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TSV 1860: Mit Toren satt zur Heimmacht - Probleme auf der Außenverteidigerposition

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Von: Uli Kellner

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Die Mischung macht’s: Der Höhenflug der Löwen ist auf eine kluge Kaderzusammenstellung zurückzuführen. Neulöwen wie Jesper Verlaat überzeugen ...
Die Mischung macht’s: Der Höhenflug der Löwen ist auf eine kluge Kaderzusammenstellung zurückzuführen. Neulöwen wie Jesper Verlaat überzeugen ... © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Fast ein Viertel der Saison ist rum, die erste Länderspielpause sorgt für eine Zäsur – und in der 3. Liga steht der TSV 1860 dort, wo er auch am Ende stehen möchte.

München – Auf einem der beiden Direktaufstiegsplätze. Michael Köllner, der ein Spieljahr mit 38 Runden stets in Etappen einteilt, hat eines seiner Teilziele souverän erreicht. Wie vom Trainer geplant können die Löwen entspannt auf die Wiesn gehen und sich in Ruhe für den Rest der Hinrunde rüsten. Die wird von den Gegnernamen her ungleich härter. Im Oktober warten Ingolstadt (8.), Osnabrück (15.) und Wiesbaden (22.), im November geht es vor der Katar-WM noch gegen Mannheim (6.). Ist Köllners Team auch für diese Aufgaben gerüstet? Eine Übersicht, wo es bisher gut läuft für die Löwen und wo es noch besser werden könnte.

TSV 1860: Das läuft schon gut

Offensive: Fußball sollte immer auch Spektakel sein, predigt Köllner, und auch in dieser Saison werden die 1860-Fans mit Toren satt verwöhnt. 69 standen am Ende der Saison 2020/21 zu Buche (Ligabestwert), zwei weniger vorige Saison, als nur Meister Magdeburg häufiger traf. Aktuell stehen die Löwen bei 22 Treffern, was hochgerechnet auf die Saison einen Wert von 93 ergeben würde. Bemerkenswert: Marcel Bär, der amtierende Torschützenkönig, konnte nur seinen Joker-Doppelpack von Dresden beisteuern. Kurz darauf verletzte er sich schwer am Sprunggelenk, was Fynn Lakenmacher (6 Tore) und Co. überraschend gut kompensieren. Zum Vergleich: Vor einem Jahr – mit den erfahrenen Torjägern Sascha Mölders und Bär im Kader – hatten die Löwen nach neun Spielen lediglich achtmal eingenetzt.

. . . ebenso junge Spieler wie der aktuelle Toptorjäger
Fynn Lakenmacher (r., sechs Treffer) ...
. . . ebenso junge Spieler wie der aktuelle Toptorjäger Fynn Lakenmacher (r., sechs Treffer) ... © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Teamgeist: 30 Profis umfasst der aufgerüstete Kader der Löwen. Überambitioniert? Eine Gefahr für den Teamgeist, wenn beim Anpfiff deutlich mehr Spieler auf der Bank oder der Tribüne sitzen als auf dem Platz stehen? Bisher haben sich diesbezügliche Bedenken als unbegründet erwiesen – auch weil verletzungsbedingt und dank der neuen Auswechselregelung (fünf statt drei) fast alle auf ihre Einsatzminuten kommen. Spieltag für Spieltag stellt Köllner eine andere Startelf auf den Platz – und sogar sein Stiefsohn Alexander Freitag (in Elversberg) und der 18-jährige Marius Wörl (Aue) durften bereits Drittligaluft schnuppern. Ein weiterer Beleg für die gute Stimmung: Gejubelt wird bei 1860 gerne im Pulk – inklusive Reservisten, Trainerstab, Staff, Maskottchen. Und: Viele Profis nutzten das freie Wochenende, um gemeinsam über das Oktoberfest zu streifen.

... aber auch altgediente Profis wie Yannick Deichmann (l.) und Kapitän Stefan Lex leisten ihren Beitrag.
... aber auch altgediente Profis wie Yannick Deichmann (l.) und Kapitän Stefan Lex leisten ihren Beitrag. © IMAGO/Ulrich Wagner

Heimspiele: Die Zeit der Geisterspiele ist vorbei – ein dickes Plus für die Löwen, die sich schwer taten vor leeren Rängen und in dieser Saison zeigen, welche Wucht Team und Anhang im Zusammenspiel erzeugen können. In der Heimtabelle belegt 1860 mit makelloser Ausbeute Platz eins (wie Mannheim) – 15:3 geschossene Toren sind eine Ansage an die Liga. „Zu Hause sind wir eine Macht“, freut sich Flügelflitzer Albion Vrenezi, einer der besten Spieler bei den Heimsiegen gegen Duisburg (4:1) und Aue (3:1). Und Spektakelfreund Köllner? Der bedankte sich einmal mehr bei einem „tollen, frenetischen Publikum“.

TSV 1860: Da passt es noch nicht

Defensive: 50 Gegentore wie im Vorjahr sollten sich nicht wiederholen – auch aus diesem Grund haben Köllner und Sportchef Günther Gorenzel die aktuelle Mannschaft von hinten nach vorne gebaut. Drei Spiele lang – nach dem Auftakt-Spektakel in Dresden (4:3) – sah es defensiv solide aus, spielten die Löwen dreimal in Folge zu null. Seither jedoch musste Marco Hiller in sechs Spielen jeweils mindestens einmal hinter sich greifen. Auffällig: Während sich das Innenverteidiger-Duo Verlaat/Morgalla Woche für Woche Bestnoten verdient, drückt außen regelmäßig der Schuh. Weder Neuzugang Chris Lannert noch Fabian Greilinger konnten bislang defensiv überzeugen. Gut für 1860, dass Phillipp Steinhart und Marius Willsch allmählich wieder fit sind. Nicht auszuschließen, dass Köllner nach der Länderspielpause mit einem neuen (altbewährten) Pärchen links und rechts hinten plant.

Stimmung: Der Kleinkrieg zwischen Ultras und Anthony Power ist zuletzt eskaliert – selbst Köllner geriet zwischen die Mühlsteine, als er zu Saisonbeginn dem Statthalter von Hasan Ismaik öffentlich dankte (für seine Unterstützung beim „Toptransfersommer“). Von der im Vereinslied besungenen „Kamerrrrradschaft“ ist man im Umfeld der Löwen weit entfernt. Die wäre allerdings wichtig, denn wie der Trainer im Sommer anmerkte: „Am Ende landet jede Unruhe bei mir auf dem Platz.“ (ulk)

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