Reisinger & Co. kontern den Investor

Nach Ismaik-Attacke gegen Scharold: 1860-Präsidium schießt zurück

Attacke via Facebook: Hasan Ismaik und sein Ziel Michael Scharold Fotos: dpa/ Gebert

TSV 1860 München: Investor Hasan Ismaik macht Geschäftsführer Michael Scharold schwere Vorwürfe. Das Präsidium der Löwen um Robert Reisinger verteidigt ihn aber.

Update vom 17. Juni, 16.38 Uhr: Nach der scharfen Attacke von Hasan Ismaik auf Löwen-Geschäftsführer Michael Scharold via Facebook hat das Präsidium des TSV 1860 München eine offizielle Stellungnahme herausgegeben. Darin äußert das Gremium deutliches Befremden in Bezug auf Ismaiks Post.

„Wir halten Soziale Medien grundsätzlich nicht für den richtigen Ort, um Gesellschafterthemen des TSV 1860 München zu platzieren“, heißt es in der Mitteilung, die von Präsident Robert Reisinger und seinen Vize-Präsidenten Hans Sitzberger und Heinz Schmidt unterschrieben ist. „Als Vereinsvertreter bestehen wir auf dem persönlichen Kontakt mit Vertretern unseres Mitgesellschafters.“ Direkter Kontakt mit Ismaik scheint also nicht unbedingt erwünscht zu sein.

Präsidium des TSV 1860 München verteidigt Michael Scharold

Des Weiteren verurteile man die öffentlichen Angriffe auf Michael Scharold. Diese seien nicht nur in der Form „völlig inakzeptabel, sondern auch sachlich falsch.“ Die Bezichtigungen von Ismaik, der nur Mitgesellschafter genannt wird, würden einem bereits bekannten Muster folgen.

„Wir schätzen Michael Scharold als fachlich sehr qualifizierten Geschäftsführer“, schreibt das Präsidium weiter und sagt, dass dessen Bemühungen Respekt verdienen würden. Mit dem Satz „Michael Scharold genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Vereins“ schließt die Mitteilung. Wie Hasan Ismaik wohl darauf reagieren wird?

TSV 1860 München: Verein und Ismaik attackieren sich erneut gegenseitig

Aufsteigen, ankommen, angreifen – so lautete der sportliche Plan beim TSV 1860 nach dem Absturz in die Regionalliga. Punkt eins und zwei ließen sich binnen zwei Jahren bewerkstelligen, nur bei der Sache mit dem Angreifen haben sie in Abu Dhabi und Giesing etwas komplett falsch verstanden…

Statt ein gemeinsames Ziel auch gemeinsam zu verfolgen, stehen sich der Verein und sein Investor in vollendeter Ablehnung gegenüber. Die Hoffnungen, den anderen mittels einer Insolvenz bzw. durch Aushebeln der 50+1-Regel loszuwerden, erwiesen sich 2017 als nicht umsetzbar, doch statt Kompromisslösungen anzustreben, wird intrigiert und attackiert – zur Förderung des Rufs gerne auch öffentlich.

Ismaiks Rundumschlag vergrößert das Chaos um den Klub noch mehr

Jüngste Episode: Hasan Ismaiks Facebook-Rundumschlag, der zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung zwar keinerlei Fragen beantwortet, dafür das Chaos im und um den Klub tatsächlich noch vergrößert.

Kurz vor dem Trainingsauftakt: Spieler, Boss, Sponsoring - viele offene Fragen bei den Löwen

Im Fokus der Kritik steht Geschäftsführer Michael Scharold, dem Ismaik grobe handwerkliche Fehler und fahrlässiges Handeln bei der Finanzplanung unterstellt. Dass der Finanzboss noch nicht rausgeflogen sei, liege einzig und allein daran, dass sich Präsident Robert Reisinger nicht eingestehen wolle, mit Scharolds Einstellung einen Fehler begangen zu haben.

Was Ismaik in seinem Furor wohl vergessen hat: Er vernichtet Scharold für zu wenig Sponsoring-Einnahmen, stellt sich aber gleichzeitig gegen die Ausweitung des Engagements von Hauptsponsor Die Bayerische, das der sportlichen Leitung den dringend benötigten Handlungsspielraum für Transfers geben würde. Widerspruch zwei: Ismaik kritsiert die „drastische“ Erhöhung der Eintrittspreise, echauffiert sich aber seit Jahren über ein zu geringes Umsatzplus. Das alles wäre noch halbwegs zu verstehen, stünde den Vorwürfen nicht lediglich der Plan eines erneuten Millionen-Darlehens gegenüber, wohl wissend, dass das Präsidium eine weitere Neuverschuldung wiederholt ausgeschlossen hat.

Ismaik bietet dem TSV 1860 Hilfe an - Reisinger kontert

„Mir ist bewusst, dass der TSV 1860 mit der aktuellen Mannschaft größte Gefahr läuft, das Saisonziel Klassenerhalt in der Dritten Liga nicht zu erreichen“, heißt es in Ismaiks Brandbrief wörtlich. „Aus diesem Grund habe ich mich kurzfristig entschlossen, Cheftrainer Daniel Bierofka (…) noch einmal zu helfen. Mit einer zusätzlichen Finanzspritze, die ich in Form eines Darlehens umgehend zur Verfügung stellen werde (…).“

Sollten diese Aussagen einzig und allein als Druckerhöhung auf Reisinger gedacht gewesen sein, wird Ismaik nachlegen müssen. Die Reaktionen bei Facebook und einem sehr investorennahen Blog waren bis gestern Abend jedenfalls in erheblichen Teilen negativ bis verheerend. Fast schon eine Steilvorlage für das Ismaik-kritische Lager. „Wir äußern uns nicht zu Einträgen auf Facebook“, sagte Präsident Reisinger auf tz-Nachfrage. „Ein konkretes Angebot, zu dem wir Stellung beziehen könnten, liegt uns nicht vor.“

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