Martin Gräfer, Vorstand beim Hauptsponsor Die Bayerische, über die Zukunftspläne

TSV 1860: „Der neue Vertrag ist mindestens unter den Top-3 der Liga“ - 2025 mindestens in Liga zwei

Hoffnungszeichen: In Würzburg gewannen die Löwen 3:0, hier jubelt Marcel Bär (mitte).
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Hoffnungszeichen: In Würzburg gewannen die Löwen 3:0, hier jubelt Marcel Bär (mitte).
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Martin Gräfer ist Vorstandsmitglied beim 1860-Hauptsponsor ‚Die Bayerische‘. Im Interview spricht der Löwen-Fan über die zukunft seines Vereins.

München – Hauptsponsor Die Bayerische hat den Vertrag mit dem TSV 1860 um drei Jahre bis 2025 verlängert. Wie der Münchner Versicherer davon profitiert und welche Gegenleistungen er sich von den Löwen erhofft – darüber sprach unsere Zeitung im Interview mit dem Vorstandsmitglied Martin Gräfer (52).

Herr Gräfer, fangen wir sportlich an: Haben Sie die beiden Siege in Dortmund und Würzburg zum Jahresschluss einigermaßen versöhnlich stimmen können?

Als Fan und Lebensmitglied auf jeden Fall. Die eiskalte Chancenverwertung hat zu den Temperaturen in Würzburg gepasst. Da war eine Mannschaft zu sehen, die zusammengehalten hat, das freut mich und macht Lust auf mehr. Aber aus Sicht des Sponsors trifft man so eine Entscheidung wie diese Vertragsverlängerung natürlich nicht aus der Emotionalität heraus. Da geht es darum, wie die Marke 1860 im Zusammenspiel mit unserer funktioniert, um die Summe des gemeinsamen Weges. Und kann ich nur sagen: Die Ziele, die wir beim Einstieg 2016 definiert haben, haben wir im Wesentlichen erreicht: Bekanntheit, Sympathie, Abschlussbereitschaft – wir konnten alles erhöhen.

„Ich bleibe optimistisch.“

Martin Gräfer hat den Aufstieg noch nicht abgehakt.

Ein Ausstieg stand also nicht zur Debatte?

Wir haben uns mit allen Optionen beschäftigt. Aber die Parameter standen sehr schnell auf Verlängerung. Das Gesamtpaket ist gut für uns und für den Verein mehr als attraktiv.

Das Volumen des Vertrags sei „relevant erhöht“ worden, haben Sie bei Facebook geschrieben. Nicht verlängert wurde die Zusatzvereinbarung, die den Löwen in den vergangenen und in dieser Saison jeweils eine Million extra garantierte.

Wir wollten mit dieser Zusatzvereinbarung einen zusätzlichen Beitrag leisten, relativ schnell den nächsten Schritt gehen zu können. Das hat in der vergangenen Saison am Ende knapp nicht funktioniert, in dieser Saison ist die Beer noch nicht geschält, wie man in meiner pfälzischen Heimat sagt. Es fehlen sieben Punkte zu einem Aufstiegsplatz, das ist nicht unüberwindbar. Ich bleibe optimistisch.

TSV 1860: Die Bayerische verzichtet auf Namensrechte

War eine weitere Extra-Million nicht darstellbar?

Wir sind Sponsor, keine Investor. Sonst könnte man da eine andere Perspektive drauf haben. Bei uns geht es um den Wert der Marke und da sind wir ans obere Limit gegangen, was man verargumentieren kann. Der neue Vertrag ist vom Volumen her mindestens unter den Top-3 der Liga, wir haben neue Erfolgsprämien definiert. In Kombination mit der Laufzeit über drei Jahre bietet dieser Vertrag dem Klub eine hohe Planungssicherheit.

In der Vollzugsmitteilung war von Werberechten zu lesen, die Sie an 1860 zurückgegeben hätten. Worum geht es da genau?

Das prominenteste Beispiel sind die Namensrechte am Nachwuchsleistungszentrum, die wir 2019 quasi mit erschaffen haben. „Die Bayerische Junglöwen“ läuft noch bis zum Saisonende. Da hat 1860 jetzt die Möglichkeit, neue Partner zu finden. Und das ist sicherlich sehr attraktiv. Die Summe der Erlöse wird in den Spieleretat einfließen können.

„1860 sollte eine großartige Zukunft haben, die nicht nur aus Erfolgen von vor Jahrzehnten spricht.“

Martin Gräfer ist an einer erfolgreichen Löwen-Zukunft interessiert.

Inwiefern beschäftigt Sie die Situation ums Grünwalder Stadion, wo die Entscheidung über einen Umbau nach wie vor aussteht?

Das beschäftigt uns sehr. 1860 braucht als Perspektive ein Stadion, mit dem man mehr Geld verdienen kann als mit dem Grünwalder in seinem aktuellen Zustand. Wenn kein neues Stadion gebaut werden kann, dann benötigt der Klub einen Umbau, der auch die Vermarktbarkeit erhöht, sprich: VIP-Bereiche mit entsprechenden Bewirtungs-Möglichkeiten. Man muss gemeinsam mit der Stadt an einen Tisch kommen und eine Lösung finden. München hat als Aushängeschild nicht nur den Verein, der weltweit bekannt ist, sondern auch den TSV 1860, der wie kein zweiter für die Stadt steht. Es braucht einen fairen Deal. Ich bin mir nicht sicher, ob Zwangsabgaben für den ÖPNV in der bisherigen Höhe sinnvoll sind. Aber ich verstehe auch die Stadt. In der Vergangenheit war nicht immer sofort erkennbar, was 1860 genau will. Das ist jetzt anders.

Die angedachte Kapitalerhöhung liegt weiterhin auf Eis. Ist Die Bayerische nach wie vor an einem Einstieg interessiert?

Wir sitzen da auf der Auswechselbank, sind aber grundsätzlich bereit und haben das auch signalisiert als es um die Umwandlung eines Darlehens ging. Eine Kapitalerhöhung kann nicht von Sponsoren alleine kommen, das ist klar. Aber sie hätte für alle Beteiligten einen besonderen Charme und könnte sinnstiftend sein. Wir sind mit beiden Gesellschaftern in einem guten Kontakt, aber ich kann natürlich nur für uns sprechen. 1860 sollte eine großartige Zukunft haben, die nicht nur aus Erfolgen von vor Jahrzehnten spricht.

Lebensmitglied bei 1860: Martin Gräfer.

Wo sollen die Löwen im Jahr 2025 stehen?

Mindestens in der Zweiten Liga. Aber da unbedingt. Nichts gegen Würzburg oder Havelse, aber in der selben Liga wie der HSV, Werder, Schalke oder wer immer sich da festsetzt zu spielen, wäre nicht nur aus Fan-Sicht attraktiv, sondern auch für Sponsoren. Unser Vertrag würde entsprechend angepasst werden, da würden wir nochmal nachlegen. Trotzdem sollte das jetzt nicht als Druck verstanden werden. Ein Aufstieg wäre sensationell, aber wir haben keine Klausel drinstehen, dass wir in dreieinhalb Jahren nur dann verlängern.

Interview: Ludwig Krammer

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