Interview mit dem neuen 1860-Trainer, zweiter Teil 

Neuer Löwen-Coach Michael Köllner: „... und dann spielen wir Champions League“

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„Wenn du es schaffst, dass alle an einem Strang ziehen, dann wird es am Ende auch erfolgreich sein“: Der neue 1860-Coach Michael Köllner.

Michael Köllner, der neue Trainer des TSV 1860 München, verrät im Interview, welche Ziele er mit der Mannschaft hat. Und das sind keine Kleinigkeiten, die sich der Nachfolger von Daniel Bierofka vorgenommen hat.

  • Als neuer Trainer des TSV 1860 München steckt sich Michael Köllner ehrgeizige Ziele.
  • Köllner will die Aufgabe realistisch angehen und sagt zugleich: „Man darf auch den Optimismus nicht verlieren“    
  • Im Interview erklärt Köllner auch, was Fußball und Religion seiner Meinung nach gemeinsam haben.

Am siebten Tag sollst du ruhen, heißt es in der Bibel. Michael Köllner, der gläubige Christ, hat den Löwen am Ende seiner ersten Arbeitswoche sogar einen freien Samstag und Sonntag spendiert. Ab heute forciert der neue 1860-Coach die Vorbereitung auf das Derby gegen den FC Bayern II, sein erstes Spiel in der 3. Liga (Sonntag, 14 Uhr, live und ohne Registrierung bei Magenta). Dass er sich in der untersten Profiliga nicht dauerhaft aufhalten will, erklärt der Nürnberger Aufstiegscoach in Teil zwei unseres Interviews. Außerdem verrät Köllner, wie er in der Kapitänsfrage verfährt, auf welchen Torwart er setzt – und was seiner Meinung nach Fußball und Religion gemeinsam haben.

Herr Köllner, bei Ihrer Vorstellung sprachen Sie ungeniert von der 2. Liga … 

Man muss und soll sich auch Ziele setzen. Es kann ja nicht sein, dass ich sage: So, jetzt bin ich Trainer bei den Löwen und schaue, dass ich dieses Jahr 14. werde. Nächstes Jahr 13. Und im Jahr darauf machen wir wieder Platz 14. Ich glaube, das wäre die falsche Herangehensweise für das Anspruchsdenken des Vereins. Genauso wäre es fatal, wie Kabarettist Michael Altinger zu sagen: Dieses Jahr steigen wir in die 2. Liga auf, dann in die Bundesliga – und dann spielen wir Champions League (lacht). Man muss realistisch bleiben, darf aber auch den Optimismus nicht verlieren.

Ein aufgeregtes Umfeld sind Sie ja aus Nürnberg gewöhnt, aber 1860 ist noch mal was anderes. Kann Erfolg überhaupt gedeihen, wenn ein Verein so gespalten ist?

Eine Sache habe ich auch in Nürnberg feststellen dürfen: Wenn du es schaffst, dass alle an einem Strang ziehen, dann wird es am Ende auch erfolgreich sein. In Nürnberg hat man Andreas Bornemann und mir das Vertrauen gegeben – und dann waren wir schneller in der Bundesliga, als alle geglaubt haben. Und vor allem: Der Verein war anschließend saniert, nachdem zuvor noch eine Insolvenz im Raum gestanden hatte. Das ist der Fußball: Es kann rasant nach oben gehen, aber auch rasant nach unten. Man braucht allerdings Ruhe.

Hatten Sie schon Kontakt zu Hasan Ismaik?

Nein, bisher noch nicht. Aber das wird sich sicherlich ergeben. Derzeit arbeite ich rund um die Uhr, um die Mannschaft voranzubringen. Meine Ansprechpartner sind die beiden Geschäftsführer Günther Gorenzel und Michael Scharold – und meine Mannschaft. Damit habe ich genug zu tun, denn wir müssen als nächstes im Derby bestehen. Und danach gegen Haching.

Aus Nürnberg ist zu hören, dass Sie sehr gläubig sind. Was ist Ihr Rat als ehemaliger Klosterschüler an das von Grabenkämpfen geprägte Löwen-Umfeld?

Das mit dem Glauben ist immer so ein Thema, das wird gerne überprojiziert. Für mich ist vor allem wichtig, dass man sich an Werten orientiert – die meisten finden sich in den zehn Geboten. Ich will hier niemanden missionieren, aber letztlich ist ja auch Fußball eine Religion. Ob im Stadion oder in der Kirche – das Prozedere ist immer ähnlich. Es werden gewisse Songs gesungen – hier der 60er-Marsch, dort das Ave Marie. Am Ende geht es hier wie dort darum, dass eine Gemeinschaft zusammenkommt und ein Ziel erreichen will. Für gläubige Menschen ist es, dass sie in den Himmel kommen wollen. In anderen Religionen geht es darum, wiedergeboren zu werden. Und hier geht es darum, dass der Verein wieder erfolgreiche Zeiten erlebt.

Interview: Uli Kellner

Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews mit dem neuen Löwen-Trainer: Bierofka-Nachfolger Köllner: „Am Ende machen eh die Spieler die Taktik“.

Köllners erste Personalentscheidungen: „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Kabine hier aus dem Ruder läuft...“

Quelle: tz

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