerhin 1,7 Millionen Euro durch die Lappen. Das Flutlicht dort kostet allein 47.500 Euro, das Defizit im Werbe-Bereich liegt bei etwa 180.000 Euro – von höheren Ticketeinnahmen in einem größeren Stadion ganz zu schweigen. Hier entgehen den Löwen im Liga-Vergleich 430.000 Euro. Im „Oly“ wäre Miete etwa doppelt so teuer wie die derzeit 10.000 Euro, es böte aber auch mehr Einnahmemöglichkeiten.

TSV 1860: Stadt München kritisiert Kommunikation der Löwen

Ein umfangreicherer Ausbau des Grünwalder ist laut Reiter ausgeschlossen: Das bekäme man rechtlich „tausendprozentig nicht durch“, sagte er und bemängelte auch die Kommunikation der Löwen: „Ich habe mit Marc Pfeifer nur einmal gesprochen. Ansonsten lese ich darüber (die Stadionfrage, d. Red.) immer nur in der Zeitung.“ Er wünsche sich, so Reiter bissig, dass der TSV „einfach mal strukturiert in Verhandlungen geht“. Ähnlich geht es Verena Dietl (42), Dritte Bürgermeisterin: „Ich persönlich und wir als Stadt brauchen ein eindeutiges Signal. Das haben wir bisher nicht bekommen“, sagte sie und untermauerte die erwähnte Obergrenze gegenüber unserer Zeitung: „Bei 18 105 Zuschauern ist Schluss. Wenn Sechzig andere Ideen hat oder mit der Zuschauerzahl nicht zufrieden ist, müssen sie selbst schauen, ob sie es ermöglichen können.“

Liebt Giesing - aber nicht zu jedem Preis: Robert Reisinger.
Liebt Giesing - aber nicht zu jedem Preis: Robert Reisinger. © Ulrich Wagner

Hoffnung auf eine Einigung macht nun der Löwen-Präsident. Reisinger sagt, ihm sei es wichtig, „dass wir in einem Stadion spielen, das das wirtschaftliche Überleben der KGaA sichert – bevorzugt in Giesing.“ Aber, stellte er klar: „Wenn es an einem anderen Standort wirtschaftlicher ist, ist nichts dagegen einzuwenden.“ Dietl wollte diese Aussage nicht näher bewerten, sagte nur: „Die Parteien saßen ja schon mal an einem Tisch und haben verschiedene Standorte diskutiert. Dann kam von Sechzig aber nichts mehr.“ (Jacob Alschner)

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