„Wir werden einiges ausprobieren“

1860: Kippt Gorenzel das System?

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Günther Gorenzel ist nun offiziell Geschäftsführer.

Er ist jetzt offiziell Geschäftsführer - Günther Gorenzel will bei den Löwen mit seinen Impulsen für die Wende sorgen. Mit einem anderen System?

München - Als das Training fast vorbei war, hat Günther Gorenzel die Fußballer des TSV 1860 am Dienstagmittag noch kurz um sich versammelt und eine Ansprache gehalten. Der Österreicher redete leise, ruhig, wie er das eigentlich immer macht, dann aber, bevor er seine Profis mit einem Klatschen in die Kabine schickte, wurde er plötzlich laut – und sagte in strengem Ton: „Wir haben nichts mehr zu verschenken. Wir haben schon genug verschenkt.“

Nur noch vier Punkte Vorsprung - „Wir können die Tabelle lesen“

Es hörte sich auf dem Trainingsplatz in der Grünwalder Straße an diesem Mittag so an, als wollte Gorenzel, nun offiziell auch Geschäftsführer des Drittligisten, seine Spieler vorsichtig warnen. „Wir können die Tabelle lesen“, sagte er hinterher. Und wenn man sie nach 22 Spieltagen liest, findet man die Löwen auf dem zehnten Platz – mit nur vier Punkten Vorsprung auf den ersten Absteiger.

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Nun wäre es wohl übertrieben, nach nur zwei Spielen im neuen Jahr schon überzureagieren. Gorenzel wies zu Recht darauf hin, dass die Auftritte in Lotte (1:1 im Schneechaos) und gegen Osnabrück (1:2 gegen den Tabellenführer, aber mehr als 30 Minuten in Unterzahl) nur schwer zu bewerten seien. Allerdings sind ihm in den ersten 180 Drittliga-Minuten des Jahres schon ärgerliche Details aufgefallen, die sich wie ein, nun ja, blauer Faden durch die Löwen-Saison ziehen.

Zu wenig Entschlossenheit im Angriff

Es gibt zwei Trends, die Gorenzel – der gerade mal wieder den an der Fußballakademie lernenden Cheftrainer Daniel Bierofka vertritt – besonders beschäftigen. Im Angriff bemängelt er „zu wenig Entschlossenheit und zu wenig Risiko“. Im Strafraum des Gegners fehle die Präsenz. Und in der Defensive, findet er, sei es gegen 1860 derzeit zu leicht, ein Tor zu schießen – wie man gegen Osnabrück beobachten konnte. Das Abwehrverhalten machte er gestern zum Trainingsschwerpunkt. „Wir müssen das ansprechen, was nicht funktioniert“, sagte Gorenzel. Nur was haben er und Daniel ­Bierofka vor?

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Es sind Details, die Gorenzel, der Fußballlehrer, verändern will. Seinen Verteidigern versuchte er beizubringen, in welchem Moment sie im Strafraum von der Raum- in die Manndeckung wechseln müssen. Um seinem Angriff mehr Wucht zu verleihen, denkt er sogar über einen Wechsel des Spielsystems nach. In den vergangenen Spielen hatte 1860 mit einer Fünferkette verteidigt. Nun kündigte Gorenzel für den Rest der Trainingswoche an: „Wir werden einiges ausprobieren.“

Kehrt Weber zurück?

Natürlich hängt letztlich alles davon ab, wen Daniel ­Bierofka und sein Team am Samstag in Uerdingen aufstellen können. Auf ihren Mittelfeldlenker Quirin Moll (Kreuzbandriss) werden sie bis Saisonende verzichten müssen (Wer ersetzt Moll?). Der Defensivspezialist Aaron Berzel ist nach seiner Roten Karte für ein Spiel gesperrt worden. Am Dienstag fehlten Efkan Bekiroglu (Knieprellung) und Jan Mauersberger (Rückenprobleme). Es drohen Bierofka mehrere Optionen verloren zu gehen – wenn auch zumindest Bekiroglu, der zuletzt im zentralen Mittelfeld gesetzt war, fit werden soll. In der Abwehr könnte Kapitän Felix Weber wieder in die erste Elf rücken – und dazu beitragen, dass der blaue Faden endlich reißt. 

Christopher Meltzer

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