Flügelstürmer steht Rede und Antwort

Lex über seine Rolle bei 1860, Hierarchien und Schafkopf mit drei Rechtsaußen

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Daumen hoch: Stefan Lex kommt beim TSV 1860 immer besser in Schwung.

Sommer-Neuzugang Stefan Lex spricht im ausführlichen Interview über seine Rolle beim TSV 1860, Hierarchien bei den Löwen und Schafkopf mit drei Rechtsaußen.

München – Ein feiner Lupfer, ein frühes Tor – schon war sie weg, die Krise des TSV 1860. Und auch die Ungewissheit, die Stefan Lex begleitete, seit er im Sommer vom FC Ingolstadt zu seinem Herzensverein gewechselt ist. Unser Interview mit dem Flügelstürmer aus Eitting bei Erding, der auf dem Weg zur festen Größe ist beim TSV 1860.

Herr Lex, gegen Zwickau, beim 2:0-Heimsieg, war Ihr Tor zum 1:0 der Türöffner. Ihr bislang schönstes Erlebnis als 1860-Profi?

Stefan Lex: Ja, das kann man so sagen. Nach ein paar Wochen, wo’s nicht so gelaufen ist, wollten wir zeigen, dass wir es besser können. Das 5:1 gegen Lotte war auch schön, weil es mein erstes Tor war. Aber diesmal war es das 1:0 – also wichtiger und daher auch schöner.

Eine persönliche Erlösung?

Lex: Ich hab mich gefreut, aber ich würde nicht von einer Erlösung sprechen. Ich hatte ja schon die Wochen davor immer besser reingefunden, war auch öfter in der Startelf. Der Trend war bereits positiv.

Positiv ist auch, dass Sie sich offenbar daran erinnern können. Anders als nach Ihrem Knockout beim 1:1 gegen Halle . . .

Lex: Ja, diesmal weiß ich die vollen 90 Minuten(lacht). Gegen Halle hab ich nicht mehr viel gewusst. Die erste Halbzeit war weg, ist dann aber wiedergekommen. Die Szene vom Zusammenprall (mit Keeper Kai Eisele/Red.) kenne ich nur vom Video. Ich weiß nur noch, dass der lange Ball gekommen ist – und ich plötzlich auf der Bank saß und meine Mitspieler gefragt hab, was ich da mache.

TSV 1860 gegen Hallescher FC: Auch ein Hauch von WM-Finale

Wie Christoph Kramer im WM-Finale?

Lex: Schon so ein bisschen (lacht).

Auch Ihre ersten Monate bei 1860 waren sportlich nicht so, dass Sie einen hohen Erinnerungswert für Sie haben dürften.

Lex: Ja, es lief nicht so, wie ich mir das erträumt hatte – wobei auch nicht damit zu rechnen war nach meiner schweren Zeit in Ingolstadt. Es ist aber nicht so, dass ich alles schwarz oder weiß sehe. Genauso wenig wie vorher alles schlecht war, ist plötzlich alles gut. Ich hab ein bisschen gebraucht, um mich auf das System und die Vorgaben der Trainer einzustellen.

Stellte mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Zwickau die Weichen auf Sieg: Stefan Lex.

Also gab es diesen Rucksack wirklich, von dem Daniel Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel stets gesprochen haben?

Lex: Ich hätte der Mannschaft halt gerne schneller geholfen, hab vielleicht zu schnell zu viel gewollt. Ein einschneidendes Erlebnis gab’s nicht, dass es dann besser lief. Es war eher ein Prozess. In Ingolstadt war ich zum Schluss das fünfte Rad am Wagen, ich musste mir die alte Sicherheit mühsam wieder erarbeiten. Zweifel hatte ich aber nie – eher damals in Ingolstadt, als ich ein Dreivierteljahr gar nicht mehr gespielt habe.

Wenn man zum FCI schaut, der in der 2. Liga ganz unten steht, dürften Sie sich eh bestätigt fühlen . . .

Lex: Ja, als neutraler Zuschauer muss man sagen, dass die letzten Spiele nicht so gut ausgeschaut haben – wobei ich ja nicht neutral bin. Mit meinem Weggang hat das aber nichts zu tun, ganz sicher nicht. Ist natürlich keine einfache Situation in Ingolstadt. Ich hoffe, dass der Trainerwechsel der Impuls ist, den sie jetzt brauchen.

Löwen-Sportchef Gorenzel lobt: „Ansprache hat gefruchtet“

Sportlich sind Sie in München mit Verzögerung angekommen – wie war’s menschlich? Sie mussten sich ja in eine funktionierende Aufstiegsmannschaft einfügen.

Lex: Klar war eine verschworene Einheit da, aber es gab nie einen Zwist zwischen neuen Spielern und denen, die länger da sind. Schon am Anfang haben wir versucht, die Gruppen zu verschmelzen. Also, ich komme mit allen klar.

Sie spielen sogar Schafkopf mit Marius Willsch, Ihrem direkten Rivalen auf dem rechten Flügel.

Lex: Klar, warum nicht? Wenn die Sympathie da ist, spiele ich auch mit drei Rechtsaußen Schafkopf (lacht). Ich weiß noch, wie das in Lautern war, vor dem ersten Spiel: Da bin ich nach dem Aufwärmen zum Masch hin und hab gesagt: Alles Gute! Gib Gas, das hast du dir verdient mit deiner Riesenvorbereitung.

Und wie ist es am Schafkopftisch: Merkt man da die Rivalität?

Lex: Da merkt man eher, dass wir aus unterschiedlichen Regionen Bayerns kommen. Einige wollen grundsätzlich einen kurzen Schafkopf spielen, ich einen langen. Ansonsten ist das Niveau relativ gleich.

Hat der Teamgeist eigentlich gelitten in den Wochen, als es nur einen Sieg in zehn Spielen gab?

Lex: Natürlich ist alles leichter, wenn man gewinnt. Wir haben einen großen Kader für die 3. Liga, daher ist auch das Potenzial für Unruhe größer. Aber ich denke, wir haben das ganz gut geregelt.

„Es gibt eine Hierarchie bei uns, aber nicht so diktatorisch“

Mit der teaminternen Aussprache letzte Woche?

Lex: Ja, die war sehr positiv, das kenne ich auch anders. Ich hab erlebt, dass bei solchen Aussprachen nur der Kapitän geredet hat. In Ingolstadt waren es drei, vier Spieler, die was gesagt haben, bei uns wollten 15 Leute was beitragen. Es gibt eine Hierarchie bei uns, aber nicht so diktatorisch. Felix Weber ist unser Kapitän, auch wenn er mal nicht spielt. Und der Sascha (Mölders), der staucht einen eh zusammen, wenn er es für richtig hält. Ich denke, die Aussprache kann uns helfen im weiteren Saisonverlauf.

Und wie ist Ihre Rolle? Sie sagten ja, sie seien kein Lautsprecher, würden aber trotzdem Führungsaufgaben übernehmen.

Lex: Ich bin ja jetzt 29 und schon länger im Geschäft dabei – da ist das ganz normal. Ich bin aber keiner, der rumschreit, sondern komme eher über die sachliche Analyse. Oder über den Humor.

Thema der Aussprache soll ja ein Nachlassen gewisser Primärtugenden gewesen sein. Dass man sich gegenseitig unterstützt. Und im Training Vollgas gibt. War das schon im Vorfeld des KSC-Spiels spüren?

Lex: Es war eher so, dass wir in der Nachbetrachtung gesagt haben: Es war eine richtig schlechte Einheit dabei – und vielleicht hat die auch eine Rolle gespielt.

Ex-Trainer Werner Lorant predigte: „Wie du trainierst, so spielst du auch.“

Lex: Da ist auf jeden Fall was dran. Aber es ist nicht immer so. Manchmal läuft’s auch einfach – so wie in Ingolstadt im Aufstiegsjahr. Da konnten wir im Endeffekt trainieren wie wir wollen – und haben trotzdem jeden weggehauen. Die Härte im Zweikampf und gegen dich selber, die holst du dir aber grundsätzlich im Training. Ohne ist es ganz schwer, am Spieltag den Schalter umzulegen.

Lex: „In der Winterpause vielleicht mal auf die Tabelle schauen ...“

Nach dem bestandenen Charaktertest gegen Zwickau steht 1860 auf Platz 9. Schauen Sie eher nach oben oder nach unten?

Lex: Vor dem letzten Spiel haben wir schon mal geschaut: Wie ist der Abstand nach unten? Nicht, dass wir da in größere Sorgen geraten. Wie viel nach oben fehlt, weiß ich gar nicht – wahrscheinlich zu viel. Jetzt haben wir noch drei Spiele bis Weihnachten, da wollen wir mit einer Intensität wie gegen Zwickau reingehen, möglichst viel punkten – und dann können wir in der Winterpause vielleicht mal auf die Tabelle schauen.

Muss der Kader qualitativ verstärkt werden?

Lex: Aus meiner Sicht nicht. Ich finde, wir haben genug gute junge Spieler hinten dran.

Wie fühlen sich für Sie als kickender 1860-Fan die Heimspiele in Giesing an?

Lex: Sehr gut, sehr emotional. Typisch Sechzig war für mich der geplante Stimmungsboykott am letzten Samstag. Da wollten einige Fans durch Ruhe ein Zeichen setzen, haben sich dann aber so mitreißen lassen, dass man’s kaum gemerkt hat. Meine Familie ist auch bei jedem Heimspiel dabei und genießt es.

Und wie schaut’s in Eitting aus? Im Sommer sagten Sie, dass die Roten da von Haus einen schweren Stand haben. Hat sich das durch Ihren Wechsel noch weiter verschoben?

Lex: Die blaue Fraktion in Eitting war schon immer sehr groß – durch den Aufstieg und meinen Wechsel ist sie vielleicht noch einen Tick stärker geworden. Wenn wir jetzt Bundesliga schauen, bei mir im Partykeller, dann kommen die Roten schon nicht mehr so gerne. Neulich, beim Spiel in Dortmund, haben einige abgesagt. Ist halt nicht mehr so, dass sie jedes Spiel 6:0 gewinnen – inzwischen müssen sie sich auch mal von uns blöde Sprüche anhören.

In einem anderen Keller, dem Waschraum bei 1860, sollen Fotos von weißblauen Helden und Idolen hängen. Angeblich ist es Ihr Traum, dort auch mal verewigt zu werden . . .

Lex: Auf dem Mannschaftsbuidl bin ich ja schon mal drauf (lacht). Das mit dem Einzelporträt wird wahrscheinlich noch dauern – dazu müssten wir mindestens eine Liga aufsteigen. Ich denke, wenn mir dann das entscheidende Tor gelingt, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass ich auf die Wand komme – zumindest mal für ein Jahr.

Wie ist denn überhaupt Ihre Zukunftsplanung? Ende November sind Sie ja 29 geworden.

Lex: Mein Vertrag hier läuft noch zwei Jahre – mit Option auf Verlängerung. Ich würde gerne so lange da bleiben, wie es für mich und die Mannschaft den gewünschten Erfolg bringt. Im Idealfall können wir nächstes Jahr angreifen, aber ich denke, wir tun gut daran, nicht zu große und zu langfristige Ziele auszurufen.

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Quelle: tz

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