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Neu-Löwe Boyamba: „Köllners Art ist einzigartig“ – langfristige Zukunft in München

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Von: Uli Kellner

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Der Knotenlöser: Beim Spiel in Halle zeigte Joseph Boyamba seine bisher beste Leistung.
Der Knotenlöser: Beim Spiel in Halle zeigte Joseph Boyamba seine bisher beste Leistung. © MIS

Joseph Boyamba hat sich schnell eingelebt beim TSV 1860 München. Nach der Länderspielpause kehrt der Flügelflitzer an seine alte Wirkungsstätte zurück.

München – Der BVB war sein Sprungbrett in den Profifußball. Zwei Jahre lang, zwischen 2018 und 2020, trug Joseph Boyamba, 26, das schwarzgelbe Trikot, war Kapitän von Dortmund II, ehe er die Borussia verließ, um über die Zwischenstation Waldhof Mannheim beim TSV 1860 zu landen. Mit den Löwen kehrt der Flügelflitzer am Samstag an seine frühere Wirkungsstätte zurück.

Wir sprachen mit dem Offensivspieler, der sich auf sein erstes Pflichtspiel im Signal-Iduna-Park freut.

Joseph, das Oktoberfest geht in die zweite Woche. Frage an den gebürtigen Rheinländer: Macht die Wiesn mehr Spaß oder der Kölner Karneval?

Das sind zwei verschiedene Welten. Da muss ich der Religion meiner Heimat erst mal treu bleiben und stimme für den Karneval. Meine erste Wiesn war aber auch sehr schön.

TSV 1860: Der Teamgeist steht über allem

Am Dienstag waren Sie mit der Mannschaft da. Trainer Michael Köllner scherzte, die Mannschaft hätte schon mal das Feiern auf dem Balkon geprobt. Teilen Sie seine Zuversicht bezüglich des Aufstiegstraums?

Der Trainer ist oft zu Scherzen aufgelegt, aber bei jedem Scherz ist auch ein Fünkchen Wahrheit dabei. Es ist auf jeden Fall unser Traum, dass wir am Ende der Saison gemeinsam etwas erreichen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Mit 22 Punkten aus neun Spielen hätten nicht mal tiefblaue Optimisten gerechnet.

Was sind die Gründe für den Traumstart?

In erster Linie der unfassbare Teamgeist. Unsere neun Neuzugänge standen relativ früh fest – und dann ging das sehr schnell in die richtige Richtung. Ich bin ja als einer der Letzten dazugestoßen, habe aber sofort gemerkt: Hier wird jeder mit ins Boot genommen, ältere Spieler, jüngere, externe. Ich denke, das war ausschlaggebend für unseren guten Anfang – und natürlich kommt dann noch die hohe Qualität jedes Einzelspielers dazu. Die Integration der Neuen ist sicher auch ein Verdienst des Trainers, der gerne als Menschenfänger bezeichnet wird.

Was macht Michael Köllner anders als andere Trainer?

Seine kommunikative Art ist einzigartig. Er geht aktiv auf die Spieler zu, redet auch mal über Themen abseits des Fußballs. Ich habe selten einen Trainer erlebt, mit dem man immer über alles reden kann, der sowohl fachlich als auch menschlich so auf der Höhe ist. Jeder in der Mannschaft weiß das. Ich rechne ihm das ganz hoch an.

TSV 1860: Boyamba geht als Führungsspieler voran

Ein Grund dafür, dass in jedem Spiel gefühlt ein anderer Spieler der Matchwinner ist?

Ja, weil er speziell auch die Ersatzspieler mitnimmt. Ich saß ja selber am Anfang verletzungsbedingt draußen. Wer hat uns in den ersten vier Spielen die zwölf Punkte beschert? Das waren meistens die Spieler, die reingekommen sind. Auch solche Spielverläufe geben dem Trainer Recht. Bei uns hat keiner das Gefühl, dass für ihn Sense ist, wenn er mal draußen sitzt. So macht das am Ende allen Spaß.

Bei Ihnen lief es ab dem Halle-Spiel immer besser. Sehen die Löwen-Fans bereits den besten Boyamba oder geht da noch mehr?

Als Offensivspieler brauchst du ein geiles Spiel, um richtig anzukommen. Sportlich gesehen war das bei mir das Spiel gegen Halle. Grundsätzlich denke ich aber, dass ich jetzt im besten Fußballalter bin – und noch lange nicht in meinem Zenit. Rein fußballerisch kann ich sicher noch mehr aus mir rausholen. Können wir alle. Und das verlangt Michael Köllner auch in jedem Training. Das drillt einen, aber nur so wirst du am Ende noch besser. Du willst dann beweisen, dass du noch mehr drauf hast.

Gegen Halle haben Sie sich auch selbstbewusst den Ball am Elfmeterpunkt geschnappt und sicher auf 3:1 gestellt. Ein Wink, dass Sie auch einen Führungsanspruch haben?

Auf jeden Fall. Ich gehe gerne voran – und weiß, dass man im Fußball auch Typen braucht. Elversberg ist so ein Beispiel. Es war sicher nicht das beste Spiel von uns, ich habe aber bis zum Schluss versucht, die Ärmel hochzukrempeln.

TSV 1860: Boyamba lobt Jugendspieler um Morgalla

Was war die Lehre aus dieser 1:4-Niederlage?

Ich denke schon, dass uns dieses Spiel noch mal die Augen geöffnet hat. Wenn du in dieser Liga nicht 100 Prozent auf den Platz bringst, kann es gegen jede Mannschaft zu Punktverlusten kommen. Auch gegen einen Aufsteiger, der bisher allerdings unfassbar spielt.

An Typen mangelt es aber eigentlich nicht im neuen Löwen-Team. Surferboy Verlaat, Mini-Haaland Lakenmacher, der hochbegabte Morgalla, Sie…

Auf jeden Fall. Wir haben eine gute Mischung. Einige Spieler haben schon höher gespielt: Tim Rieder, Albion Vrenezi oder unser Kapitän, Stefan Lex. Das sind alles gestandene Profis, und dahinter kommen tolle junge Spieler, die viel Einsatzzeit bekommen und über sich hinauswachsen. Wenn ich nur an Morgalla denke. Ich bin ein Riesenfan von ihm. Aber auch hinten dran sind Spieler im Alter von 20, 21, wo ich sagen muss: Das ist nicht alltäglich, was die schon für einen Ball spielen, sehr männlich, sehr fixiert aufs Detail. Niki Lang, der nicht immer spielt. Oder der junge Herr Wörl, der im Training überragende Leistungen zeigt und gerade sein Drittligadebüt gefeiert hat.

Am Samstag geht es nach Dortmund, zu Ihrem früheren Verein, in dem Sie Kapitän der U23 waren. Ein besonderes Spiel?

Ja, wobei ich kein Typ bin, der einen Verein im Streit verlässt. Ich muss sagen, dass ich immer noch an Dortmund hänge. Schon das Pokalspiel neulich war ein Highlight für mich – an meinem Geburtstag. Leider konnte ich verletzungsbedingt nicht aktiv eingreifen. Nach dem Spiel habe ich mir aber einige Minuten genommen, um mit denen zu sprechen, die ich noch gut kenne: Mit dem Trainer Edin Terzic. Mit Mats (Hummels), mit dem ich ziemlich gut befreundet bin. Das war schon eine schöne Sache, und ich freue mich sehr auf die Rückkehr nach Dortmund.

Joseph Boymaba: Kein Einsatz für die Profis von Borussia Dortmund

Noch dazu findet es im Signal-Iduna-Park statt. Wie groß ist die Vorfreude?

Persönlich habe ich noch nie dort gespielt, aber ich stand sehr oft mit den Fans in der „gelben Wand“, auch an Champions-League-Abenden. Das war schon was Feines. Als Kapitän von Dortmunds zweiter Mannschaft ist man doch automatisch nah dran an der ersten.

Was hat verhindert, dass Sie für den BVB in der Bundesliga eingesetzt werden?

Das müsste die damals Verantwortlichen beurteilen. Ich persönlich fand die Zeit in Dortmund für meine Entwicklung richtig gut, aber man muss auch klar sagen: Da war schon immense internationale Qualität, die sich durch den gesamten Kader gezogen hat. Ich finde, der Draht nach oben war richtig gut, aber auch andere haben keinen Platz gefunden im Bundesligakader. Spieler, die jetzt in Nürnberg oder Stuttgart durchgestartet sind.

Zurück zum Tagesgeschäft. Knapp ein Viertel der Saison ist rum. Kann man aus Ihrer Sicht schon sagen, wer bis zum Ende um den Aufstieg spielt?

Am Ende wollen wir natürlich bis zum Schluss oben in der Spitzengruppe dabei sein. Ansonsten glaube ich nicht, dass man den Kreis jetzt schon einengen kann. Es gibt Vereine, die Ambitionen haben: Saarbrücken, Mannheim, Ingolstadt, Dresden, Osnabrück.

TSV 1860: Boyamba sieht seine Zukunft in München

Bis zur WM-Pause kommen jetzt viele der gerade genannten Gegner, die vermeintlichen Hochkaräter. Ist 1860 gerüstet?

Auf jeden Fall. Ich denke schon, dass wir uns ziemlich gut eingegroovt haben. Am Ende ist es die Kunst, möglichst wenig Punkte liegen zu lassen. Wenn du am Ende oben stehen willst, musst du dich mit den Besten aus der Liga messen – und das traue ich uns definitiv zu.

Laut Transfermarkt.de haben Sie bei 1860 nur für eine Saison unterschrieben. Was ist der Grund?

Man sollte diese Angaben nicht zu ernst nehmen. Ich will jetzt nichts ausplaudern, aber mein Weg liegt auf jeden Fall in München.

Im Aufstiegsfall dürfte sich der Vertrag eh verlängern …

Über Vertragsinhalte möchte ich nicht sprechen … aber was mich persönlich angeht: Ich war zwar in der Jugend Deutscher Meister mit Schalke – mit einer gut besetzten Mannschaft, aus der einige Spieler heute Weltstars sind. Leroy Sané oder Thilo Kehrer, die waren alle mein Jahrgang in der Knappenschmiede. Wenn wir hier mit den Löwen den Traum des Vereins erfüllen können, das würde sicher alles toppen.

Interview: Uli Kellner

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