Rückkehr an alte Wirkungsstätte

„Fitter als je zuvor“: Ex-Löwe Hosiner über 1860, Chemnitz - und den Sieg gegen den Krebs

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Von 2006 bis 2009 für den TSV 1860 München am Ball: Philipp Hosiner. Er trifft in Chemnitz fast nach Belieben.

Kürzlich konnte Philipp Hosiner mit Chemnitz Bayern II besiegen, nun geht es gegen seine alte Liebe. Der Ex-Löwe spricht über den TSV 1860, den jetzigen Klub und seine schwere Krankheit.

  • Philipp Hosiner spielte früher für den TSV 1860 München.
  • Nun kehrt der Österreicher mit Chemnitz ins Grünwalder Stadion zurück.
  • Im Interview spricht er über seinen Ex-Klub - und den wichtigsten Sieg seines Lebens.

Chemnitz - Fünfzehn Tore in 17 Spielen – das ist die beeindruckende Quote von Chemnitz-Stürmer Philipp Hosiner (30). Am Samstag kommt der Burgenländer mit blauer Vergangenheit zurück ins Grünwalder Stadion. Was den Spieler des CFC noch mit dem TSV 1860 verbindet, wie er das Chaos in Chemnitz erlebte und inwiefern der Krebs sein Leben verändert hat, verrät Hosiner im Interview.

TSV 1860: Darum hat es mit einem Profivertrag nicht geklappt

Philipp Hosiner, am Montag haben Sie die Torvorlage beim 1:0-Sieg gegen Bayern II geliefert. Fühlt sich ein Sieg gegen die Roten immer noch besonders an für einen ehemaligen Blauen?

Philipp Hosiner: Auf jeden Fall! Die Rivalität steckt noch in mir drin, das hab ich am Montag wieder gemerkt. Damit kannst du die letzten zwei, drei Prozent mehr rauskitzeln.

Mit Union Berlin haben Sie 2016 in der 2. Liga schon einmal beim TSV 1860 gespielt, allerdings noch in Fröttmaning. Das Grünwalder kennen Sie besser...

Hosiner: Dieses Stadion mitten in der Stadt hat einen ganz eigenen Flair. Ich kann’s kaum erwarten, dort wieder aufzulaufen. 

Ihre schönste Erinnerung?

Hosiner: Mein Tor gegen Bayern im A-Jugend-Derby 2006. 2:2 in der 90. Minute. Bei meinem ersten Heimspiel – unvergesslich!

Warum hat es damals nicht geklappt mit einem Profivertrag?

Hosiner: Ich hab mich nach drei Jahren reif gefühlt für die erste Mannschaft, der Verein wollte noch ein Jahr warten. Das war mir zu viel – und dann bin ich eben nach Sandhausen gegangen. Aber ohne böses Blut – das ist mir wichtig zu sagen.

Bei Sturm Graz sind Sie im vergangenen Jahr aufs Abstellgleis geraten. Stimmt es, dass Sie 1860 zurückholen wollte?

Hosiner: Wir waren im Kontakt. Aber es ist nie zu einem konkreten Angebot gekommen.

Was gab den Ausschlag für den Chemnitzer FC?

Hosiner: Der damalige Co-Trainer Sreto Ristic hat mich kontaktiert, den kannte ich noch als Mitspieler in Sandhausen. Entscheidend war für mich die Aussicht auf Spielpraxis.

Hosiner und der Chemnitzer FC: „Das hat Kräfte freigesetzt“

Die haben Sie bekommen. Allerdings auch tägliche Schlagzeilen über Daniel Frahn und rechtsextreme Fans...

Hosiner: Frahn war damals schon weg, aber klar war das heftig, wie sich das hochgeschaukelt hat. Kurz nachdem ich gekommen bin, sind Thomas Sobotzik (Geschäftsführer, d. Red.) und David Bergner (Trainer) gegangen, wir hatten drei Punkte nach acht Spielen. Es stand Spitz auf Knopf.

Wie kam’s zur Wende?

Hosiner: Michael Ballack hat Patrick Glöckner als Trainer empfohlen. Das war ein super Rat. Ich hab selten einen Trainer erlebt, der so ein Gespür hat für die Spieler. Und was man auch sagen muss: Der Wirbel um den Verein hat uns als Mannschaft zusammengeschweißt. Jeder hat gewusst: Wenn jetzt auch noch wir Spieler durchdrehen, dann geht hier alles unter. Das hat Kräfte freigesetzt. Nach dem 3:2-Sieg gegen Jena sind wir langsam in Fahrt gekommen.

Jena war Ihr erster Doppelpack, fünf weitere haben Sie folgen lassen. Wie erklären Sie sich den Lauf?

Hosiner: Es ist alles eine Frage des Vertrauens und Selbstvertrauens. Die Qualität für die Quote habe ich. Aber das bringt uns alles nichts, wenn’s defensiv nicht passt. Seit wir das in den Griff bekommen haben, geht’s aufwärts. Wir sind jetzt eine eklige Mannschaft – gegen uns spielt keiner mehr gern. Aber gerettet sind wir deshalb noch lange nicht. Das wird ein Nervenspiel bis zum Schluss. Unser Vorteil ist, dass wir die Situation kennen und schwer aus der Ruhe zu bringen sind.

1860: Ex-Löwe Hosiner sieht das Leben nun „mit anderen Augen“

Stichwort Ruhe. Am 11. Februar haben Sie zum fünften Mal Ihren zweiten Geburtstag gefeiert, den Tag Ihrer erfolgreichen Krebs-Operation. Dürfen wir fragen, was Sie gemacht haben?

Hosiner: Freilich. Ich war in der Kirche und hab mich dafür bedankt, dass es das Schicksal gut gemeint hat mit mir. Ohne die Routine-Untersuchung damals beim 1. FC Köln wäre der zwei Kilo schwere Nierentumor nicht entdeckt worden. Die schnelle Operation hat mir das Leben gerettet. Wenn du nicht weißt, ob du aus der Narkose wieder aufwachst, dann siehst du das Leben hinterher mit anderen Augen.

Vor fünf Jahren besiegte Philipp Hosiner den Krebs - der Nierentumor wurde rechtzeitig erkannt und entfernt.

Können Sie das konkretisieren?

Hosiner: Ich freue mich jeden Tag, dass ich gesund bin und trainieren darf. Die Gelassenheit darf man nicht mit fehlendem Ehrgeiz verwechseln – ich mach mir nur keine Sorgen mehr um die Zukunft. Ich weiß, dass ich als Fußballer noch einige gute Jahre vor mir hab. Und ich fühle mich fitter und konzentrierter denn je, seit ich meine Ernährung umgestellt habe. Kein Fleisch mehr, keinen Industriezucker. Ich hab noch nie so schnell regeneriert.

Der TSV 1860 München setzt seine Erfolgsserie auch gegen den 1. FC Magdeburg fort - doch die Partie verbuchen Fans und Spieler mit gemischten Gefühlen.

Interview: Ludwig Krammer

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