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Randale von Löwen-Fans: Elf Polizisten verletzt

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Nicht nur im Block der Löwen-Fans in Ingolstadt ging es rund. Auch vor und nach dem Spiel kam es zu Tumulten. © MIS

Ingolstadt - Vor und nach dem Skandalspiel in Ingolstadt randalierten Löwen-Anhänger. Ein Zug mit Fans wurde angehalten. Elf Polizisten wurden verletzt. Beamte mussten flüchten.

Bereits bei der Ankunft am Nachmittag am Ingolstädter Hauptbahnhof zündeten Löwen-Anhänger laut Polizei Böller und Bengalos. Auf der Fahrt zum Stadion schlugen Chaoten dann bei drei Shuttle-Bussen Scheiben ein und klauten Nothämmer. Die Polizei konnte mehrere Verdächtige identifizieren und festnehmen.

Schon bei den Einlasskontrollen am Audi-Sportpark stellten Ordner bei zahlreichen Fans Pyrotechnik sicher. Allerdings gelang es einigen Löwen-Anhängern trotz der Kontrollen, Feuerwerk ins Stadion zu schmuggeln. Während des Spiels wurden im Gästeblock mehrmals Rauchtöpfe und Bengalos gezündet. Die Polizei schnappte insgesamt vier Täter.

In der Mitte der zweiten Halbzeit flogen mehrere Feuerzeuge in den Strafraum von FCI-Torhüter Ramazan Özcan. Schiedsrichter Christian Fischer unterbrach das Spiel für zehn Minuten und drohte bei weiteren Vorkommnissen mit einem Spielabbruch.

Während und nach dem Spiel kam es in der Ingolstädter Innenstadt außerdem zu mehreren Auseinandersetzungen mit insgesamt vier Körperverletzungs- und zwei Beleidigungsdelikten. Drei Fußballfans aus München mussten die Nacht in Haftzellen verbringen. Mittlerweile wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

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Insgesamt nahm die Polizei 17 Fans fest. Das wird den Chaoten im Detail zur Last gelegt:

Hinzu kamen neun Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Pyrotechnik.

Zug angehalten - Polizisten verletzt

Damit nicht genug: Auch auf der Heimfahrt hatten sich etliche Löwen-Anhänger nicht im Griff: Bei Petershausen (Kreis Dachau) musste in den Abendstunden ein von Bundespolizisten begleiteter Zug nach München mit mehreren hundert Fahrgästen angehalten werden, weil zahlreiche Fans in den Abteilen randalierten.

Rund 600 Reisende, darunter auch Kinder und ältere Personen, saßen laut Polizei in der Regionalbahn 59107, die Ingolstadt gegen 21:45 Uhr verließ. Kurz vor Petershausen rochen Beamte im Obergeschoss eines Doppelstockwagens gegen 22:30 Uhr Rauch. Als sie nach dem Rechten sehen wollten, wurden sie, zum Teil von vermummten Personen, angegriffen. Dabei flogen auch Flaschen nach den Polizisten. Die Beamten wehrten sich mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Laut Polizeibericht verließen die "Aus Eigensicherungsgründen" verließen die Bundespolizisten in Petershausen den Waggon, wo erneut Flaschen gegen sie flogen. Elf Beamte wurden bei der Attacke leicht verletzt, sie konnten ihren Dienst aber fortsetzen.

In Petershausen sperrte die Polizei den Zugverkehr und rief Verstärkung. Diese kam auch in Form von Beamten der Bayerischen Landespolizei. Außerdem traf der Rettungsdienst am Bahnhof ein. Nachdem sich die Lage beruhigte, setzte der Zug seine Fahrt fort.

Ausschreitungen auch am Hauptbahnhof

Nach Ankunft des Zuges auf Gleis 26 des Münchner Hauptbahnhofes kam es erneut zu Ausschreitungen.

Dabei wurden zwei Bahnsicherheitsmitarbeiter von einem 28-Jährigen aus Unterschleißheim verletzt. Der Mann, der als laut Bundespolizei als "Gewalttäter Sport" geführt wird, zudem 1,48 Promille Atemalkohol hatte, griff die beiden mit Sprungtritten an und verletzte sie. Bundespolizisten unterbanden die Attacke und nahmen den Mann fest.

Gegen einen festgenommenen 34-Jährigen aus Berg am Laim ermittelt die Bundespolizei wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Er warf sich wiederholt mit voller Kraft gegen Beamte, die eine Polizeikette beim Selektieren der Fans bildeten, ließ sich mehrfach provozierend zu Boden fallen und schlug wild um sich.

Nach der Ankunft in München zeigte sich, wie sehr die Fans im Waggon gewütet hatten: Unter anderem waren Toilettentüren eingetreten und Deckenverkleidungen beschädigt und der gesamte Waggon massiv verunreinigt. Am Starnberger Flügelbahnhof gingen Scheiben zu Bruch.

Für die Münchner Bundespolizei waren diese im Rahmen einer Zugbegleitung von Fußballfans die bisher schwerwiegendsten Angriffe. Waren es bisher eher Einzelfälle, bei denen sich Personen strafbar gemacht hatten, standen die Beamten nun erstmals im Zug einer größeren Gruppe teilweiser Vermummter gegenüber, die aggressiv und gewaltbereit waren und Beamte verletzten.

Es wurden Ermittlungen wegen Gefährlicher Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung sowie Beleidigung eingeleitet. Ob weitere Straftatbestände vorliegen, und gegen wen ermittelt wird, werden die Auswertungen der Videoaufzeichnungen ergeben.

Löwen-Führung distanziert sich

Mittlerweile hat auch die Löwen-Führung das Fehlverhalten einiger Fans beim Derby in Ingolstadt scharf kritisiert. „Das ist nicht akzeptabel“, sagte Präsident Gerhard Mayrhofer. Die Löwen müssen einmal mehr in dieser Saison mit einer Bestrafung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) rechnen. Insgesamt waren rund 4.900 Münchner Fans zum Derby nach Ingolstadt gefahren. Man darf vermuten, dass die allergrößte Mehrheit der Löwen-Fans über das Verhalten einiger Chaoten den Kopf schüttelt.   

fro/dpa

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